Richard Schaefer schreibt Kinderbuch zur Thüringer Geschichte und lässt vergessenes wieder aufleben

Helden, die im Regen stehen. Tröpfel und Tropfine und Richard. Fotos: Heyder
 
Schöne Grafiken hält das Buch von Richard Schaefer bereit.
Erfurt: Kinderbibliothek |

Regentropfen als Abenteurer

„So ein Buch gab es eben noch nicht“, zieht Richard Schaefer einige Falten in die Stirn und denkt an den Beginn seines Buchprojektes. „Wenn ich in die Geschichtsbücher blicke, die in Thüringen zugelassen sind, ist es zum Teil haarsträubend, wie wenig über die Thüringer Geschichte da drin steht“, erklärt der rüstige Pensionär, der Erfurter Kindern als Leseopa bekannt ist. Ehrenamtlich bringt er dort die Geschichten als Vorleser in Kindergärten. „Das Bildmaterial in den Büchern ist teilweise konfus zusammen gestellt“, wird sein Urteil noch schärfer. Und so machte sich der 64-Jährige Erfurter selbst ans Werk. Aber nicht an ein weiteres trockenes Lehrbuch, sondern mit Geschichten zur Geschichte. Er erfand Tröpfel und Tropfine, zwei Regentropfen, die buchstäblich eintauchen in die Thüringer Historie. Die Zeit spielt für die Helden keine Rolle. Wasser kann eben sehr alt werden, viele Formen annehmen und fast überall hinein. Perfekt, um von all dem hautnah zu erzählen.

Bericht aus der Blumenvase


Mal berichten die beiden Buchhelden aus der Blumenvase, mal landet Tröpfel, als er vor Weimar abgeregnet ist, in einer Getränkedose, während Tropfine es bis ins Goethehaus schafft. Einfach abenteuerlich, die Storys, die sich die beiden erzählen, wenn sie später in einer Wolke wieder zusammen sitzen. „Die Geschichten sind zwar ausgedacht, orientieren sich aber an Fakten. Eines meiner Ziele ist es, den Blick auf die Stadtgeschichte und auf Fakten zu lenken, die sonst untergehen. So wie auf die Details zum ältesten Haus in Erfurt, auf den Begriff Blieden oder auf die Funktion von Feuertürmen.

Schaefer und der Arnstädter Verlag Kirchschlager geben dem Buch eine Leseempfehlung ab 10 Jahre. Denn Geschichte sei nicht immer unblutig verlaufen, was auch die beiden Buchhelden erleben. „Ein weiterer Grund für die recht hoch angesetzte Leseempfehlung ist, dass es schöner ist, wenn die Kinder bereits etwas Geschichtswissen mitbringen.“ Das hilft, wenn es beispielsweise um Martin Luther geht. Als Junker Jörg speist der in der Erfurter Hohen Lilie, mischt sich unters Volk, um zu hören, was man denkt, über seine Lehre. Er bringt sich in haarsträubende Situationen und flüchtet immer wieder mal ins Gothaische.

Tropfen, die Karussell fahren


Wenn die Tropfen nicht gerade eine Runde auf dem Mühlrad einer Wassermühle Karussell fahren, sind sie beispielsweise in Abenteuer mit Raubrittern vor Ilmenau verstrickt. Die Geschichte der Kriegstaktik mit Steinschleudern, wie König Rudolf von Habsburg rund 60 Raubritterverstecke aushebelte, findet sich in keinem der Geschichtsbücher wieder, die Thüringer Schüler im Unterricht nutzen. „Das aber könnte die Schüler doch interessieren, schließlich fand diese Geschichte vor ihrer Haustür statt“, meint Schaefer.

Richard Schaefer, (64), ehemaliger Geschichtslehrer, inzwischen Pensionär, ehrenamtlich als Leseopa unter anderem im Erfurter Kindergarten Weltentdecker unterwegs.
ISBN: 978-3-934277-48-9
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