Ausstellung "Jugendstil in Gera" in der Orangerie zum Van-de-Velde-Jahr

Blick in die Ausstellung "Jugendstil in Gera in der Orangerie Gera.
 
Friedrich Klein-Chevalier (1861 Düsseldorf - 1938 Wiesbaden), Meeresbrausen (aus dem Foyer Konzertsaal), um 1913, Öl auf Leinwand, Theater & Philharmonie Thüringen
 
Blick in die Ausstellung "Jugendstil in Gera in der Orangerie Gera.
Gera: Orangerie | Die Kunstsammlung Gera veranstaltet im Rahmen des Van-de-Velde-Jahres 2013 in Thüringen eine Ausstellung zum Thema „Jugendstil in Gera“, die bis 12. Januar 2014 in der Orangerie gezeigt wird. Die Ausstellung widmet sich den Einflüssen des Jugendstils auf Architektur, Plastik, Malerei, Gebrauchsgrafik, Kunsthandwerk, Baugewerbe und Technik in Gera. Sie präsentiert über 140 Kunstgegenstände, Buchgestaltungen, Architekturentwürfe, Objekte, Fotos und Dokumentationen sowie ausgewählte Exponate des Jugendstils, die aus Geraer Besitz und aus einstmals in Gera beheimateten Sammlungen stammen.

„Ich freue mich, dass unsere Kunstsammlung im Van-de-Velde-Jahr auf diese kunsthistorischen Perlen aufmerksam macht und sie einem hoffentlich großen Publikum erschließt. Es ist eine wahrhaft identitätsstiftende Ausstellung, die weit über unsere Stadt hinaus ausstrahlt“, erklärt Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn.

Mit Jugendstil wird eine kunstgeschichtliche Epoche bezeichnet, die sich am Ende des 19. Jahrhunderts herausgebildet und nur einen relativ kurzen Zeitraum von zwei Jahrzehnten umfasst hat. Der Begriff wurde in Deutschland von der 1896 in München erschienenen Zeitschrift „Jugend“ abgeleitet. In nur wenigen Jahren hat sich der Jugendstil zu einem internationalen Phänomen entwickelt, das alle Bereiche von der Architektur, der Kunst bis zur Produktgestaltung alltäglicher Dinge erreicht hat.

Kennzeichnend für den Jugendstil sind geschwungene Linien, flächenhaft formulierte Gewächse, Tiere und florale Ornamente, sowie die Einbeziehung von asymmetrischen Formen, die das äußere Erscheinungsbild prägten oder als dekorative Gestaltungselemente verwendet wurden.

In der Ausstellung werden verschiedene Schwerpunkte behandelt, die unterschiedliche Facetten des Themas aufzeigen. Den Auftakt bildet das von Architekt Heinrich Seeling entworfene und 1902 eröffnete Geraer Theater, dessen Innengestaltung im floralen Jugendstil erfolgte.

Einen weiteren Themenbereich stellt die barocke Kirche St. Salvator dar, die 1717-1720 nach Plänen des sächsischen Landesbaumeisters David Schatz errichtet wurde und deren Innenraum 1903 nach einem Entwurf des Architekten Adolf Marsch eine vollständige Neugestaltung im Jugendstil erfuhr. Auch Kanzel und Altar wurden in Jugendstilformen entworfen, die der Leipziger Bildhauer Franz Schmeißer umgesetzt und geschaffen hat.

Durch eine transparente Jugendstilfassade aus Eisen und Glas mit lichtdurchfluteten Verkaufsräumen war das 1903 vom Geraer Architekten Carl Zaenker errichtete Warenhaus Hermann Tietz geprägt, das in dieser modernen Form ein Stück großstädtisches Pariser Flair in die prosperierende Kleinstadt brachte. Das Gebäude fiel allerdings 1906 den Flammen zum Opfer und wurde 1911/12 umgebaut. Aus dem Geraer Stammhaus des Unternehmens von Hermann Tietz wurde nach Übernahme und den Eröffnungen zahlreicher Filialen in ganz Deutschland der Warenhauskonzern HERTIE.

Zu den Impulsgebern für diese architektonischen Entwicklungen gehörte vor allem Adolf Marsch, der von 1900 bis 1911 als Stadtbaurat in Gera tätig war. Ein Höhepunkt in seinem architektonischen Schaffen bildet die 1910 im Jugendstil erbaute Krematoriumsanlage auf dem Geraer Ostfriedhof, die damals zu den visionärsten Feuerbestattungseinrichtungen und heute zu den bedeutendsten Denkmalen der Sepulkralkultur in Deutschland gehört.

