Neu im Buchhandel: 111 Gründe, Rot-Weiß Erfurt zu lieben / Eine Kritik

Seit einigen Tagen liegt sie nun endlich auch für den FC Rot-Weiß Erfurt und seine Fans vor, die neue inoffizielle Vereinsbibel mit dem Titel: «111 Gründe, Rot-Weiß Erfurt zu lieben». Untertitel: Eine Liebeserklärung an den großartigsten Fußballverein der Welt.

Ich will ehrlich sein, ich hätte dieses Buch nicht zu schreiben vermocht. Schlichtweg, weil es Tage gab, gibt und sehr wahrscheinlich geben wird, an denen es mir schwerfallen würde, auch nur drei Gründe aufzuzählen. Von einer Liebeserklärung ganz zu schweigen. Insofern hat der Verlag «Schwarzkopf & Schwarzkopf» mit dem Sporthistoriker (und langjährigem RWE-Fan) Michael Kummer eine großartige Wahl getroffen. Die von ihm vorgenommene Auslese wichtiger und weniger wichtiger, lustiger und trauriger, bekannter und weithin unbekannter Episoden, Geschichten und Fakten aus dem Vereinsleben des FC Rot-Weiß Erfurt sind ein Lesevergnügen ersten Ranges.

Zum Wohle des Lesers widerstand der Autor der Versuchung, die gesamte Früh- und Vorgeschichte des Erfurter Fußballs in eine Art Enzyklopädie zu packen. Kein weiterer Opa also, der von vergangenem Ruhm schwadroniert. Fast alle Ereignisse, die hinter den 111 Geschichten des Buches stecken, haben sich nach der Vereinsneugründung 1966 zugetragen, erfreulich viele in jüngerer und jüngster Zeit.

Eine weitere Stärke des Buches liegt in seiner Vielstimmigkeit und Vitalität. Kummer lässt nicht totes Papier aus halb toten Archiven sprechen. Er hat sich von Fans und Protagonisten ihre Geschichten erzählen lassen und gibt diesen wohltuend viel Platz. Da werden mitunter rührende Momente der Vereinsliebe und ihrer Initiation lebendig. Aber man erfährt auch Erhellendes (wenngleich nicht durchgängig Erfreuliches) über interne Entscheidungen, von denen ich nicht ganz sicher bin, ob ihre Erwähnung im Buch den durchgehenden Beifall aller noch im Amt befindlichen Vereinsoberen findet. Bei dieser Art der Episoden kommt man an dem Namen des einstigen Stadionsprechers Lars Sänger nicht vorbei, der beispielsweise erstaunlich freizügig über die Hintergründe der Wiederverpflichtungen von Tom Bertram und Marco Engelhardt plaudert. Zur Erbauung des Lesers. (Als Blogger, dem der Erfolg des Vereins oberstes Gut ist, findet man die dort geschilderte Vorgehensweise hingegen etwas, sagen wir, hemdsärmlig.)

Ganz großes Kino bieten die Episoden, die von der (vermeintlichen) Aufbruchphase des Vereins in den frühen und mittleren Achtziger Jahren handeln. Man stelle sich vor: Die Nachwuchsmannschaft wurde DDR-Meister. Die in ihr spielenden Talente mussten nicht (mehr) an andere Klubs «delegiert» werden. Der Trainerguru (ohne Anführungszeichen) Hans Meyer wurde verpflichtet. Und dann gab es da noch eine Figur, die sich die Marx Brothers und die Gebrüder Grimm während eines gemeinsamen Saufgelages nicht besser hätten ausdenken können: Karl-Heinz Friedrich, Clubvorsitzender von 1980 bis 1986. Den muss man sich als eine Art Uli Hoeneß des DDR-Fußball vorstellen. Umtriebig, einfallsreich, leistungsorientiert. Nur leider weit weniger erfolgreich. Das Geld floss regelmäßig in Strömen, nicht ganz so regelmäßig flossen Punkte aufs Tabellenkonto. Weshalb diese ambitionierteste Ära des Erfurter Fußballs da endete, wo sie begann: im Mittelmaß der DDR-Oberliga.

Der Verein FC Rot-Weiß Erfurt hat es seinen Anhängern nur zu wenigen Zeitpunkten seiner Existenz leicht gemacht, ihn vorbehaltlos zu lieben. Warum viele es trotzdem tun, manche seit Jahrzehnten, dafür liefert dieses Buch viele eindrucksvolle, lesens- und liebenswerte Belege. Deshalb meine Empfehlung: Lest es und erwärmt Euer rot-weißes Herz!

Das Buch kann bei verschiedenen Erfurter Buchhandlungen käuflich erworben werden. Selbstredend auch über andere uns allen bekannte Kanäle. Eine Lesung mit Michael Kummer findet am 10. Mai um 20.00 Uhr bei Peterknecht statt.
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Auf meinem Blog veranstalte ich noch ein kleine Quiz, bei dem man drei Exemplare des Buches gewinnen kann. Wer mag: www.stellungsfehler.de
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