Barfüßerruine: Nutzungskonzept wird gesucht

  Von Axel Heyder

ERFURT. Die Barfüßerruine ist mehr als nur ein Shakespeare-Spielort im Sommer. Sie habe weit mehr Aufmerksamkeit verdient, befinden die Mitglieder des Initiativkreises Barfüßerkirche, als sie derzeit bekomme.
Obgleich das ehemalige Kloster zu den bekanntesten Bauwerken in Erfurt gehört, weiß doch kaum ein Einheimischer viel über seine Geschichte zu erzählen. Aber das soll sich künftig ändern.

Einst war sie eine zentrale Anlaufstelle in der mittelalterlichen Stadt. Die Bettelmönche der Franziskaner hielten ihre Türen für die Bürger der Stadt – aber auch für die Mittellosen – offen. Die Kirche war ein Ort der Zuflucht und der Besinnung.

Franziskus von Assisi

Architektonisch sind die Mauern dem Magdeburger Dom nicht unähnlich und damit untypisch für das Gotteshaus eines Bettelordens. Denn diese bauten in der Regel möglichst einfach. Ohne Turm, in Kastenform, schnörkellos. Das macht sie einzigartig. Als die Franziskanermönche des Franziskus von Assisi 1224 Erfurt erreichten und in den Folgejahren mit dem Bau im Stadtzentrum begannen, seien die Probleme ähnlich denen der Menschen von heute gewesen, weiß Karsten Horn vom Vorstand des Initiativkreises. Die Parallelen sieht Horn – verantwortlich als Mitarbeiter des Angermuseums für die Ausstellung in der Barfüßerkriche – an mehreren Stellen: „Aus heutiger Sicht ereignete sich in dieser Epoche folgendes: Gewaltige Wissens­zuwächse und eine Veränderungen in der Produktionsweise erzeugten starke soziale und politische Span­nungen. Zeitgleich stehen eine wachsende Stadtbevölkerung, Migrationsbewegungen und zunehmende Armut einem maßlosen Egoismus, Machtansprüchen und einer Kapitalkonzentration gegenüber. Dieses Konflikt­e trieben, gepaart mit einer tiefen Verunsicherung und geistiger Orientierungslosigkeit, die Gesellschaft in eine Sinn- und Existenzkrise“. Welche Lösungen der Bettelorden den Menschen anbot, ist deshalb bis heute interessant.
Luther predigte dort und später, 1811, hat es ein in dieser Zeit wichtiges Musikfestival dort gegeben. Wichtige Ereignisse der Stadthistorie fanden in diesem Haus einen Ort. „Ein Stück greifbare Geschichte – aber bis heute gibt es kein Nutzungskonzept von Seiten der Stadt.“

Ideen sind gefragt

Die Patentlösung hat der Initiativkreis nicht parat. Hier gilt es in die Ideenfindung einzusteigen. Vielleicht mit einem Wettbewerb. Anders als die Dresdner Frauenkirche sei die Barfüßerruine nie zu einem richtigen Mahnmal für die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg geworden. Sie jetzt noch zu dem zu machen, ist eher unwahrscheinlich. Mehr als 350 000 Euro sind bereits in den Erhalt der Ruine geflossen. Nun gilt es, über die Nutzung als sommerliche Theaterspielstätte hinaus, sie zu einem bedeutsamen Ort zu machen. Zu einem, der einerseits über seine Geschichte informiert. Aber andererseits auch den Blick in die Zukunft gewährt.

„Was können wir für unser Leben und unsere Zukunft aus der Geschichte der Kirche lernen, welche Anregungen können wir mitnehmen? Welche Ansätz hat der Bettelorden damals gefunden?“ – Ansätze, die Horn und seine Mitstreiter aufarbeiten. Neben der Spielstätte für Theater sei eine für Musikwettbewerbe klassischer Musik denkbar.

Als Nahziel soll zunächst ein Bronzeabguss nach einem Relief von Hans Walther (Zyklus Totentanz), der eine Erinnerung an die Schrecken des Krieges und die Zerstörung der Kirche ist, angebracht werden. Dafür sammelt der Initiativkreis Spenden. Für Ideen zu Erhalt und Nutzung der Barfüßerruine sind indes alle Erfurter aufgerufen.
www.barfuesserkirche.de
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1 Kommentar
Axel Heyder aus Erfurt | 15.12.2011 | 13:07  
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