Verdienter Sieg in attraktivem Spitzenspiel

In einem Spiel mit offenem Visier setzte sich der Thüringer HC gegen den Frankfurter HC mit 35:29 (19:17) durch. Beste Werferin für den Thüringer HC wurde Idalina Borges-Mesquita mit neun Treffern. Für die Gäste traf Franziska Mietzner zehn mal ins gegnerische Tor.

Nicht oft hat man am Spielende zwei Trainer, die das "gleiche Spiel gesehen haben" und deren beider Wünsche in Erfüllung gegangen sind. Beim Ost-Derby THC gegen FHC schien das so zu sein - Gästetrainer Dietmar Schmidt hatte mit seiner Ankündigung recht behalten, denn seine jungen Damen müssen sich tatsächlich vor keinem Team der Liga verstecken. Herbert Müller wünschte sich ein nicht gar so "spannendes (sprich nervenzermürbendes) Spiel". Dies traf dann auch auf die Schlussviertelstunde zu - in der 46.Minute waren die Gäste von der Oder ein letztes Mal auf Tuchfühlung. Bis dahin hatten die Zuschauer in der wieder einmal ausverkauften Salza-Halle ein tempostarkes, dynamisches Spiel beider Mannschaften unter der souveränen Leitung der international erfahrenen Methe-Zwillinge gesehen, das nichts weiter war als eine intensive Vorbereitung auf das, was die acht besten deutschen Teams ab Anfang April erwartet: Die wohl spannendste Meisterschaft seit längerer Zeit. Und da haben sieben Teams schon mal einen Vorteil - sie können dem Spitzenreiter Thüringer HC die Favoritenrolle zuschreiben.

Dieser zeigten sich die Schützlinge Herbert Müllers auch in dieser Partie gewachsen. Man wusste um die Stärken des Gegners, bekämpfte sie mit fairen Mitteln und besann sich in kritischen Phasen immer wieder auf die eigenen Stärken. Allen voran Idalina Borges-Mesquita in ihrem bisher wohl besten Spiel der Saison. Es macht einfach Spaß zu sehen, welche Routine eine Spielerin mit über 200 Länderspielen einbringt und scheinbar mit Leichtigkeit stets die richtigen Entscheidungen trifft. Bewundernswert auch der athletische Zustand, ohne den man wohl so eine Leistung nicht bringen kann. Wenn "Dali" heute die Bestnote verdient hat, dann auch weil bei ihr Abwehr- und Angriffsleistung stimmen und sie wohl ein besonderes Sahnehäubchen setzen konnte. In der Schlussphase des Spieles legte sie mit zwei schönen Pässen für Martina Knytlova vor und sorgte bei dieser für das lange vermisste Lächeln im Spiel. Und die Zuschauer registrierten: auch Martina ist zurück und das tut dem Spiel des THC gut.

An diesem Tag gab es beim aktuellen Spitzenreiter keinen Ausfall. Acht Spielerinnen trugen sich in die Torschützenliste ein, Maike März, zuverlässiger und emotionaler Rückhalt, entschärfte drei Strafwürfe und Kerstin Wohlbold ackerte wirkungsvoll für ihre Nebenleute wie in jedem Spiel bisher. So bleibt eigentlich nur zu konstatieren, dass zehn sehenswerte Treffer von Franziska Mietzner und acht blitzsaubere Außen- und Kontertreffer von Nationallinksaußen Mandy Hering letztlich nicht für einen Punktgewinn gegen einen breit aufgestellten Thüringer HC reichten.

Das Spiel begann praktisch ohne Abwehrreihen. Die hatten sich erst nach fünf Minuten sortiert - bis dahin galt: (Fast) jeder Wurf ein Treffer. (4:4). Dann fanden die Torhüter ins Spiel, die Abwehrreihen folgten. Das Bild der ersten zehn Minuten: der THC legte vor, die Gäste legten nach und blieben dran und konnten durch Christine Beyer in der zehnten Minute noch ein zweites Mal in Führung gehen. (7:8) Dann kam eine starke Phase des THC. Die Abwehr stabilisierte sich und schloss mit viel Laufarbeit die Räume - Maike März glänzte bis dahin mit zwei gehaltenen Siebenmetern, lediglich gegen die Mietzner-Würfe aus dem 2. Obergeschoss fand sie noch keine Mittel. So zogen die Gastgeberinnen, getragen von der unermüdlich kämpfenden Idalina Borges-Mesquita, erstmals davon. Als um die 20. Minute März zweimal hintereinander gut parierte und den zielgenauen Pass auf "Dali" spielte, waren die Gäste mit 10:17 im Hintertreffen. Alles deutete auf eine frühe Vorentscheidung hin, doch es kam anders.

