Allein im Wald: Ein Wildnis-Survival-Wochenende in Thüringen

Mit dem Feuerbohrer Flammen zu entfachen, erfordert viel Geschick und passende Utensilien. Darum lieber mit Feuerzeug reisen.
 
Erlebnispädagoge Jens Büttner weiß, was Trapper zum Frühstück wünschen.
Rottenbach: Paulinzella | Was tun ohne Wasser, Feuer und Unterschlupf? Überlebenstraining gibt es nicht nur im Dschungelcamp. AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt absolvierte ein Wildnis-Survival-Wochenende in Thüringen.

Nein, bitte nicht! Regen ist das Letzte, was ich jetzt brauche. Doch der Himmel ignoriert mein Flehen. Er färbt sich schwarz und öffnet die Schleusen. "Das ist der perfekte Einstieg in die Survival-Situation", kommentiert Jens Büttner gut gelaunt. Der Erlebnispädagoge vom Erfurter Elan e.V. stapft unserer kleinen, triefnassen Gruppe voran. "Stellt euch vor, euer Kanu ist in Kanada gekentert. Ihr steht allein in der Wildnis, eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit." Ein Szenario, das ich mir nicht wirklich ausmalen kann - mitten im dichtbesiedelten Deutschland auf einem Forstweg nahe Paulinzella. Aber was wäre wenn? Was könnte man in einer solchen Notlage tun? Ich habe keine Ahnung und will es erfahren - an diesem Survival-Wochenende in Thüringen.

Bepackt mit Rucksack, Schlafsack und Isomatte ziehen wir Freitagabend in den Wald. Zu unserer fünfköpfigen Gruppe gehören Betonbauer Günther (53) aus Oranienburg, Ingenieur Wolfgang (57) aus Zwickau und Student Sebastian (22) aus Aschersleben. Im Wald ist man per du. Dass ich die einzige Frau bin, ist für Trainer Jens (32) nicht ungewöhnlich. "Die Frauenquote ist immer sehr niedrig", gesteht er. Das spornt meinen Überlebenswillen nur an. Trotzdem bin ich erleichtert, als wir nicht im Freien, sondern in einer Jagdhütte Quartier beziehen. Am Lagerfeuer werfe ich gedanklichen Ballast ab. Die Stille des Waldes beruhigt.

"Es geht nicht darum, gegen die Natur zu kämpfen, sondern darin zu leben und mit ihr in Einklang zu kommen", greift Jens die Stimmung auf. Manche Survival-Actionfilme machen ihn wütend. Statt militanten Unfugs vermittelt der Outdoor-Experte lieber praxisorientiertes Wissen. Ich lerne, wie ich meinen Körper vor Wärmeverlust schütze, wie ich Wasser finde und mit selbstgebautem Filter reinige. Die Perspektive, die Welt zu betrachten, ändert sich. Wer sich einmal mühte, mit Feuerstein und Eisen oder mit Magnesium einen Funkenschlag zu erzeugen, wird das so selbstverständliche Feuer fortan mehr schätzen.

Bei keiner der praktischen Aufgaben muss ich über meine Grenzen gehen: Ich sammle Tautropfen mit dem Leinentuch, schnitze einen Löffel, lerne Knotentechniken und schleiche indianergleich durchs Gelände. Das größte Werk am Samstag ist eine Schutzbehausung aus Ästen, Reisig, Laub und Fichtenmulch. Zu viert brauchen wir zwei Stunden, bis das mumienförmige Gebilde fertig ist. Am Abend sammeln alle für ein Wald- und Wiesenabendbrot. "Möchte jemand einen Grashüpfer essen?", preist Jens einen besonderen Fund an. Nein, niemand. Das Insekt hüpft davon. Wir lassen uns Brennnessel-Suppe, Löwenzahnwurzeln und Melissentee schmecken.

Nach der Nachtwanderung - ohne Taschenlampe quer durchs Unterholz - kommt sie doch noch, meine große Herausforderung. Weil keiner der Herren will, schlafe ich in unserer "Hütte" Marke Eigenbau. Mutterseelenallein im Fichtenwald. Über mir das feine Wispern der Bäume, sonst nichts. Käfer eilen über das Laub, als ich den Eingang schließe. Etwas mulmig ist mir schon. Nicht aus Angst vor Wildschweinen oder Bösewichten. Gefährlicher erscheinen mir die winzigen Spinnen. Ich verkrieche mich im Schlafsack - schade nur, dass ich den in Kanada nicht dabei haben würde. (November 2009)

Das Wildnis-Survival-Wochenende ist eines von über 500 Erlebnisangeboten der Erfurter Agentur "NoLimits24". Infos: http://www.nolimits24.de/
oder beim Elan e.V. Erfurt http://www.elanev.de/angebote/wildnis.html
Telefon: 03 61/5 51 28 63
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3 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 27.01.2011 | 23:30  
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Marcus Hlawatsch aus Hermsdorf | 01.03.2011 | 08:30  
Sibylle Klepzig aus Nordhausen | 01.03.2011 | 09:33  
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