Antrag/Resolution zum 500. Jahrestag der Reformation: Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse

Wir bitten die EKD zum 500. Jahrestag der Reformation einen zentralen Gedenkgottesdienst während des Evangelischen Kirchentags 2017 in Berlin oder auf einem der "Kirchentage auf dem Weg" durchzuführen,
in dem die theologische Begründung der Hexenprozesse öffentlich widerrufen und die Opfer - Frauen, Männer und Kinder - durch Aufklärung, Wahrnehmung ihrer Schicksale und der liturgischen Bitte um Vergebung rehabilitiert werden.

In vielen Landeskirchen bemühen sich einzelne Arbeitskreise seit Jahrzehnten um die Rehabilitierung der als Hexen verfolgten Menschen. Das Gedenkjahr 2017 ist ein wichtiger Zeitpunkt, diese Anstrengungen zu bündeln und die Rehabilitierung der Opfer auf EKD-Ebene öffentlich zu machen.

Sehr geehrte Damen und Herren des Rates der EKD, liebe Schwestern und Brüder!
Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender Bischof Prof. Dr. Bedford-Strohm!
Sehr geehrte Frau Botschafterin Prof. Dr. Käßmann!

Als Landesbischof haben Sie, Herr Bedford-Strohm, sich 2012 zu den Hexenprozessen geäußert: "Die evangelische Kirche blickt heute mit tiefer Betroffenheit auf die Zeiten zurück, in denen Frauen und Männer bei Hexenprozessen auf qualvolle Weise hingerichtet wurden". "So wichtig Luthers theologische Entdeckungen bis heute für unsere Kirche sind, so wenig dürfen seine Irrtümer verschwiegen werden. Daher begrüße ich die Rehabilitierung von Hexen außerordentlich und fördere diese Initiative."

Als damalige hannoversche Landesbischöfin haben Sie, Frau Käßmann, 2004 das Vatikan-Papier zur Rolle der Frau kritisiert: "Kein Wort von der Hexenverfolgung und der Schuld der Kirche. Kein Wort der Empörung über Vergewaltigung, über Erniedrigung mit biblischer Argumentation." (epd Niedersachsen-Bremen/b2286/03.08.04)

Deswegen bitten wir den Rat der EKD und Sie als Ratsvorsitzender und Sie als Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland dieses Anliegen anlässlich der Gedenkenfeiern "2017 - 500 Jahre Reformation" aufzugreifen.

Als einzige Landeskirchen in Deutschland haben sich 1997 die Synode der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern und 2012 die Lippische Landeskirche zu den Hexenprozessen geäußert. "Wer sich mit der Hexenverfolgung befasst, erschrickt über die Rolle, die die Kirchen, auch die Kirchen der Reformation, gespielt haben. Die Hexenverfolgung geht nicht allein zu Lasten der Kirchen, aber die maßgebliche Beteiligung der Kirchen ist nicht zu leugnen“ (Synode der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern).
Im Mai 2015 hat sich die ev.-luth. Landeskirche Hannovers für eine "soziale Rehabilitation" der in ihrem Bereich (Loccum) als "Hexen" Hingerichteten ausgesprochen.

Beschluss vieler Kommunen zur Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse

Viele Kommunen haben mittlerweile durch einen Beschluss ihres Stadtrates offiziell eine moralische/sozialethische Rehabilitation der wegen angeblicher Hexerei verurteilten Bürgerinnen und Bürger ausgesprochen (siehe Anlage).
So hat der Rat der Lutherstadt Wittenberg am 30. Oktober 2013 einen Beschluss zur sozialethischen Rehabilitation der Opfer der Hexenverfolgung gefasst. Darin heißt es: "Die Lutherstadt Wittenberg und das Reformationsjubiläum im Jahre 2017 sind in aller Munde." "Eine würdige Begehung des Reformationsjubiläums als ein solches von internationaler Bedeutung gebietet demgemäß neben einem kraftvollen und mutigen Schritt in die Zukunft gleichfalls einen kritischen Blick in die eigene Vergangenheit." Deswegen "will sich die Lutherstadt Wittenberg im Rahmen der Lutherdekade und speziell des Themenjahres dieser Schattenseite der Geschichte stellen." "Aus heutiger Sicht wurden die Opfer der Hexenprozesse unrechtmäßig verurteilt und verbrannt. Der Stadtrat der Lutherstadt Wittenberg verurteilt diese Gewalt, die an diesen Bürgerinnen und Bürgern in Wittenberg begangen wurde. Der Stadtrat der Lutherstadt Wittenberg gedenkt der Opfer, rehabilitiert diese sozialethisch und gibt ihnen damit ihre Würde zurück."

Wir bitten die Evangelische Kirche in Deutschland, die historische Chance zu nutzen, zum 500. Jahrestag der Reformation in aller Öffentlichkeit die Unschuld der Opfer der Hexenprozesse im Sinne der Anklage zu erklären und ihre geistliche Verdammung zu widerrufen. Dies ist ein überfälliger Akt im Geist der Versöhnung von Seiten der Kirchen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige