Wie eine Droge - Der Thüringer Nachwuchsrennfahrer Jannes Fittje hat ein klares Ziel vor Augen: die Formel 1

Jannes Fittje beim Rennen in Zandvoort. (Foto: Gruppe C GmbH)
 
„Beim Mentaltraining habe ich gewisse Methoden, um in einen Tunnel zu kommen und 100 Prozent Leistungsfähigkeit auf den Punkt abzurufen.“
Kerpen: US Racing |

Jannes Fittje hat noch keinen Führerschein. Rennwagen fährt der 17-jährige Nachwuchspilot aber trotzdem wie ein Profi. „Die Formel 1 ist das Ziel, so soll mein Weg sein“, sagt er selbstbewusst.

Apropos Weg: Die Straße zum Haus der Familie Fittje in Waltershausen-Langenhain ist aufgerissen. Die Baustelle ist ein bisschen Sinnbild für die derzeitige Situation von Jannes. Noch ein bisschen holprig vielleicht, aber ganz bestimmt läuft bald alles glatt.

Jannes zweite Saison in der ADAC Formel 4 neigt sich gerade dem Ende. „Das erste Jahr war ein Lehrjahr, weil es ein großer Schritt war vom Kart- in den Formel-Sport, also von 32 auf 160 PS“, resümiert er. „Das zweite Jahr sollte mehr in die Erfolgsspur gehen.“ Sollte... Jannes Fittje seufzt selbstkritisch. Hinter ihm liegen gute Rennen. Einige Podestplätze konnte er erreichen. Die Top Fünf in der Gesamtwertung hat er bis zum letzten Rennen auf dem Hockenheim-Ring an diesem Wochenende weiter im Blick. Nur mit einem Sieg hat es bisher nicht geklappt.

„Jeder Sport ist gefährlich. Die Sicherheitsvorkehrungen am Wagen und an der Strecke sind so hoch, dass ich das gleiche Verletzungsrisiko habe wie beim Fußball.“

Nachwuchsrennfahrer Jannes Fittje


Mit guten Ergebnissen will der Gothaer Gymnasiast auf sich aufmerksam machen. Denn im kommenden Jahr will Jannes in der Formel 3 fahren. Um erfolgreich zu sein, hilft ihm die Erfahrung seiner Teamleitung. Er startet für das prominent geführte Team „US Racing“. Ex-Formel-1- und DTM-Pilot Ralf Schumacher sowie Gerhard Ungar, der langjährige DTM-Rennwagen-Konstrukteur bei Mercedes Benz, leiten diese Talentschmiede. „Gerhard Ungar hat schon mit vielen Fahrer zu tun gehabt. Mit ihm zusammenzuarbeiten, ist natürlich eine coole Sache.“ Ungar ist für den technischen Part, die optimale Einstellung des Rennautos zuständig, während Ralf Schumacher neben der Organisation als Driver-Coach agiert. „Ralf hat sehr viel Erfahrung auf den Strecken. Mit diesem Wissen kann er mir sehr weiterhelfen“, sagt Jannes, der vor sieben Jahren aus Bremen nach Thüringen kam.

Im Freistaat gibt es neben ihm derzeit kein vergleichbares Talent im Rennsport. Ob es für Jannes mit der Formel 3 klappt, ist in erster Linie aber eine finanzielle Frage, die sich bis zum Jahreswechsel klären sollte. „Die Formel 1 ist schwer zu erreichen. Alleine mit Talent und Erfolg kommt man dort nicht hin. Man benötigt viel Glück und man muss die richtigen Leute kennen, die einen unterstützen.“ Sollte es mit der Königsklasse nicht klappen, will Jannes nach dem Abitur dem Motorsport auf jeden Fall treu bleiben - „ob nun in der DTM, im GT-Bereich oder als Werksfahrer“.

Ein teurer Sport



Doch dies ist nur Plan B. Damit der nicht in Kraft treten muss, sorgt sich vor allem Vater Arne Fittje, der selbst früher erfolgreich im Porsche-Carrera-Cup fuhr, um finanzkräftige Sponsoren. Jannes spricht von einer sechs- bis siebenstelligen Summe, um seine Karriere auf das nächste Level zu hieven. „Für die Formel 3 bräuchten wir noch mal das doppelte bis dreifache Budget als bislang.“ Dieser Sport ist von Beginn an viel zu teuer, um ihn auch nur ansatzweise aus der eigenen Tasche zu finanzieren. Schon jetzt sind für die vier Autos im Rennstall jeweils ein Ingenieur und zwei Mechaniker zuständig. Gemeinsam werden nach jedem Training und Rennen die Daten ausgewertet und das Auto immer wieder neu eingestellt.

An 20 Testtagen pro Saison kann Jannes auf jeder Strecke ein- bis zweimal trainieren. Hinzu kommen Trainingslager - beispielsweise im Winter auf seiner Lieblingsstrecke in Barcelona. Ansonsten sitzt der 17-Jährige im Simulator oder fährt die Strecke im Kopf ab. „Beim Mentaltraining habe ich gewisse Methoden, um in einen Tunnel zu kommen und 100 Prozent Leistungsfähigkeit auf den Punkt abzurufen.“

Jeder Muskel spannt an.



Hinzu kommt das Krafttraining. „Jeder Muskel spannt an und muss trainiert sein. Hauptsächlich die Nackenmuskulatur, denn hierauf wirken permanent Kräfte bis zu 2 g.“ Als wäre sein Programm nicht straff genug, spielt er nebenbei noch Fußball fürs Jugendteam von Wacker Gotha in der Verbandsliga. Vier von fünf Tagen unter der Woche investiert Jannes in den Sport, an den Wochenenden sind dann die Rennen oder Fußballspiele.

Um seinen Traum zu leben, agiert der Teenager wie ein Profi, ist unglaublich fokussiert und ehrgeizig. „Was ich sportlich mache, will ich perfekt machen.“ Jannes Worte sind gut durchdacht. Er weiß, wie das Geschäft funktioniert, wie er vor Kameras agieren muss. Schon seit Kindertagen sind sie auf ihn gerichtet, denn vor der Formel 4 war er sechs Jahre lang erfolgreich im Kart-Sport unterwegs. Derzeit dreht der KiKa die zweite Staffel der Doku-Soup „Pole Position“ über ihn und andere Nachwuchsrennfahrer.

Immer wieder aufs Podest



Wenn der Schüler seine 24 Rennen pro Saison fährt, schauen ihn auf den acht verschiedenen Strecken bis zu 80.000 Zuschauer dabei zu. Hinzu kommen die Fans vor dem Fernseher, die verfolgen, wenn er mit 160 PS und 230 km/h seine Runden dreht. „Das klingt vielleicht nicht besonders schnell. Aber durch den Anpressdruck, durch die Aerodynamik kommen wir beispielsweise viel schneller durch die Kurve als ein Audi A8.“

Die rasende Geschwindigkeit ist aber nur ein Grund für Jannes' brennende Leidenschaft. „Es ist auch dieses Gefühl, wenn ich aufs Podium fahre und gewinne. Das ist wie eine Droge. Das will ich immer wieder erreichen. Klar, funktioniert das nicht immer. Aber es ist ein sehr geiles Gefühl, das ich auf andere Weise nicht erreichen kann.“

Jannes Fittje im Netz:

www.jannes-fittje.de
www.instagram.com/jannesfittje/
twitter.com/FittjeJannes
usracing.one

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Renate Jung aus Erfurt | 01.10.2016 | 13:12  
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