Waldemar Pidde läuft mit 80 Jahren vielen davon - noch elfmal

schätzen sich schon seit Jahren: Waldemar Pidde (r.) und der zweifache Marathon-Olympiasieger Waldemar Cierpinski.
 
Im Gespräch mit Olympiasieger Nils Schumann

Der Plan steht: „Elfmal laufe ich noch, mehr nicht, nie wieder!“ Dann wird Waldemar Pidde genau 1111 Lauf-Wettkämpfe absolviert haben, verteilt auf fast 81 Lebensjahre.

Nicht ganz, erst mit 36 Jahren entdeckte der Leichtathletik-Übungsleiter sein Faible fürs Laufen. Mit dem Drei-Türme-Lauf in Güntersleben machte der Waltershäuser jetzt, über vier Jahrzehnte später, Lauf-Nummer 1100 komplett. „Nur zehn Kilometer, ich fahre langsam das Tempo runter“, hat er keine Lust mehr auf längere Distanzen.

Kilometer um Kilometer



Die ist er genug gelaufen. Zwar manchmal auch nur die 800-Meter-Strecke, meistens aber die schwierigen, 25 Kilometer oder 75. Die 25 Kilometer waren ihm immer die liebsten, dafür habe er am intensivsten trainiert. Die Urkunden, auf denen Waldemar Pidde als Bezirksmeister ausgewiesen ist, mag er nicht zählen. Es sind einfach zu viele. Dafür hat er andere Zahlen parat: 126 Pokale (“Die gab's ja erst nach der Wende!“), 532 Siege in den 1100 Rennen, die meisten Läufe in Erfurt - dort waren es 132, inklusive aller 41 Silvesterläufe, der nur alle 50 Jahre stattfindende Freiheitslauf nach Frankfurt mit 120 auf fünf Tage verteilten Kilometern und Füßen, die sich danach anfühlten, als seien sie nicht mehr da.

Eine Zahl wurmt ihn



Über eine Zahl aus dem Jahr 1980 freut und ärgert sich der Laufbegeisterte noch heute: Die 75 Kilometer beim Rennsteiglauf schaffte er in sieben Stunden und zwei Minuten. „Was habe ich dafür gerackert“, erinnert er sich an den gewaltigen Trainingsaufwand und beginnt im selben Atemzug mit dem jungen Waldemar zu schimpfen: „Du Ochse, da hättest du auch unter sieben Stunden bleiben können!“

Immer gerackert



Wirklich ernst ist es ihm nicht mit der Schelte, er hat ja soviel erreicht. „Manchmal frage ich mich heute, warum ich so viel gerackert habe“, greift Waldemar Pidde einen Gedanken auf, der ihm ab und zu kommt. Morgens aufstehen, laufen, dann zur Arbeit als Maschinenschlosser, dann wieder laufen oder die Jungs und Mädchen trainieren. Kein Tag ohne Training. Seine Frau ist mit ihm auf einer Wellenlänge, kommt mit zum Trainieren und zu den Wettkämpfen, läuft eine zeitlang sogar Strecken bis zehn Kilometer mit.

Süchtig? Es ist mehr!



„Es ist mehr als eine Sucht, aber man will ja schließlich gewinnen“, versucht er eine Erklärung für die Laufleidenschaft und hat sie auch schon parat: „Weil ich verrückt bin!“ Aber das, ist der 80-Jährige überzeugt, treffe ja auf die meisten Läufer zu. Sie alle durchleben dasselbe Phänomen: Wie hart auch ein Lauf war - im Ziel ist alles vergessen. „Ich habe wirklich schon schwere Läufe gehabt, gegen peitschenden Regen und Wind, manchmal so anstrengend, da hat mir das Herz im Kopf geklopft“, spricht er von zahlreicher Qual.

Der Hammer kommt immer



Bei allen längeren Rennen kommt auch immer der eine Moment: Der Mann mit dem Hammer in seinem Kopf. Unaufhörlich versucht er es Waldemar einzuklopfen: 'Gib auf, tu dir das nicht weiter an!' „Das musst du stärker sein als er, dich durchsetzen, den Hammer bezwingen“, hat Läufer Pidde sein persönliches Rezept gefunden. Immer wieder ist es ein kräftezehrender Kampf. Einer, den er jedesmal gewonnen hat. Nur zweimal musste er aufgeben, weil er sich verletzt hatte. Aber dann, wenn er glücklich durchs Ziel rannte, war alles gut. Beim nächsten Mal beginnt alles von vorn.

Genug gelaufen



Das alles lässt er nun hinter sich. Im März wird er 81, er ist genug gelaufen. Beinahe hätte Waldemar Pidde schon vor Monaten aufgehört. Als seine über alles geliebte Frau gestorben war, wollte er nicht mehr. „Da hatte ich meinen tiefsten Punkt“, gesteht er und ist froh, dass ihn seine Lauffreunde auffangen, ihm Mut machen. „Sich unterkriegen zu lassen, das gibt's für mich nicht“, sagt er. Es fällt ihm schwer, tapfer zu sein, zu sehr fehlt ihm die Liebste. Elf Läufe hat er sich für dieses Jahr vorgenommen, dann ist Schluss. „Natürlich höre ich nicht ganz auf, fahre weiter jeden Tag Fahrrad, komme mit den Jungs zu den Wettkämpfen, mache dort ein paar Walking-Runden, laufe auch mal mit, aber nicht mehr im Wettkampf!“ Der Unruhegeist kann einfach nicht anders.

Waldemars Lauftipp:



Waldemar Piddes Tipps an alle, die gerade erst beginnen, das Laufen für sich zu entdecken: „Es ist ganz wichtig, erst einmal sachte anzufangen. Ich empfehle jedem, nicht auf Leistung zu laufen. Die Zeit, der Druck machen einen kaputt, das ist total verrückt. Außerdem geht Laufen auf die Gelenke. Fangt mit etwa Zwei-Kilometer-Läufen an, steigert euch langsam. Aber mehr als zehn Kilometer sollten es nie werden, das reicht völlig!“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige