HSV: Anleihe auf dem Kapitalmarkt soll fehlende Einnahmen ersetzen

Ein Teil des Anleihe-Geldes fließt in das Volksparkstadion. Fotoquelle: Reinhard Kraasch [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Sportlich wurden die Fans vom Hamburger SV in den letzten Jahren nicht gerade mit Top-Leistungen verwöhnt. Seit sieben Jahren erreichte der Klub keinen internationalen Wettbewerb mehr. Die fehlenden Einnahmen aus diesen Wettbewerben verschärften auch die finanzielle Lage. Das Geschäftsjahr 2014/15 wurde mit einem Minus von knapp siebzehn Millionen Euro abgeschlossen, zehn Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Um konkurrenzfähig zu bleiben, sah sich der HSV gezwungen, auf die Gelder von Investor Klaus-Michael Kühne zurückzugreifen. Mit einer Anleihe im Wert von 40 Millionen Euro haben sich die Hansestädter nun auch noch frisches Geld vom Kapitalmarkt geholt. Aber auch dieses Geld ist schon so gut wie verplant.


Wenn die Wett-Quoten steigen, sinkt die Spielstärke


Das letzte Europapokalspiel datiert vom 7. Mai 2009, als der HSV im Halbfinale der Europa League gegen Erzrivale Werder Bremen den Kürzeren zog. Auch im DFB-Pokal konnten die Hanseaten in den letzten sieben Jahren nichts reißen. Die besten Ergebnisse waren noch das Erreichen des Viertelfinales 2013/14 (0:5 gegen Bayern) und des Achtelfinales 2011/12 (1:2 gegen Stuttgart). Ansonsten kam der HSV nie über die 2. Runde hinaus. Eine Teilnahme an der Champions League ist bereits zehn Jahre her. Der 3:2-Sieg gegen ZSKA Moskau am 6. Dezember 2006 waren die einzigen Punkte des HSV und der Klub schied sang- und klanglos aus. Diese Entwicklung ließ auch die Quoten der Buchmacher für einen Sieg des HSV stetig ansteigen. Gerade beim Klub aus der Elbmetropole lohnte sich deshalb ein Wettanbieter Vergleich immer, um für eine Sportwette auf den HSV die beste Quote zu bekommen. Genau elf Mal konnten sich Wettfreunde in der letzten Saison über einen Sieg des HSV freuen. Wer seinen Einsatz dann auch noch mit dem Bet365 Bonus erhöht hat, konnte im Gegensatz zur HSV Fußball AG richtig Geld verdienen.

Wer kein Geld verdient, muss sich etwas leihen


Dass sich die HSV Fußball AG jetzt auf dem Kapitalmarkt bedienen konnte, war durch die Strukturreform „HSV Plus“ möglich. Am 25. Mai 2014 votierten 86,9 % der Mitglieder des Hamburger SV e. V. für eine Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in die HSV Fußball AG. Diese nahm zum 7. Juli 2014 ihre operative Tätigkeit auf. Aktien werden an der Börse allerdings nicht gehandelt. Satzungsmäßig können maximal 24,9 Prozent der Anteile an Investoren verkauft werden, ohne dass die Mitgliederversammlung des e.V. befragt werden muss. Aktuell sind vier Investoren an der AG beteiligt, die zusammen Anteile in Höhe von 14,79 Prozent halten:

Klaus-Michael Kühne: 7,5 Prozent Anteile erworben durch Kauf am 22. Januar 2015 für 18,75 Millionen Euro, 3,5 Prozent Anteile durch Umwandlung eines von ihm gegebenen Darlehens, insgesamt 11 Prozent Anteile

Helmut Bohnhorst: 1,5 Prozent Anteile erworben durch Kauf am 20. März 2015 für 4 Millionen Euro. Bohnhorst war Inhaber der Bohnhorst Agrarhandel GmbH mit einem Umsatz von knapp 500 Millionen Euro jährlich. 2014 übernahm die BayWa AG die Firma und Bohnhorst zog sich aus dem operativem Geschäft zurück

Frucht-Service GmbH Burmeister: 1,5 Prozent Anteile erworben durch Kauf im Februar 2016 für 4,03 Millionen Euro.

