Kampfkunst ohne Kampf: Aikido

 

Kampfsport ohne zu kämpfen - geht das überhaupt? Das funktioniert wunderbar und ist beim Aikido so üblich:

“Wir kommen nicht her, um zu kämpfen.“ Ingo Seiffart erntet bei Nicht-Wissenden ungläubiges Staunen. Schließlich spricht er, der mit dem 1. Dan - dem Meistergrad - Dekorierte, von Aikido, einer japanischen Kampfkunstart. Der Begriff 'Selbstverteidigungkunst' bringt es noch besser auf den Punkt. Denn Aikido ist ein betont defensiver Sport. „Wir versuchen, die Angriffsenergie des Gegners zu übernehmen, ihn damit von der Sinnlosigkeit seines Angriffs zu überzeugen und ihn mit dieser übernommenen Energie kontrolliert zu beherrschen“, erklärt Ingo Seiffart das Ansinnens dieses Sports. Er trainiert ihn seit mehr als 20 Jahren beim „Aikikai Erfurt e.V.“.

Würfe, Hebel und mehr



Anders als bei anderen Kampfsportarten gibt es beim erst im 20. Jahrhundert entstandenen Aikido keine Wettkämpfe. Der Weg, das fortwährende Training, ist das Ziel. Die Techniken entstammen der Kampfschule der Samurai. Meist stehen Würfe, Hebel und Festhaltetechniken auf dem Programm, natürlich ebenso Angriffe, um diese dann parieren zu können. Einen anderen, kleineren Teil des Trainingspensums nehmen die Abwehr-Techniken gegen Angriffe mit Schwert, Messer und Stock ein. „Das trainieren wir eher seltener, dafür wirken diese Begegnungen auf der Matte natürlich spektakulärer, vor allem bei Vorführungen“, weiß Ingo Seiffart. Er gehört im Verein zu den wenigen, die den Hakama tragen dürfen. Das ist ist eine Art Hosenrock mit weitgeschnittenen Beinen, der den Körper etwa von der Taille an bedeckt. Beim Aikido trägt man ihn über dem Judoanzug, der auch im Aikido üblich ist. Doch erst den erfahrenen Aikidoka ist der Hakama gestattet. In manchen Vereinen muss der Sportler dazu den 1. Dan erreichen. Beim Aikikai Erfurt ist es bereits jenen erlaubt, die den 2. Kyu, den blauen Gürtel, besitzen.

Gürtelfarben wie im Judo - eigentlich



In der Gürtelprüfung stellt der Aikido-Kampfkünstler sein Können unter Beweis. Er kann nacheinander, mit immer höheren Anforderungen, wie auch im Judo die Gürtelfarben gelb, orange, grün, blau und braun erwerben. Die allerdings werden nicht sichtbar getragen, der Gürtel bleibt bei jedem dieser Schülergrade weiß. Erst, wenn die Prüfung zum 1. Dan bestanden ist, ändert sich die Farbe, der Gürtel wird schwarz.

Die Ganzheit ist wichtig



So, wie ein Aikido-Sportler keine Wettkämpfe bestreitet, muss er auch nicht mit einer Gürtelfarbe den Stand seiner Kenntnisse und Fähigkeiten nach außen transportieren. Hier geht es nicht darum, etwas darzustellen. Aikido bedeutet vor allem, im Einklang zu sein. Mit sich selbst, den anderen. Die Silben des Wortes stehen für Liebe und Harmonie, für Atemkraft und Lebensenergie und für den Weg. „Die Ganzheit der Sache ist uns wichtig“, sagt Ingo Seiffart. Genau wie das Ansinnen im Aikido, den Gegner nicht zu vernichten. In anderen Kampfkünsten, so weiß er, gehe es da wesentlich brachialer zu. Auch die üblichen Höflichkeitsformen, die Achtung vor dem anderen, bleiben da manchmal auf der Strecke. Aikido ist ein Sport, der einen wieder erdet, zu sich finden lässt. „Nach dem Training bist du zwar total ausgepowert, dafür geht es dir aber rundum gut“, schwört der Schwarzgurtträger. Ein wenig begleitet wohl jeden Aikidoka sein Sport auch im alltäglichen Leben. Ganz viel, so die Sportler, könne man sich von der Philosophie dieser Kampfkunst abgucken. Zum Beispiel, dass es oft besser ist, nicht starr zu verharren, auch einmal biegsam zu sein, kurzzeitig auszuweichen. Nachgeben kann durchaus Größe bedeuten. Im Sport wie im Leben.

Kontakt:



Weitere Informationen:www.aikikai-erfurt.de. Training ist mittwochs und freitags von 19 bis 20.45 Uhr (Aikido für alle) und von 20.45 bis 22 Uhr (freies Training mit Prüfungsvorbereitung) in der Turnhalle des Erfurter Königin-Luise-Gymnasiums in der Melanchthonstraße. Interessierte sind zum Probetraining willkommen.


Wissenwertes zu Aikido:



Aikido ist eine defensive japanische Kampfkunst. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Ueshiba Morihei als Synthese unterschiedlicher Budo-Disziplinen entwickelt. Einen Aikido-Kampfkünstler bezeichnet man als Aikidoka. Ziel des Aikidos ist es, die Kraft des gegnerischen Angriffs abzuleiten und den Gegner mit derselben Kraft vorübergehend angriffsunfähig zu machen. Dies geschieht durch Wurf- und Haltetechniken. Die Aikido-Techniken dienen der Abwehr und Sicherung - nicht einem offensiven Angriff. Dies entspricht der friedlichen geistigen Haltung des Aikidos.
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