Super, Hund! Ole auf der Hindernisbahn

Retriever Ole: Arbeit? Nicht mit mir!
 
Hundetrainer Thomas Kümmel
Weimar: Hundeschule Passion | In Thüringen wird jährlich das Superteam Mensch-Hund gekürt. Ein Trainingsbericht von Ole Beer.

Mein Dieter Bohlen heißt Thomas Kümmel. Weniger braungebrannt, weniger Haarpracht. Aber gesanglich vermutlich ähnlich untalentiert. Und ebenso kompetent wie authentisch. Vor dem Probelauf zum Wettstreit um den Titel „Superhund“ schlottern mir die Hinterläufe. Meine Darbietung auf der Hindernisbahn soll eines sechsjährigen Rüden würdig sein. Dumm nur, dass ich auf Stress mit extremer Hektik, überbordendem Temperament und ausgeprägtem Spieltrieb reagiere. Der blaue Quietscheball ist mir lieber als hölzerne Hürden und eiserne Slalomstangen. Mein Auftritt ist entsprechend unkonzentriert und aufgeregt. Hundetrainer Kümmel analysiert ruhig: "Du bist klug, aber zu vorsichtig." Immerhin: Das klingt weniger rücksichtslos als Bohlen. Aber mindestens genauso ehrlich. Wenn bald das Supergespann Mensch-Hund gekürt wird, bin ich erst mal nicht dabei. Halb so schlimm. Ich, Ole, der Golden Retriever, rolle später mal das Feld von hinten auf. Dabei hätte es ein erfolgreicher Tag werden können...

Als ich mit Herrchen zum Probetraining eintreffe, begrüßt uns Wachhund Silver mit lautem Gebrüll. Bei aller Kollegialität unter Vierbeinern ist mir das aufgeblasene Gehabe suspekt. Ich würde nie jemanden ankläffen, der sich als potenzieller Streichler eignen könnte. Dann kommt Kümmel, der nicht bellt, und knufft mich in meinen Stiernacken.

Während ich im Pensionshaus zum Rumliegen verdonnert werde (Platz! Bleib!) höre ich Kümmel erklären: "Die Bahn soll Hunde jeden Alters in Alltagssituationen hineinbringen und dafür sorgen, dass gemeinsam mit Frauchen oder Herrchen nachhaltig gelernt wird."

"Es reicht nicht aus", sagt Kümmel, "mit seinem Hund auf der Wiese im Kreis zu laufen." Stimmt, denke ich, wenn die Alternative nicht ausgerechnet harte Arbeit bedeutet. "Wir haben zum Beispiel eine Betonröhre mit Hindernissen und einen ansteigenden Laufbalken mit Winkeln. Es ist wichtig, dass Mensch und Hund dies gemeinsam bewältigen. Das schafft Vertrauen." Insgesamt beinhaltet die Spaßbahn 22 Elemente mit Bezug zum Alltag. Alltag ist das Wort, das Kümmel heute genauso gerne wie häufig sagt. Es scheint ihm wichtig zu sein. Ich höre ihn vom Wesenstest reden, von Reaktionen in Konfliktsituationen und dann endlich vom ersehnten Wettkampf. Ich klappe mein rechtes Ohr hoch, spiele aber weiter den artig Desinteressierten. "Beim Superpokal wird gemessen, wie schnell der Hund die Hindernisse überwindet, es gibt Fehlerpunkte, und zum Abschluss muss der Mensch 30 Fragen rund um den Hund beantworten", erklärt Kümmel.

"Auf!", befiehlt Herrchen und schreitet mit mir zur Spaßbahn. Es wird ernst, denke ich, und beschließe ein kleines Ablenkungsmanöver. Im Gras lacht mich ein kleiner blauer Ball an, der lustig in meinem Maul quietscht. Spielen schadet nicht, also jage ich quer über die Bahn, entdecke dabei die Betonröhre und flitze in vorauseilendem Gehorsam hindurch. Wer hat denn hier Autoreifen und Tarnnetze nicht weggeräumt? Egal, Augen zu und durch. Mit dieser Maxime komme ich dann allerdings am Beginn der Spaßbahn nicht weiter. Hinter der ersten hohen Hürde steht Herrchen und zelebriert einen Affentanz. Artig nehme ich den logischen Weg und laufe links vorbei. Warum er sich jetzt nicht freut, ist mir unklar. Wir überspringen wenn auch nicht wie gedacht die hohen und weiten Hindernisse, rennen dafür gemeinsam über ein großes Holz-A und kämpfen uns durch den mit baumelnden Plastikflaschen gesäumten Weg unten durch. Ich schwitze hechelnd und frage mich, wo eigentlich mein Ball ist.

Weiter gehts. "Slalom: sehr gut", ruft Kümmel. "Oktoberfesttauglich." Auf den Steinthron will ich nicht springen, erst recht nicht in das Becken voller Plastikflaschen. Und die schmale U-Schiene ist mir zum Balancieren auch zuwider. Dafür klappen Wippe, liegende Leiter, Tunnel, Laufbalken, Brücke und der Parcours über verschiedene Böden unter gutem Zureden.

Am Ende sitze ich wieder brav und freue mich, dass Herrchen genauso geschafft ist wie ich. Kümmels Fazit dagegen ernüchtert: "Du ordnest dich zu wenig unter, hast Grundängste, die du aber ganz geschickt dank deiner Intelligenz überspielst." Wie bitte? War das jetzt ein Kompliment? Dass ich anatomisch zu allem in der Lage bin, und dass ich nach ein bisschen Training mit anderen mithalten könnte, höre ich nur entfernt, während ich mich aus dem Staub mache. Der Wettbewerb ist bis nächstes Jahr abgehakt, ich gehe lieber wieder spielen. Trotzdem habe ich gelernt. Meine Schwächen sind klar und mit ein bisschen gutem Willen bin ich nach ein paar Trainingseinheiten auch zu Hause entspannter. Im Alltag also, denke ich und mache den Kümmel.

Zum Abschied säuselt mir der Bohlen aller Hundefreunde Mut zu. "Bleib dran, das meiste hat wirklich gut geklappt." Als wir zurückkommen, erwacht Silver aus vorgespielter Gleichgültigkeit und knurrt "Auf Wiedersehen". Ich lasse mich demonstrativ streicheln, hechte ins Auto und bin stolz auf mich, als ich unter meiner Lieblingsdecke ungesehen den blauen Quietscheball verstecke.
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