Siegfried Herrmann - Unsere Thüringer Lauflegende ist 80

Weltrekordlauf am 5. August 1965 in Erfurt über 3.000 m in 7:46,0 min
 
Gratulation vom Landessportbund Thüringen. Links Präsident Herr Gössel. Rechts Herr Jüngling.
 
Und immer wieder Autogramme. Siegfried signiert eine "Festbroschüre" für Kenner und Sportliebhaber.
Unterschönau: Grünes Herz | Da sind die Familie, die Leichtathletikenthusiasten und natürlich wir, die Freunde, uns alle einig, einen 80-jährigen gibt der Siegfried noch lange nicht ab.

Aber der Reihe nach. Am 7. November 1932 erblickte Siegfried Herrmann im idyllischen Thüringer Unterschönau das Licht der Welt. Das Geburtsjahr 1932 drückt schon aus, dass die Kindheit und frühe Jugend für diesen „Kernthüringer“ nicht einfach war. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren ging es in erster Linie um das blanke Überleben; Sport war noch Nebensache. So musste auch Siegfried in der elterlichen Landwirtschaft so richtig mit zupacken.
In der wenigen Freizeit war das Sporttreiben sein ein und alles. Und was liegt im fast schneesicheren Thüringer Wald nicht näher als das Skilaufen. So begann dann auch folgerichtig eine grandiose Sportkarriere, zunächst im Schnee.

Siegfried Herrmann errang zwischen 1951 und 1953 zahlreiche Erfolge im Skilanglauf. Parallel dazu liebäugelte er aber auch schon mit der Leichtathletik, und zwar mit dem Laufen. So erfreute der junge, talentierte Unterschönauer im Winter wie im Sommer viele sportbegeisterte Menschen in seinem Geburtsort, in Thüringen und der damaligen DDR; später weltweit.

1953 entschied sich Siegfried Herrmann für die Leichtathletik. Die Leichtathletik war erstens nicht so materialaufwendig, Siegfried entstammt den sogenannten einfachen Verhältnissen, und zweitens, bietet diese Sportart mit den Wettkämpfen im Stadion, den Wald- oder Crossläufen bis hin zu den Rennen in der Hallensaison über das ganze Jahr sportliche Höhepunkte. Außerdem war nach dem Überlaufen der Ziellinie sofort die Platzierung klar.

Von seinem Heimatverein „Traktor Unterschönau“ wechselte Siegfried Herrmann im März 1953 nach Halle. Hier bereitete er sich unter Leitung seines Trainers Ewald Mertens auf die Olympischen Sommerspiele 1956 im australischen Melbourne vor. Diese Jahre bis zu den Olympischen Spielen waren vollgepackt mit jeder Menge an nennenswerten Ereignissen. Er lief von Rekord zu Rekord, von Meistertitel zu Meistertitel und gewann wichtige Meetings im Ausland. Siegfried war der erste Leichtathlet der DDR, der vom britischen Leichtathletikverband zu Wettkämpfen nach London eingeladen wurde. Vor dem kritischen englischen Publikum siegte er in den Läufen über eine und zwei Meilen. Keine Frage, er war der Liebling des Publikums und das nicht allein seiner großartigen sportlichen Leistungen wegen, sondern auch wegen seines sympathischen Auftretens.
Übrigens ist Siegfried Herrmann der einzige deutsche Leichtathlet, der auf allen Kontinenten unseres Erdballs als Sportler unterwegs war (die Arktis und Antarktis natürlich ausgenommen).