Das hohe Anfangstempo forderte Tribut und die Fehlerquote im THC-Angriff wuchs. Passfehler und Fehlwürfe auf der einen, und der unbedingte Wille wieder aufzuschließen auf der anderen machten bei den Oderstäderinnen neue Kräfte frei und mit einem 7:2 Zwischenspurt konnten die Gäste die "Augenhöhe" wieder herstellen. Mit 19:17 für die Thüringerinnen ging es in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel hoffte der treue THC-Anhang jetzt auf die gewohnten zehn starken Nachpausenminuten. Die fielen diesmal aus - vielleicht auch, weil die Ruhezeiten für die Hauptakteure heute geringer als sonst waren. Pearl van der Wissel bekam aufgrund ihrer muskulären Probleme gar keinen Einsatz, für Steffi Subke gab es nur einige Ballkontakte, dann musste sie aus dem Spiel. Eine schmerzhafte aktuelle Trainingsverletzung ließ einen weiteren Einsatz nicht zu - so blieb ihr nur die Möglichkeit, ihre Mitspielerinnen moralisch zu unterstützen. Und das war nötig. In der 40. Minute war der FHC auf 22:23 herangekommen - hatte als erstes Gästeteam diese Phase knapp für sich entschieden. Parallel dazu hatten sich die Ballverluste auf THC-Seite erhöht und damit das Selbstbewusstsein der Gäste gestärkt. Nur zwei super Paraden und einem emotionalen "Befreiungsschrei" von Maike März war es zu verdanken, dass jetzt das Spiel nicht kippte.

Alles schien wieder offen. Nadja Nadgornaja übernahm wieder Verantwortung und ließ mit ihren Fernwürfen Melanie Hermann im FHC-Tor einige Male nicht gut aussehen. Aber die Gäste blieben dran und hatten in der 44. Minute mit Mandy Herings Anschlusstreffer zum zweiten Mal eine Aufholjagd erfolgreich beendet. Weiter abgeklärt jetzt Idalina Borges-Mesquita - aus spitzestem Winkel zog sie ab und hatte jetzt das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen. Vom Innenpfosten sprang der Ball zuerst an den Rücken von Melanie Hermann und dann über die Torlinie. Im Gegenzug war das Glück gleich nochmal bei den THC-Damen. Ein fulminanter Sprungwurf Franziska Mietzners landete an der Torlatte. Kondition und Erfahrung waren wohl ausschlaggebend für einen Endspurt, wie ihn sich der THC-Trainer gewünscht hatte. In der 55. Minute traf die vom "Punkt" erneut fehlerfreie Katrin Engel zum 34:27 und niemand in der Halle glaubte da noch an eine Niederlage.

Es gab am Ende den hoch verdienten Sieg des THC und für die Frankfurterinnen die Erkenntnis, dass sie sich heute der "Hausmacht Thüringer HC" geschlagen geben mussten. Damit rangieren die Schützlinge von Dietmar Schmidt nach dem klaren Sieg von Blomberg gegen Göppingen auf dem letzten Platz der PlayOff-Kandidaten, zwei Punkte vor Göppingen, das nach dem verpassten Pokal-Viertelfinale das Ziel Meisterschaftsendrunde noch nicht abgeschrieben hat. Vier Spiele vor Schluss der Hauptrunde gibt es um Rang 8 also noch spannende Partien, deren Ausgang Herbert Müller genau beobachten wird. Kommt doch aller Voraussicht nach der erste PlayOff-Gegner von diesem Rang in die Salza-Halle.

Das eigene Restprogramm bringt schon am nächsten Wochenende ein Wiedersehen mit dem einzigen Team der Liga, das im Hinspiel dem THC beide Punkte wegschnappte. Am Sonntag, d. 27.2. um 16 Uhr wollen unsere Damen den Spieß umdrehen und Platz 1 endgültig sichern.

Stimmen nach dem Spiel:
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Herbert Müller (Thüringer HC): Ich bin zufrieden mit allem, was ich heute gesehen habe. Beide Mannschaften haben mit hohem Tempo gespielt und sind dabei an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gegangen. Frankfurt konnte zweimal ins Spiel zurück kommen. In der Schlussphase konnten wir das entscheidende Übergewicht erreichen.

Dietmar Schmidt (FHC): Wir haben über die gesamte Zeit ein Spiel mit hohem Niveau, was Tempo und Attraktivität betrifft, gesehen. Es war ein absolut faires Spitzenspiel, bis zur 52. Minute waren beide Teams auf Augenhöhe. Kompliment für meine Mannschaft, sie ist nach Rückständen zweimal gut ins Spiel zurück gekommen. Die Schlussphase ging an den Thüringer HC, auch weil Maike März hervorragend gehalten hat.

Statistik:
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Thüringer HC: Maike März, Petra Blazek; Nadja Nadgornaja (6), Martina Knytlova (4), Stephanie Subke, nora Reiche (4), Danick Snelder (3), Franziska Garcia-Almendaris, Katrin Engel (6), Idalina Borges Mesquita (9), Petra Popluharova (1), Kerstin Wohlbold (2), Pearl van der Wissel.

Frankfurter HC: Melanie Herrmann, Nele Kurzke; Annika Nega, Franziska Mietzner (10), Janine Wegner (3), Lisa-Marie Preis, Mandy Hering (8), Kira Eickhoff (4), Friederike Gubernatis, Jessy Kramer, Christine Beier (4), Kathleen Haase.

Strafwürfe: 4/4 - 7/4.

Zeitstrafen: 2-3 .

Zuschauer: 1100 (ausverkauft).

Schiedsrichter: Bernd Methe/Reiner Methe (Velmar).

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Weitere Informationen unter:
http://thueringer-hc.de
und
http://www.twitter.com/ThueringerHC
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