Lucas hat den Dreh raus: Der 15-Jährige Waltershäuser ist blitzschnell mit dem Zauberwürfel – Bei den Speedcubing-Meisterschaften hat er drei Titel errungen

Anfang der 80er-Jahre eroberte das mechanische Geduldsspiel, das vom ungarischen Bauingenieur und Architekten Ernő Rubik erfunden wurde, die Welt.
 
Lucas Wesche (15) gehört zu Deutschlands besten Speedcubern. Beim Turnier werden die Zauberwürfel mit Hilfe eines Computerprogrammes verdreht, damit jeder die gleichen Chancen hat.

Mit hypnotisierendem Blick fixiert Lucas Wesche den Zauberwürfel. Als würde er Gewicht und Wert eines Goldklumpens schätzen, dreht und wendet er das Spielzeug in seinen Händen. Der Laie kann nur erahnen, welche Farbmuster und Kombinationen durch das Gehirn des 15-Jährigen jagen.

Wie ein Schachspieler überlegt Lucas gerade seine nächsten Züge im Voraus. Plötzlich zucken und kreisen seine Finger im blitzschnellen Zeitraffer-Tempo. Klick, klick, klick. Und fertig. Mann, war das schnell. Es hat viel länger gedauert, den Würfel zu verstellen.

Speedcubing heißt der noch eher unbekannte Sport, in dem der Schüler aus Waltershausen gerade bei der deutschen Meisterschaft in Düsseldorf drei Titel errungen hat. Anfang der 80er-Jahre eroberte das mechanische Geduldsspiel, das vom ungarischen Bauingenieur und Architekten Ernő Rubik erfunden wurde, die Welt. Drei Jahrzehnte später gewann das mittlerweile vermeintliche Relikt das Herz des damals zwölfjährigen Lucas. „Zu Beginn habe ich noch sehr langsam gedreht und mit der ganzen Hand. Jetzt nutze ich nur noch einzelne Finger“, erklärt er. „Je mehr ich geübt habe, umso automatischer wurden meine Bewegungen. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht mehr nachdenken musste. Jetzt sehe ich die Teile und meine Hände machen alles von alleine.“

„Tatsache ist, dass er den Würfel eigentlich immer in den Händen hat. Vor allem in den Ferien ist es extrem“, berichtet Vater André Wesche leicht genervt vom stundenlangen Klick-Klick-Klick und doch stolz auf die Erfolge seines Sohnes. „Ich bin nicht süchtig“, verteidigt sich Lucas. „Ich könnte den Würfel eine Woche beiseitelegen.“ Will er aber nicht. Sonst könnte er riskieren, sich durch mangelndes Training die Zeiten zu versauen. Denn die nächsten Wettbewerbe hat er immer im Blick. Und der Ehrgeiz ist groß.

Freunde und Mitschüler sind fasziniert, wie gut Lucas den Dreh raus hat. „Sie kommen mit den Augen nicht hinterher und verstehen auch nicht, wie es möglich ist, den Würfel so schnell zu drehen.“ Tja, wie ist es denn möglich? „Es gibt verschiedene Methoden, den Würfel zu lösen. Ich fange immer mit Weiß an und baue zuerst ein Kreuz.“ Seit „Der Spiegel“ diese Strategie 1981 veröffentlichte, ist sie immer noch die beliebteste unter den Speedcubern. „Es hat mich einige Zeit gekostet, bis ich die recht komplizierte Methode richtig anwenden konnte.“

Immer wieder tauchen neue Lösungswege auf. Die Szene hält zusammen, gibt im Internet kameradschaftlich ihre Tipps weiter und lässt sich bei Turnieren gerne über die Schulter schauen. „Ich finde es schön, bei den Wettbewerben so viele Teilnehmer aus verschiedenen Ländern zu treffen. In Düsseldorf habe ich den aktuellen Weltrekordhalter kennen gelernt. Der dreht schon verdammt schnell. Da komme ich nicht mehr mit.“ In weniger als sechs Sekunden löst der Weltmeister den 3x3-Würfel. „Er hat sich aber auch spezialisiert.“

Lucas hingegen ist ein Allrounder. „Es macht mehr Spaß, zwischen den Würfeln zu wechseln, sonst wird es langweilig.“ In 16 der 18 Disziplinen trat der Thüringer mit seinen flinken Fingern bei der Meisterschaft an. Die erlaubten Turnierwürfel zählen von 2x2 bis 7x7 Felder. Sie können in diversen Variationen gelöst werden – beispielsweise nur mit einer Hand, blind oder mit den Füßen. Am Ende schnitt Lucas in jeder Disziplin so gut ab, dass er laut Rangliste auch der vielseitigste Spieler in Deutschland ist.

Dennoch interessiert ihn derzeit vor allem der 6x6-Würfel. „Ich weiß auch nicht warum, aber gerade bei diesem Würfel bin ich in den vergangenen zwei, drei Wochen viel schneller geworden. Hier würde ich gerne eine Zeit unter zwei Minuten erreichen.“ Die Weltmeisterschaft findet nächstes Jahr in Brasilien statt. Gerne wäre Lucas mit dabei.


Ein Video von den "Frankfurt Cube Days 2014".
Lucas (zweiter von rechts) ist Zuschauer im Finale.




Hintergrund:
- Die Thüringer Speedcubing-Szene ist noch klein. Um dies zu ändern, hat Lucas mit ein paar Freunden bereits zwei Turniere in Erfurt organisiert. Für die Neuauflage im kommenden Jahr sucht er Sponsoren. Gerne würde er auch an möglichst vielen Turnieren teilnehmen – die geringen Preisgelder reichen kaum, um die Reisekosten zu decken.

- Beim Speedcubing sind auch Bastlerfähigkeiten gefragt. Treffen die neuen Modelle aus China ein, nehmen die Profis sie auseinander, putzen jedes Teil und fetten es mit Silikon-Öl ein. Schrauben werden neu justiert, auch die Feile kommt hier und da zum Einsatz. Dieses Würfel-Tuning ist erlaubt.

- Wer Interesse am Speedcubing hat, findet unter www.worldcubeassociation.org alle Turniertermine und aktuellen Rekordhalter. Lucas Wesche ist Deutscher Meister im 6x6 und 7x7 sowie im Lösen mit Füßen.
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 27.09.2014 | 12:53  
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