Die Ausstellung widmet sich aber auch dem Buchgewerbe, insbesondere der Buchgestaltung, und beleuchtet damit erstmals einen Aspekt in der Geraer Kulturgeschichte, der bislang nahezu in Vergessenheit geraten war. Um 1900 befand sich in Gera ein überregional ausstrahlendes Zentrum der qualifizierten Ausbildung für Buchbinder, das zuletzt als „Fachschule für Buchbinder zu Gera (Reuß)“ bezeichnet und von Schülern aus ganz Deutschland und aus verschiedenen Ländern besucht wurde.

Die Reaktion auf die moderne Formensprache des Jugendstils ist in jenen Jahren auch im Schaffen zahlreicher bildender Künstler in Gera zu bemerken. Um den tradierten und meist erstarrten Akademismus zu überwinden oder sich dem modernen Stil der Zeit zu widmen, orientierten sich die Künstler an den neuen zeitgenössischen Entwicklungen und thematisierten in ihren Arbeiten das Bewegte, Jugendliche und Erwachende. Die plastischen Darstellungen sind durch fließende oder wellige Linien und die bildkünstlerischen zudem meist durch frische und bisweilen gebrochene Pastelltöne geprägt.

In den gebrauchsgrafischen Entwürfen für Einladungskarten, Urkunden, Werbebroschüren und Buchumschlägen ist auch die Verwendung einer reduzierten geometrischen Ornamentik als Gestaltungselement zu verzeichnen.

Gezeigt werden Werke von Geraer bildenden Künstlern wie Paul Neidhardt (1873-1951), Paul Weiser (1877-1967), Fritz Amann (1878-1969), Otto Oettel (1878-1961), Otto Stephan (1885-1963), Lisa Simcik (1890-1954) sowie Arbeiten aus den Jugend- und Frühwerken von Otto Dix (1891-1969) und Kurt Günther (1893-1955).

Das Ausstellungsprojekt hätte ohne die Unterstützung öffentlicher und privater Förderer nicht realisiert werden können. Zu ihnen gehören das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung.

Als Hauptförderer des Van-de-Velde-Jahres 2013 unterstützt die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen 13 Ausstellungen und zahlreiche Veranstaltungen in Apolda, Bürgel, Erfurt, Gera, Jena und Weimar. Getragen wird das Engagement von der Sparkasse Mittelthüringen, der Sparkasse Jena-Saale-Holzland, der Sparkasse Gera-Greiz sowie der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Die Sparkassen-Finanzgruppe wird damit auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihrem Anspruch als größter nichtstaatlicher Kulturförderer gerecht.

Dieses Ausstellungsprojekt konzentriert sich auf einen regionalen kunst- und kulturhistorischen Forschungsbereich, der eine Seite der musealen Arbeit der Kunstsammlung Gera darstellt.

Die Exponate für diese Ausstellung stammen aus den Sammlungsbeständen der Geraer Museen sowie aus dem Stadtarchiv Gera, dem Bauarchiv Gera, der Unteren Denkmalschutzbehörde Gera, von Theater & Philharmonie Thüringen und von zahlreichen privaten Leihgebern aus Gera, Weimar und Berlin.

Die Exposition in der Kunstsammlung Gera ist bis zum 12. Januar 2014 zu sehen. Sie wird begleitet von verschiedenen Sonderveranstaltungen.

Ausstellungsort: Kunstsammlung Gera - Orangerie, Orangerieplatz 1, 07548 Gera
Kurator: Holger Peter Saupe
Kontakt: Telefon (0365) 8384250, Telefax (0365) 8384255, E-Mail: kunstsammlung@gera.de, www.gera.de
Öffnungszeiten: Di bis So und an Feiertagen 11 – 18 Uhr


Weitere Informationen zur Ausstellung, insbesondere der Vergoldeschule, sind hier zu finden:

http://www.meinanzeiger.de/gera/ratgeber/goldene-z...


Wer selbst kleinste Details in der Salvatorkirche Gera entdecken möchte, kann diesen Link anklicken:

http://www.gigapan.com/gigapans/141331

Hier kann man innerhalb eines 360-Grad-Panoramafotos nach Lust und Laune navigieren und hinein zoomen.


Ebenso ist es möglich, selbst den kleinsten Pinselstrich von Friedrich Klein-Chevaliers "Meeresbrausen" zu studieren:

http://www.gigapan.com/gigapans/143256

Zweite derzeit im Nordflügel zu sehende Ausstellung: Veduten und Bauwerke. Begegnungen in der Sammlung

http://www.meinanzeiger.de/gera/kultur/veduten-und...
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12 Kommentare
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Steffen Weiß aus Gera | 25.10.2013 | 11:02  
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.10.2013 | 16:36  
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Steffen Weiß aus Gera | 06.11.2013 | 13:42  
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Steffen Weiß aus Gera | 06.11.2013 | 14:09  
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Steffen Weiß aus Gera | 15.01.2014 | 08:16  
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