Thüringer Lebensart auf der Zunge mit Matthias Kaiser & Co.

Die Kinder vom Kinder- und Jugendheim in Waltershausen genossen es sichtlich, gemeinsam mit Matthias Kaiser Essen zuzubereiten und dann auch zu genießen. (Foto: Jacqueline Krüger)
 
Die beiden Kreativen - und führenden Köpfe im Verein der Thüringer Lebensart e.V.: Kochkünstler, Restaurantkritiker und Autor Matthias Kaiser (r.) und Vereinsvorsitzender Christian Aßmus.
Thüringen auf der Zunge: Der Verein der Thüringer Lebensart bringt Kindern auf kulinarische Weise Traditionspflege nahe und hofft auf weitere Unterstützung.


Liebe geht durch den Magen. Selbst die zu einem Land, seinen Traditionen, den Gebräuchen. Und Thüringen hat sowieso ganz viel mit Essen zu tun, die Thüringer sind Genießer. Doch keiner wird geboren mit dem Sinn für die Heimat, für manch Jungen sind Traditionen leere Worte ohne Bedeutung. "Wer tut schon etwas dafür, anderen, vor allem Kindern, Thüringen nahe zu bringen?", sinniert Christian Aßmus. Mit seinem "Verein der Thüringer Lebensart e.V." macht er das, vor allem auf kulinarische Art und Weise. Er und Matthias Kaiser - der Kochvirtuosue, Autor und Restauranttester - sind in dem jungen Verein die kreativen Macher, die nicht lange drumherum reden.


"Wir kümmern uns um die, die sonst durchs Raster fallen" erklärt er, warum sie intensiv mit dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf und dem Kinder- und Jugendheim in Waltershausen der Sunshinehouse gGmbH zusammenarbeiten. "Wir helfen denen, die es nötig haben, das ist unsere Aufgabe", stimmt Matthias Kaiser zu. Konkret sieht das so aus, dass er Kinder aus diesen beiden zusammen gehörenden Einrichtungen in seine Küche einlädt, um gemeinsam mit ihnen zu kochen. Es ist mehr als nur das. Das Menü mit den guten Zutaten aus der Region planen, Gemüse putzen und schnippeln, Kartoffeln schälen, Fleisch braten, eine echte Tomatensoße mit Kräutern aus dem Garten zubereiten - und dabei ganz viel reden, lachen, staunen, Neues erfahren, darüber, wie es richtig geht mit dem Zubereiten und was es heißt, Thüringer Küche zu leben. Manchmal sind auch die Jugendlichen aus dem Kinderdorf bei Matthias Kaiser und den Mitstreitern vom Verein und den Küchenhelfern zu Gast. Die, die bald auf eigenen Füßen stehen und denen er zeigt, wie sie mit wenig Geld übers Wochenende kommen, trotzdem damit gut einkaufen und sich ein gesundes Essen zubereiten können. Praktische Lebenshilfe. Auch mit syrischen Kindern haben die Lebensartler schon gekocht. "Das ist Integration!", bringt es Christian Aßmus auf den Punkt. Die kleinen Neu-Thüringer möchten heimisch werden, etwas über ihr neues Land erfahren.


Kochen mit Langzeitwirkung

"Wenn sich die Kinder hier wohlfühlen, dann werden sie sich auch später daran erinnern", weiß Matthias Kaiser - vom praktischen Nutzen für die Kleinen einmal abgesehen - um die Langzeitwirkung solcher Projekte. Kinder, die Aufgaben haben, sich aufgehoben fühlen, sich mit Vergangenheit und Traditionen kreativ auseinandersetzen, kommen weniger auf abwegige Gedanken. Zu "ihren" Nachwuchsköchen haben Kaiser, Aßmus und Co. inzwischen einen guten Draht, sie treffen sich viermal im Jahr zum gemeinsamen Werkeln in der Küche. Sie haben auch schon für Erwachsene gekocht oder vor kurzem in Südtirol Thüringer Lebensart bekannt gemacht. Doch das Hauptanliegen bleiben die Kinder. Gern würden sie noch mehr derartige Koch-Events für die Heranwachsenden anbieten, doch muss alles bezahlt werden, die Zutaten sind nicht kostenlos. Deshalb hoffen sie auf Unternehmen, die sich der guten Sache annehmen und den Verein unterstützen. Hilfe, die direkt ankommt, unmittelbar Gutes tut.

Von der vielen Arbeit, die in jeder Aktion des Vereins steckt, reden sie gar nicht. Hauptsache, sie können etwas bewegen. "Wir wissen, wir krempeln nichts um", sagt Christian Aßmus und kämpft täglich weiter an der Thüringer Lebensart-Front. "Es steckt so viel Potenzial in Thüringen", schwärmt Matthias Kaiser. Gerade hat er, der wieder als Restauranttester unterwegs ist, sein neues Buch fertig. Es erscheint im November und ist dem verstorbenen Wilfried Goosmann gewidmet, der auch Mitglied im Lebensart-Verein war. Matthias Kaiser mag es nicht, wenn Thüringen auf Bratwurst und Klöße, Goethe, Schiller und ein paar Musiker reduziert wird. Thüringen sei da ein wenig träge, und die Politik verstehe es nicht, die Thüringer aus dieser Behäbigkheit zu reißen, behauptet er ein wenig provokativ. Trägheit ist so schön bequem. "Thüringen muss wieder aufgerüttelt werden, braucht ein wenig Schwung", sagt er und sieht den Lebensart-Verein als positiven Unruheverbreiter. Ein wenig wollen sie mit ihrem Wirken auch anderen kleinen Vereinen Mut machen, mehr zu tun. Gemeinsam und fürs Gemeinwesen. Matthias Kaiser nickt: "Genau das ist Thüringer Lebensart!"


Kontakt, weitere Infos

www.verein-thueringer-lebensart.de;
www.der-tester.online


Verein der Thüringer Lebensart


- Er spricht all jene an, die ihr Herz an Thüringen verloren haben.

- Traditionen, Sitten und Gebräuche sollen bewahrt werden.

- Auch ein Anliegen: Menschen für die Region begeistern, die bisher noch wenig davon wissen.

- Besonderen Wert legt der Verein auf das kulinarische Erbe der Thüringer Vorfahren. Diese Traditionen werden in der Bratpfanne modern aufgepeppt.

- Hauptanliegen: Kindern die Tradition der Thüringer Küche zu vermitteln, ihnen einen Weg zu gesunder und traditionsreicher Kost zu ebnen, damit sie den Ansprüchen der heutigen Welt standhalten.
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