Sensation haarscharf verpasst: SWE Volley Team vs. Dresdner SC 2:3

So sehen (fast)-Sieger aus: Das SWE Volley Team. Foto: Heyder
Von Stephan Siegl

Sensation haarscharf verpasst

Fast wäre dem SWE Volley-Team eine faustdicke Überraschung gelungen. Gegen den Tabellenführer Dresdner SC unterlagen die Erfurterinnen knapp mit 2:3, weil sie einen Matchball beim Stand von 15:14 nicht verwandeln konnten.

Es war ein typisches Derby. Nicht immer hochklassiges Volleyball, aber Kampf auf beiden Seiten, dazu eine super Stimmung auf den Rängen. 123 Spielminuten währte das Ringen um den Sieg, den am Ende - sicher etwas glücklich - die Gäste davon trugen.

Heiko Herzberg hatte seinen Damen mit auf den Weg gegeben: "Ihr könnt heute ganz locker aufs Feld gehen. Keiner von den Fans erwartet, dass ihr einen Satz gewinnt, aber sie wünschen es sich." Zu Beginn sah es eher nach einem dominierenden DSC aus. Von 4:5 enteilte der Tabellen-Erste auf 4:13, doch die Erfurterinnen kamen mit zwei Aufschlagserien von Maria Völker und Annika Lüttge und einigen starken Blockaktionen ins Spiel. Eszter Kovács ließ es sich dann auch nicht nehmen und verwandelte den zweiten Satzball zum 25:20. Damit war das erste Ausrufezeichen gesetzt.

Im zweiten Satz blieb es bis zur 2. TA (14:16) stets knapp, ehe sich die Gäste zum Satzende doch mit 20:25 durchsetzen konnten. Auch im dritten Durchgang lagen die Dresdnerinnen gleich in Führung waren beim 9:16 weit enteilt. Es schien, als ob der klare Favorit seiner Rolle nun gerecht werden sollte. Zu zaghaft, wie schon bei Spielbeginn, präsentierten sich in dieser Phase die Gastgeberinnen. Bei den Gästen fand die Punktbeste, Saskia Hippe, immer wieder eine Lücke im Block oder schlug auch mal darüber. Aber dieser Abend war halt irgendwie anders - unberechenbar. Wieder kämpften sich die Thüringerinnen heran, gaben keinen Ball verloren und beim 19:19 Ausgleich tobte das Erfurter Publikum. Zwar ging der DSC noch einmal in Führung (20:22), doch nach einer Auszeit von Heiko Herzberg drehte sich der Spieß erneut. 24:23 und Satzball, doch auch Dresden wollte nichts herschenken und glich aus. Als Maria Völker dann den dritten Satzball zum 27:25 verwandelte, gab es schon lange kein Halten mehr bei den Zuschauern. Der Aufsteiger führte 2:1 und hatte mehr erreicht, als vorher überhaupt zu erwarten war.

Das emotionale Hoch nahmen die SWE-Damen mit in den vierten Satz. Bis zum 5:2 hatte das Schiedsrichtergespann einige knifflige Entscheidungen zu treffen. Gästetrainer Alexander Waibl schmiss vor Verärgerung sogar seine Taktiktafel unter die Trainerbank und reklamierte mehrfach. War sein Zorn wegen des abgepfiffenen Zuspiels noch verständlich, so lag er bei der Annahme, der Angriff von Saskia Hippe sei vom Erfurter Block touchiert worden, daneben. Es war halt Derbytime. Die Sachsen kamen aber ins Spiel zurück und die Spannung kannte kein Ende. 16:14 hieß es zur 2. TA und die SWE-Damen hatten den Favoriten sozusagen "auf der Pfanne". Doch dann kam die Zeit von Nicole Schröber. Mit sieben Aufschlägen in Folge brachte sie ihre Mannschaft fast im Alleingang in Front und der Satz endete dann doch mit 19:25 für den Europapokalsieger.

Der Tiebreak musste nun entscheiden. Zur Halbzeit führten die Waibl-Schützlinge mit drei Punkten Vorsprung. Aber eine bärenstarke Erfurter Mannschaft schlug erneut zurück und ging mit 10:9 in Führung. Hin und her ging es bis zum 13:13, als schon lange keiner der 500 Zuschauer mehr auf seinem Platz saß. Ohren betäubender Lärm herrschte in der Halle am Sportgymnasium und Dresden holte sich den ersten Matchball, den die Gastgeber abwehren konnten. Nach dem nächsten Punkt für das SWE Volley-Team lag die Sensation in der Luft. "Liz" Cordonier sollte die Verantwortung übernehmen, den Erfurter Matchball zu verwandeln, da sie die stabilste im Angriff war. Doch die Dresdner rochen den Braten und blockten den Angriff der Kanadierin. Kurz danach der zweite Matchball für den Meisteranwärter. Saskia Hippe platzierte ihren Aufschlag in die Spielfeldhälfte der wie erstarrt stehenden Erfurterinnen. Ein Ass beendete abrupt den zweistündigen Krimi.
Während die Gäste froh waren, mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein, holten sich die Unterlegenen einen lang anhaltenden Applaus ihrer Zuschauer ab. Auch wenn sie sich noch lange über die vergebene Chance ärgerten, so konnten sie zu Recht stolz sein auf ihre Leistung. Anerkennung erhielten sie auch von den gut 50 mitgereisten Gästefans und dem Dresdner Trainer: "Ich bin mir sicher, dass Erfurt nicht absteigt", befand Alexander Waibl in seinem Statement.

Sein Gegenüber, Heiko Herzberg, war keineswegs enttäuscht. "Ich bin voll zufrieden, auch wenn wir verloren haben. Was meine Mannschaft hier heute gezeigt hat, das war absolut stark. Ich glaube wir sind heute die Sieger der Herzen." Später fügte der ansonsten oft kritische Trainer an: "Auch wenn wir verloren haben, ich fühle mich trotzdem als Sieger." Auch wenn das für manche schwer nachzuvollziehen war, vor allem seine Mädels fühlten am Spielfeldrand anders, so hatte er doch irgendwie Recht. Mit solch einer Leistung ist man kein Verlierer, auch wenn es dafür keine Punkte gibt. Das Spiel wird den Mädels vom SWE Volley-Team aber sehr viel Selbstvertrauen schenken für die nächsten Aufgaben. Und irgendwann machen sie auch den letzten Big-Point.
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