Und es hat Tchouk gemacht

Tobias Böhm beim Wurf: Vom Geräusch, das erzeugt wird, wenn der Ball auf dem Trampolinnetz auftrifft, hat der Tchoukball seinen Namen.
 
Tobias Böhm ist Sprecher des ersten deutschen Tchoukball-Landesverbandes.
Tchouk. So klingt es, wenn der Ball im straff gespannten Netz landet und aus dem Mini-Trampolin zurück ins Feld katapultiert wird. Dieses Geräusch gibt einem noch unbekannten Sport den Namen. Und die Thüringer sind wahre Tchoukball- Pioniere. Denn im Freistaat wurde der erste deutsche Tchoukball-Landesverband gegründet.

"Wir haben vor gut zwei Jahren von diesem Spiel erfahren. Wir haben es uns auf Youtube angeschaut, uns kurz belesen, es zweimal probiert und waren gleich Feuer und Flamme für den Sport", erinnert sich Tobias Böhm. Für den ASC Weimar spielt er in der Thüringer Tchoukball- Liga und rührt zugleich als Sprecher des Landesverbandes kräftig die Werbetrommel für den Nischensport.

Tchoukball ist eine rasante Mischung aus Volleyball und Handball. "Man muss extrem schnell umdenken. Kondition wird gefordert. Ein Gesamtpaket aus Fairness, Spaß und Aktion", schwärmt Böhm.

"Der große Unterschied zu den anderen Sportarten ist das körperlose Spiel. Man darf sich keinesfalls berühren." Die Verletzungsgefahr ist dadurch gering, der Teamgeist aber hoch. "Das Kämpfen um den Ball ist gar nicht das Ziel." Im Gegenteil: Die angreifende Mannschaft darf nicht gestört werden. "Man muss Platz machen, wenn ein Ball kommt und sich wegducken."

Ein Schweizer Arzt kam in den 60er-Jahren auf die Idee. Der Sportmediziner wollte verletzte Hand- und Volleyballer wieder an Kondition und Koordination, Ballgefühl und Geschicklichkeit heranführen und erfand dabei den Tchoukball.


"Ich habe drei Söhne. Wir wollten immer gerne einen gemeinsamen Sport als Familie machen. Jetzt spielen wir mit fünf anderen Familien jeden Freitagabend Tchoukball in Weimar."
Tobias Böhm, Sprecher des Thüringer Tchoukballverbandes


Der Thüringer Verband besteht bisher nur aus drei Vereinen. Rund 50 Aktive spielen in fünf Mannschaften. Aber es gibt eine Landesliga mit geregeltem Spielbetrieb. "Wir leisten große Basisarbeit in den Schulen", sagt Böhm. Mehr als 300 Grundschüler wurden durch AGs schon vom Spiel überzeugt. "Wir hoffen, dass aus ihnen einmal große Tchoukballer werden."

Noch steckt der Sport in Deutschland in den Kinderschuhen. Aber Tobias Böhme sieht das große Potenzial: "Der Sport muss bekannter werden. Er hat es verdient." Und sollte Tchoukball in 20 Jahren olympisch werden? "Dann möchte ich gerne sagen können: Ich war von Anfang an mit dabei."


Hintergrund
Die Spielregeln
Beim Tchoukball stehen sich zwei Mannschaften mit jeweils sieben Spielern auf einem 20 x 40 Meter großen Feld gegenüber. Mit einem Handball versuchen sie, einen 1 x 1 Meter großen Rahmen zu treffen, der wie ein umgestürztes Trampolin aussieht. Der Halbkreis vor dem Rahmen ist die "verbotene Zone", die bei Ballbesitz nicht betreten werden darf. Nach spätestens drei Pässen muss eine Mannschaft eines der Trampoline treffen. Landet der zurückspringende Ball auf dem Boden, punktet das Team. Fangen die Gegner den Ball, werden sie zur angreifenden Mannschaft.

Die Taktik
Das Spiel ist körperlos. Die Mannschaft ohne Ball bereitet sich ausschließlich auf das Fangen vor, stört aber in keiner Weise den Spielzug der Angreifer.

Die Organisation
Tchoukball wird in rund 40 Ländern in mehr oder weniger organisierter Form gespielt. Die letzten Weltmeisterschaften fanden 2008 in Kanada statt. Der Deutsche Tchoukball Verband (DTBV) wurde 2010 in Halver (Nordrhein- Westfalen) gegründet. Im vergangenen Jahr wurde der Thüringer Tchoukballverband als erster deutscher Landesverband gegründet. Drei Vereine mit fünf Mannschaften spielen in der Landesliga.

Kontakt zum Thüringer Tchoukballverband (TTBV)
Internet: www.ttbv.de
Telefon: 0 36 43 / 5 95 44
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6 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 16.01.2012 | 13:49  
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Antje Hellmann aus Jena | 16.01.2012 | 15:10  
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Renate Jung aus Erfurt | 16.01.2012 | 19:52  
3.004
Gerald Kohl aus Erfurt | 16.01.2012 | 21:41  
Michael Steinfeld aus Erfurt | 17.01.2012 | 09:10  
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Joachim Fromm aus Erfurt | 28.03.2012 | 11:43  
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