Alexander Margaritoff: 0,79 Prozent Anteile erworben durch Kauf im November 2015 für 3,8 Millionen Euro. Margaritoff war Mitinhaber der Weinhandels AG Hawesko mit einem Jahresumsatz von knapp 500 Millionen Euro. Ende April 2015 verkaufte er seinen 30-prozentigen Anteil an die Tocos Beteiligung GmbH. Margaritoff starb am 22. Mai 2016 an Krebs, sodass nun seine Erben die HSV-Anteile halten.

Neue 40-Millionen-Euro-Anleihe zur Ablösung von Schulden


Im September 2016 platzierte der HSV erneut eine Anleihe am Kapitalmarkt in Höhe von 40 Millionen Euro. Laut eigener Aussage traten als Kapitalgeber überwiegend Banken, Versicherungen und Pensionsfonds auf. Das frische Geld ist so gut wie verplant, da einerseits die bestehende Finanzierung des Volksparkstadions abgelöst wird und andererseits ein Darlehen von Klaus-Michael Kühne in Höhe von 25 Millionen Euro zurückgezahlt werden soll. Weitere Investitionen sollen in den HSV-Campus sowie in notwendige Renovierungsarbeiten des Volksparkstadions fließen.

Die neue Anleihe hat eine Laufzeit bis 2026 und wird mit 5,0 Prozent pro Jahr verzinst. Ein Teil der Mittel soll zudem für die Rückzahlung der Jubiläumsanleihe aus dem Jahr 2012 verwendet werden. Diese Anleihe hat eine Laufzeit bis 2019 und wurde seinerzeit von den Fans des HSV bedient. Diese dürfen sich noch auf eine Verzinsung von sechs Prozent pro Jahr freuen.

Und sportlich? Gelingt mit Gisdol die Wende?


Den Fans des HSV dürften solche Meldungen nur am Rande interessieren. Das Horrorszenario einer Insolvenz schwebt vermutlich wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Anhänger, wenn sie hören, dass sich der Klub immer wieder Geld leihen muss, anstatt es in der lukrativen Champions League zu verdienen. Davon ist der Hamburger SV aber wieder einmal meilenweit entfernt. Aktuell liegt der Verein nach fünf sieglosen Spielen auf dem Relegationsplatz und es ist Abstiegskampf angesagt. Der 14. Trainer innerhalb von zwölf Jahren soll es nun richten. Nach der unglücklichen 0:1-Niederlage gegen Bayern München am 5. Spieltag wurde Bruno Labbadia freigestellt und durch Markus Gisdol ersetzt.

Der Ex-Hoffenheimer sprühte auf der Vorstellungs-Pressekonferenz nur so vor Enthusiasmus und hat die Stunde null ausgerufen. Die Fans werden seine Arbeit wohl skeptisch begleiten. Wie soll Gisdol das gelingen, was Thomas Doll, Huub Stevens, Martin Jol, Armin Veh, Michael Oenning, Thorsten Fink, Bert van Marwijk, Mirko Slomka, Josef Zinnbauer und Bruno Labbadia nicht schafften? Alle Vorgenannten konnten den HSV nicht zurück in den europäischen Spitzenfußball führen. Nicht immer lag es an einem Mangel der Fähigkeiten. Bei einer durchschnittlichen Amtszeit von 14 Monaten würden selbst Koryphäen wie Guardiola oder Klopp nicht helfen können. Vielleicht geben ja die Verantwortlichen Markus Gisdol mehr Zeit. Zu wünschen wäre es, dass der einjährige Vertrag aufgrund erfolgreicher Arbeit beim Bundesliga-Dino verlängert wird. Oder sagen wir lieber Bundesliga-Gründungsmitglied, denn Dinos sind unweigerlich zum Aussterben verurteilt.
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