Windischholzhausen kurz vor dem Dorffest: Zwei Dorfclub-Generationen im Gespräch

Fritz Händel (links) und Torsten Schlusche.
  Erfurt: Dr.-Müller-Desterro-Straße |

Klang es vor mehr als drei Jahrzehnten noch etwas umständlich (“...das Leben unserer Bürger ... durch geist- und niveauvolle kulturelle Veranstaltungen ... zu verschönern...“), worin die Aufgabe des Dorfclubs von Windischholzhausen besteht, so hat sich das Ansinnen im Grunde bis heute nicht geändert. Es geht um das Miteinander im Dorf, um Traditionen und Heimatgefühl, um Geselligkeit natürlich und darum, dass möglichst viele an einem Strang ziehen. In diesem Jahr begeht der Club seinen 35. Geburtstag.
Der damalige Begründer, langjähriger Vorsitzender und heutiges Ehrenmitglied und Ortschronist Fritz Händel und der aktuelle Vorsitzenden Torsten Schlusche über das Leben auf dem Dorf:

Lebt sich's im Dorf besser als in der Stadt?



Fritz Händel: So ein richtiges Dorf ist das ja hier nicht mehr, die Zeiten sind vorbei. Aber es ist immer noch besser, als in der Stadt zu leben.


Torsten Schlusche: Hier ist das Zusammenleben doch noch anders als in der Stadt.

Auch der Zusammenhalt?



Fritz Händel: Früher war einer für den anderen da. Das ist heute nicht mehr so.


Torsten Schlusche: Hier kennst du aber doch fast jeden, hier hast du deine Nachbarn, bleibst immer mal auf ein Schwätzchen übern Gartenzaun stehen.


Fritz Händel: Ja, es gibt Straßen, wo das alles noch funktioniert. Wahrscheinlich sind wir einfach zu nah an der Stadt, da kann sich so ein echter Dorfcharakter nicht mehr so gut entwickeln.


Torsten Schlusche: Du brauchst eben immer einen, der versucht, etwas zu machen, dann ziehen die anderen mit. Nur so läuft es. Ich würde mich freuen, wenn sich noch mehr Menschen mit ihrem Ort identifizieren, sich mehr zugehörig fühlen. Wir sind für jede Idee und helfende Hand dankbar. Nachwuchs im Dorfclub würde uns guttun.

War früher alles besser?



Fritz Händel: Nicht besser. Anders. So, wie es heute ist, finden es die Jungen in Ordnung, sie kennen es ja nicht anders. Es gab auch früher viele gute Dinge, die hätte man beibehalten können. Damals waren wir nur ein paar Leute im Dorfclub. Wenn große Veranstaltungen waren, haben aber immer viele mit angepackt.


Torsten Schlusche: Jeder sieht das mit dem früher und heute eben anders. Aber das mit dem Anpacken bei unseren Veranstaltungen - Oldienacht im Pfarrgarten, Schützenfest, Schlachtfest, die kleine Kirmes - ist heute noch genauso.

Sollte jedes Dorf so etwas wie einen Dorfclub haben?



Fritz Händel: Menschen, die sich engagieren, tun einem Ort immer gut. Gut ist es auch, wenn es mehrere Vereine gibt, dann ist auch mehr los.


Torsten Schlusche: Es kommt immer auf den Ort und die Gegebenheiten an. Schade, dass wir bei uns keinen Raum für Veranstaltungen haben.

Was können die Alten und die Jungen voneinander lernen?



Fritz Händel: Die Jungen machen es heute genauso gut wie wir damals.


Torsten Schlusche: Wir müssen aber wegen jeder Kleinigkeit eine Genehmigung haben.


Fritz Händel: Ja, alles ist ziemlich bürokratisch. Dafür mussten wir bei allem besser aufpassen. Aber Torsten kennt sich aus, er ist ja schon ein paar Jahre Dorfclub-Chef. Er muss uns Alte nicht mehr fragen.


Torsten Schlusche: Ab und zu kann man ja doch mal fragen. Die Erfahrung der Älteren ist nicht zu verachten.



Zahlen und Fakten:



Im Dorfclub-Gründungsjahr 1980 hatte Windischholzhausen rund 500 Einwohner, heute sind es knapp 1800. Der Dorfclub, der auf Anordnung des Rates des Kreises gegründet wurde, weil sich immer mehr Menschen mit ihrem Dorf und den Traditionen befassten, startete mit acht Mitgliedern. Von denen sind heute noch drei dabei. Aktuell zählt der Club 110 Mitglieder.


Termin:



13. Juni ab 15 Uhr: Dorf- und Schützenfest rund um den Gedenkstein in der Dr.-Müller-Desterro-Straße in Windischholzhausen, ab 19 Uhr Tanz.
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