Luftsprünge im Sitzen - Philipp Cierpka (23), ChairSkater

Philipp Cierpka (23), ChairSkater. Fotos: Axel Heyder
  Erfurt: Nordpark |

"Ohne die Unterstützung meiner Eltern, wäre ich noch nicht da, wo ich jetzt bin."

Philipp Cierpka (23), ChairSkater




Von Dr. Nancy Brack und Axel Heyder

Philipp Cierpka sitzt im Rollstuhl, seit er 20 Jahre alt ist. Doch seine angeborene Krankheit, hereditäre spastische Spinalparalyse - kurz HSP, hat den sportbegeisterten jungen Mann nicht aus der Bahn geworfen. Philipp Cierpka skatet mit seinem Rollstuhl. WCMX, Wheelchair Motocross, oder auch ChairSkating heißt der Sport, den er betreibt. Kürzlich war er eingeladen zur WCMX-World-Champion­ship in Houston im amerikanischen Bundesstaat Texas. Der AA hat den jungen Sportler vor und nach seiner Reise in die USA befragt:

Im Vorfeld hast du gesagt, du willst einfach nur eine schöne Zeit haben. Wie war es am Ende?
Ich hatte eine super Zeit. Neue Erfahrungen, ein neues Land. Die Menschen dort waren alle richtig nett, zuvorkommend und hilfsbereit. Ich war so gespannt auf alles. Eins weiß ich: Ich muss noch besser Englisch lernen.

Was hat dich beeindruckt?
Das Coolste war für mich, die Backflips und Tricks der anderen Sportler zu sehen. Außerdem habe ich mein größtes Vorbild wieder getroffen: Aaron Fotheringham. Er ist so spaßig. Wir haben zusammen gelacht und Blödsinn gemacht. Schön auch, dass unsere Rollstühle die gleiche Farbe haben.

Was war das für ein Gefühl, dort mit Menschen aus der ganzen Welt um die besten Plätze zu fahren?
Mit Menschen zusammenzutreffen, die alle die gleiche Leidenschaft teilen, war für mich eine sehr gute Erfahrung. Die Bedingungen zum Trainieren sind dort viel besser als zu Hause. Dass ich ins Finale gekommen bin und den 12. Platz belegt habe, ist jetzt noch ziemlich unwirklich für mich.

Was ist das Wichtigste, dass du für dich mitgenommen hast?
Dass nichts unmöglich ist. Und dass man seinem Traum näher kommen kann, wenn man hart dafür trainiert, die Bedingungen gut sind, man Menschen um sich herum hat, die an einen glauben, und man Unterstützung hat.


Wie kompliziert waren ­Reise und Transport?

Es war alles sehr gut organisiert. Der zehnstündige Flug in die USA war natürlich sehr lang, aber auch aufregend und faszinierend. Den Bus, der uns zum Training und zu den Wettkämpfen brachte, hätten wir am liebsten mit nach ­Deutschland genommen, weil das Einsteigen hier mal ohne Probleme funktionierte.

Ist etwas passiert, mit dem du nicht gerechnet hast?
Eine Sache, für die ich sehr dankbar bin, fällt mir ein: Ich habe bei einem schweren Sturz mein rechtes Rad eingebüßt. Es «eierte» und ich dachte: Jetzt ist alles gelaufen. Ich überlegte schon, wie ich dann in Deutschland weiter trainieren kann. Mike Box, der die Rollstühle in Amerika baut, schenkte mir zum Ende der WM zwei neue Räder - und das auch noch mit Speichen in meiner Lieblingsfarbe. Wenn das kein Glücksfall ist. Vielen Dank, Mike Box! Ehrlich gesagt, bange ich bei jedem Training, dass mein Rollstuhl hält. Denn Mike ist nicht jedes Mal da, um zu helfen. Dieser Sport ist nicht eben kostengünstig. Und wenn ich die Unterstützung meiner Eltern nicht hätte, wäre ich noch nicht da, wo ich jetzt bin.


Zur Sache:

Bei seiner Arbeit für die Erfurter Werkstätten des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (CJD) unterstützt Philipp Cierpka ein Fitnesscenter in Elxleben. «Ich bin hier so ein bisschen das Mädchen für alles.»

· Cierpka probt jeden Trick hundertfach. «Ich übe fast jeden Tag neue Fahrmanöver und ­Sprünge.» Sogar das «Grinden», also das Entlanggleiten an Geländern, beherrscht er. Im Netz sucht er nach neuen Ideen, fährt zu Workshops und Treffen in ganz Deutschland, um neue Stunts zu erlernen. So hat er David Lebuser, Deutschlands ersten professionellen ChairSkater, kennengelernt. Er empfahl Cierpka für die WM.

· Eltern, Verwandte und ­Freunde unterstützen den jungen ChairSkater, auch wenn sich mancher bei den gewagten Tricks um seine Gesundheit sorgt. «Ich liebe diesen Sport und ich bekomme dadurch dieses besondere Gefühl für den Rollstuhl. So kann ich mit Alltagshindernissen, die man als Rollstuhlfahrer hat, besser klarkommen.»

· Beim Surfen durchs Internet stieß er auf ChairSkating-Legende Aaron «Wheelz» Fotheringham. Von da an waren seine Leidenschaft und sein Ehrgeiz geweckt.

· In der Fernsehserie «Rote Rosen» absolvierte Cierpka als Stuntman einen Drei-Meter-Sprung und drehte für die «Aktion Mensch» einen Spot auf Mallorca.


Philipps großes Vorbild:
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