Flüchtlinge in Arbeit – sofort! Integration und Jobs statt Harz IV und keine Perspektive

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Ohne Zukunft: Es darf nicht passieren, dass der größte Teil der Asylanten in das Hartz-IV-System abrutscht und dort dauerhaft verbleibt. (Foto: Bernd Kasper/pixelio.de)
 
Arbeit überall: Statt eines freundlichen Tankwarts, der uns die nicht immer angenehme Arbeit abnimmt, erledigen wir heutzutage den Vorgang selbst. (Foto: BettinaF/pixelio.de)
Erfurt: Freund HRC |

Es ist genügend Arbeit in Deutschland da – unterstützen wir diejenigen, die in den Fachberufen überlastet sind.

Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland reißt nicht ab. Täglich erreichen Zehntausende, vorwiegend junge Männer, die Grenze mit dem Ziel, in Deutschland vor­übergehend oder dauerhaft eine Lebensperspektive zu finden. Ungeachtet der damit in Zusammenhang stehenden Probleme steht die Frage im Raum, ob wir all diese Menschen schnell in Arbeit bringen können.

Arbeitslosigkeit macht krank


Es darf nicht passieren, dass der größte Teil dieser Menschen in das Hartz-IV-System abrutscht und dort dauerhaft verbleibt. Dafür sprechen nicht nur ökonomische und gesellschaftliche, sondern vor allem auch humanistische Beweggründe. Arbeitslosigkeit macht krank, schafft soziale Probleme. Andererseits ist die Toleranzschwelle derer erreicht, die jeden Tag ihrer Arbeit nachgehen und mit ihren Steuern und Abgaben die ­sozialen Systeme finanzieren.

Am Wochenende hat die Thüringer Allgemeine in ihrem Leitartikel den Krankenstand in Thüringen thematisiert. Er ist am höchsten in ganz Deutschland. Unter Medizinern und Arbeitswissenschaftlern bedeutet dies nichts anderes, als dass die Belastungsgrenzen, der Stress und die Arbeitsintensität ein Ausmaß erreicht haben, welches nicht weiter gesteigert werden sollte. Jene, die noch in Arbeit sind, müssen immer mehr leisten. Was früher zwei oder drei Beschäftigte erledigt haben, das muss heute oft einer allein schaffen.

Anderer­seits haben wir in Deutschland in den vergangenen 40  Jahren im Zuge der Rationalisierung immer mehr einfache Arbeit durch ­Maschinen und Anlagen ersetzt. Die Produktivität ist dadurch gestiegen und ermöglichte es, Menschen aus dem Arbeitsprozess freizusetzen und über soziale Systeme abzufedern.

Wo ist der freundliche Tankwart geblieben?

Obwohl insbesondere im Dienstleistungssektor neue Arbeitsplätze entstanden, ist der Großteil der „alten“ Arbeit dadurch aber nicht verschwunden. Denken Sie an die Tankstelle. Statt eines freundlichen Tankwarts, der uns die nicht immer angenehme Arbeit abnimmt, erledigen wir den Vorgang selbst. Das Servicebedürfnis ist da: Im Zug oder in der Straßenbahn, ziehen wir unsere Fahrkarten aus Automaten und entwerten sie. Demnächst sollen wir noch im Supermarkt unserer Ware selbst einscannen und bargeldlos bezahlen. Heute schreibt jeder selbstverständlich seine dienstliche Korrespondenz mit dem Computer selbst, der Anteil von Sekretärinnen in Unternehmen geht gegen null.

Der berufstätige Mensch ist voll ausgelastet und hat auf der anderen Seite durch die hohe Abgabenlast nicht genügend Geld am Ende des Monats, um sich selbst entlastende Dienstleistungen zu kaufen. Haushaltsnahe Dienste zum Beispiel, die berufstätige Familien entlasten könnten, kommen bis auf wenige Großverdiener gar nicht vor. In der Land- und Forstwirtschaft, im Umweltschutz, in der Kommunalwirtschaft, der Pflege, im Dienstleistungssektor sowie im Handwerk und in der Industrie ist genügend Arbeit vorhanden.

Aktuelle ­Gesetze und Bestimmungen ändern


Ich meine damit nicht die hochspezialisierte und ausbildungsintensive Facharbeit. Den „Fachkräftemangel“ werden wir mit dem Gros der Flüchtlinge in absehbarer Zeit nicht decken können. Dazu sind die sprachlichen und bildungsseitigen Barrieren zu hoch. Ich verweise auf die Tausenden, unbesetzten Arbeitsplätze in der Unterstützungs- und Entlastungs­arbeit. Wie viel Wahrheit steckt in dem Zitat von Friedrich Schiller „Immer strebe zum Ganzen und, kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an!“?

Wer kein Facharbeiter ist, aber arbeiten will, für den gibt es auch Arbeit. Wir müssen nur als Gesellschaft diese notwendige Arbeit wieder als reale Arbeitsplätze ausweisen. Die Volkswirte werden es bestätigen: Ob wir Arbeitslosigkeit und deren Begleiterscheinungen mit Milliardenbeträgen sozial abfedern oder einfache Arbeitsplätze cofinanzieren – letztendlich ist es ökonomisch ein Null-Summen-Spiel.

Die aktuellen ­Gesetze und Bestimmungen, die für die Flüchtlinge ein rasches Eingliedern in einfache Arbeitsprozesse erschweren, müssen umgehend geändert werden. Selbstverständlich dürfen diese Bemühungen nicht zu einer Kanibalisierung bestehender Arbeitsplätze oder zu Lohndumping führen. Aber dies sind Themen, welche die Gesellschaft in Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Sozial­verbänden diskutieren und Lösungen finden muss.

Arbeit sorgt für Integration


Es ist genügend Arbeit in Deutschland da. Unter­stützen wir diejenigen, die in den Fachberufen überlastet sind und weisen wir notwendige, einfache Arbeit wieder als reale Arbeitsplätze aus. Nur über die Integration in den Arbeitsprozess kann auch die Integration in die Gesellschaft erfolgreich verlaufen. Gleichzeitig entwickeln sich Sprachkompetenzen, Arbeitstugenden und Fachwissen. Ich freue mich auf Ihre Vorschläge und ­Meinungen.
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3 Kommentare
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Joachim Kerst aus Erfurt | 16.10.2015 | 19:03  
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Irina Baumann aus Hermsdorf | 17.10.2015 | 09:43  
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Silke Dokter aus Erfurt | 21.10.2015 | 09:26  
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