Im Olympiajahr 1956 dominierte Siegfried Herrmann über die 1.500m-Distanz und distanzierte weltweit die Konkurrenz. Gar keine Frage, dieser junge Thüringer erkämpft in Melbourne im 1.500m-Finale eine Medaille; eigentlich die goldene. Es kam leider anders. Infolge einer Rangelei 300 m vor dem Ziel im Vorlauf über diese 1.500 m riss die Achillessehne. Aus der Traum vom edlen Metall bei Olympia und bangen um die sportliche Zukunft.
Im übrigen war dieses Rennen in Melbourne das einzige in 18 Jahren Leistungssport, das Siegfried Herrmann nicht beendete.
Dank der ungeheuren Disziplin, des bärenstarken Willens und eines sagenhaften Trainingsfleißes gelang Siegfried Herrmann mit Unterstützung seines Trainers, den Sportärzten und natürlich seiner Familie, das Comeback.

1960 wechselte Siegfried Herrmann gemeinsam mit anderen Spitzenläufern und seinem Trainer Ewald Mertens nach Erfurt. Siegfried startete fortan für Turbine Erfurt; eben Blitz zu Blitz.

Den sportlichen Werdegang und die vielen Erfolge kann man nur in einem Buch wiedergeben. Hier nur so viel:
Teilnahme an zwei Olympiaden (Melbourne und Tokyo)
1965 Weltrekord über 3.000 m; gelaufen in Erfurt
Zwei Weltrekorde mit der Staffel
21 DDR-Rekorde
14 Deutsche Rekorde
32 Länderkämpfe mit 37 Starts, und, und, und ...

Mit der Europameisterschaft 1966 in Budapest beendete Siegfried Herrmann seine aktive Laufbahn. Fortan stand der studierte Diplomsportlehrer dem Thüringer Leichtathletiknachwuchs zur Seite.
Mit seinem „Schützling“ Hartwig Gauder gelang ihm als Trainer zu den Olympischen Sommerspielen 1980 in Moskau die Goldmedaille, die ihm in Melbourne verwehrt geblieben ist. Hartwig Gauder natürlich im 50km-Gehen.

Nach insgesamt 52 Jahren Sport verabschiedete sich Siegfried Herrmann im Jahr 2000 (sozusagen) in den Ruhestand. Natürlich steht er nach wie vor Trainern und Athleten mit Rat und Tat zur Seite, wenn das gewünscht wird.

Bei einem solchen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad dauerten natürlich die diesjährigen Geburtstagsfeiern etwas länger an. Hier waren wahre „Marathonqualitäten“ gefragt. Sowohl beim Empfang am Geburtstag selbst, den Siegfried in Erfurt durchführte, als auch zum „Sportlerball“ am 10. November 2012 in seinem Heimatort Unterschönau, die Schlange der Gratulanten und (sportlichen) VerehrerInnen riss nicht ab. Gerade in der herrlichen Gaststätte „Grünes Herz“ in Unterschönau war eine „repräsentative Abordnung“ der deutschen Leichtathletik und des Wintersports vertreten. Aus allen Ecken und Enden unseres Landes reisten die Gratulanten an, um das Jubiläum mit seinem ehemaligen Sportkameraden, seinem Trainer, seinem Vorbild etc. zu begehen. Da waren der Millimeterläufer Manfred Matuschewski, Hans Grodotzki, Dieter König, der begnadete Künstler Dörner, Olympiasieger Hartwig Gauder und viele mehr.

In den vielen Gesprächen, in denen natürlich Erinnerungen neu durchlebt wurden, klang auch ein bisschen Wehmut mit. Was ist aus der so erfolgreichen Erfurter und Thüringer Leichtathletik geworden? Wer knüpft an das Leistungsniveau der 60er, 70er und 80er Jahre an? Was ist zu tun?
Natürlich müssen das heute die jungen Trainer, der Nachwuchs usw. richten. Aber vergessen wir nicht, dass mit der „Riege“ um einen Siegfried Herrmann ein Riesenfundus an Erfahrungen vorhanden ist, den man noch nutzen kann.

Lieber Siegfried, für eine sehr, sehr lange Zeit wünschen wir Dir Gesundheit und viel Spaß und Glück mit Deiner lieben Familie.
BürgerReporterJörg Hoffmann
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige