Handball: THC-Damen mit ungewöhnlichem Training

  Meisterliches Training

Reha am Kreuz mit speziellen Übungen, ausgedacht für die Handballerinnen des THC Erfurt



Federball auf einem Kippelbrett, das sorgt immer für gute Unterhaltung während des Trainings. Wie auch die Liegestütze, bei denen die Füße auf einem Gymnastik-Ball liegen, der gerne mal die Richtung wechselt. Im Kreisbetrieb folgen Kniebeuge auf einem Bein, auf einer sich bewegenden Unterlage versteht sich. Die Dehnungsübungen erinnern ein wenig an den Griechisch-Römischen Stil im Ringen.

Die Handballerinnen des THC kämpfen am Samstag gegen Buxtehude um den Deutschen Meistertitel – und müssen fit sein. Handball ist ein kämpferischer Sport, bei dem es hart zur Sache geht. Noch vor dem Fußball rangiert der Sport – zwar nicht, was den Verdienst angeht – wohl aber die Verletzungen.
In erster Linie betroffen sind Sprunggelenke, Knie oder Finger. Besonders häufig bei Handballerinnen werden auch die Bänder geschädigt durch Risse, Anrisse oder Überdehnungen.

„Bei diesem schnellen Sport werden Bewegungsabläufe abrupt unterbrochen, beispielsweise wenn eine Angreiferin mitten im Wurf gestoppt wird“, erklärt der Erfurter Orthopäde Dr. Dirk Macher die Gefahren. Er begleitet die Damen des Thüringer Handball Clubs (THC) in dieser Langzeit-Studie. Gemeinsam wollen die Profisport­lerinnen und das Team aus Ärzten und Sportwissenschaftlern der Reha am Kreuz herausfinden, ob spezielle Präventionsübungen die Gelenke trotz der hohen Belastungen im Profisport so trainieren können, dass die Verletzungshäufigkeit abnimmt.

„Für die Sportlerinnen ist jede größere Verletzung eine Bedrohung. Nicht nur für die Saison, sondern für die gesamte Laufbahn. Nicht außer Acht lassen darf man zudem die finanzielle Seite“, erklärt Dr. Macher. Denn die Kosten für die Gesundung der Profisportler übernehme die VBG als gesetzliche Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft). So wird es für die VBG durch meist lange Ausfallzeiten nach Verletzungen und hohe Behandlungskosten richtig teuer. Deswegen werden die Ergebnisse der Studie mit Spannung erwartet. Lohnen sich die Kosten für die Prävention im Vergleich zu Behandlungskosten und der Zahlung von Ersatzleistungen?

Derzeit sieht alles danach aus. THC-Spielerin Nora Reiche beispielsweise, die seit zwölf Jahren aktiv Handball spielt, kann sich an keine Saison erinnern, in der es so wenige Verletzungen in einer Profi-Mannschaft gegeben habe. Sie selbst schätzt das Training, weil auch sie sich bereits einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Gut trainiert gehen die Damen mit einem sichereren Gefühl in die Spiele.

Die Sportwissenschaftler Martin Franz und Ronny Härtel haben sich das spezielle Training ausgedacht, das den Gelenk- und Bänderverletzungen entgegen wirken soll. Seit Beginn der Saison trainieren die Sportlerinnen damit nicht nur Kraft, Ausdauer, Kondition und Technik, sondern eben auch jede Haltemuskeln, die sonst buchstäblich zu kurz kommen. Zwar gibt es Verletzungen, gegen die kein Kraut gewachsen ist, aber zumindest gegen die üblichen Überlastungsschäden an Schulter, Wirbelsäule und Knie kann angegangen werden. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Reha-Spezialisten und der VBG könnte sich künftig für viele Profisportarten auszahlen.

Insgesamt ereignen sich in Deutschland jährlich 1,5 Mio Sportunfälle. 72 Prozent davon im Knie- oder Sprunggelenk, gefolgt von 22 Prozent Schulter-, Handgelenk und Fingerverletzungen.
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1 Kommentar
Axel Heyder aus Erfurt | 10.05.2011 | 23:23  
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