Aphrodite kam für eine Nacht nach Weida. Oder: Die kürzeste Ausstellung der Welt

Künstlerkollege Dieter Weidenbach aus Weimar sitzt vor dem Werk "Transport nach Gallien" von Hans-Peter Müller
Für einen Abend und eine Nacht verwandelte sich Freitagabend die Weidaer Galerie "Castello ermetico"des Vereins "Surrealismus Aktuelle" in den Tempel der Aphrodite. So jedenfalls der Titel der diesjährigen Jahresveranstaltung, zu der Präsident Roland Maier viele Mitglieder, Freunde und Künstler begrüßte.

Alexandra Müller-Jontschewas Tafelbild "Urteil des Paris" bewog Laudator Dr. Klaus Freyer, die griechische Liebesgöttin zur Siegerin der ersten Miss-Wahl in der Weltgeschichte zu erklären. An der Eine-Nacht-Ausstellung beteiligten sich insgesamt sieben Künstler. Hans-Peter Müllers Antikskulpturen weiblicher Torsi und Fabelwesen korrelierten mit den Bildern seiner Kollegen. Dieter Weidenbach aus Weimar präsentierte neben erotischen Totentanz-Zeichnungen einen vielbeachteten Entwurf für eine altägyptische Isis-Aphrodite. Der Wünschendorfer Thomas Schulze zeigte mit einer Scheibletten-Venus eine Holzskulptur. Horst Sakulowskis Handzeichnung "Krankes Spiel" ließ dem Betrachter viel spekulativen Interpretationsspielraum. Zwei großen Holzreliefs von Ilona Schlupeck zeigten, das Inspiration immer von der Frau ausgeht, die den Mann beflügelt. So jedenfalls die inhaltliche Botschaft der Künstlerin. Hubertus Blase aus Greiz beteiligte sich erstmalig mit einem Aquarell und einer Bleistiftzeichnung.

Müller-Jontschewas Arbeiten "Im Tempel der Aphrodite I+II" gaben der Nacht-Ausstellung ihren Titel. Wer aber im Weidaer Heiligtum den Brauch der Tempelprostitution als eine Art antiken Rotlicht-Milieus erwartete, wurden vorerst enttäuscht. Die Laudatio klärte über die Biografie der Aphrodite auf, deren Ursprünge im orientalischen Glauben an eine Muttergöttin liegen. Daran störten sich die alten Griechen aber nicht und erfanden ihre eigene Version: Der Titan Kronos entmannte einst seinen Vater und warf das abgetrennte Glied ins Meer. Dem entstehenden Schaum soll dann Aphrodite entstiegen sein. Abgesehen von diesem Horrorszenario zeigte sich das Schicksal der verführerisch-sinnliche Göttin während ihres unsterblichen mythischen Leben durchaus dem der Menschen nahe. Unzufrieden mit der Gestalt ihres angetrauten Mannes gab sie sich mehreren Geliebten hin: dem kräftigen Kriegsgott Ares, dem schönen Adonis, dem Weingott Dionysos, dem Götterboten Hermes. Die Analogien zum heutigen zwischenmenschlichen Verhalten beherrschten die Gespräche der zahlreichen Besucher bis zum Ende der Veranstaltung im Morgengrauen.


Dr. Klaus Freyer hat ein Buch über das Künstlerehepaar geschrieben:

http://www.meinanzeiger.de/gera/kultur/wie-kommt-d...
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.08.2012 | 19:41  
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