BEGINEN - Schwestern im freien Geist

  Amsterdam, eine bunte, quirlige Metropole. Man taucht ein in eine interkulturelle Welt voller Menschen, Farben, Klänge…und dann biegt man einfach ab. Mitten im Herzen der Stadt, am Nieuwezijds Voorburgwal 373, kann man eine Oase der Stille und geistlichen Ruhe entdecken. Wir betreten den Begijnhof.
Der „Begijnhof“ ist einer der sonderbarsten Orte von ganz Amsterdam; und an sonderbaren Orten mangelt es in dieser Stadt nun wahrlich nicht. Es ist ein Hof, der auf circa 1300 zurückdatiert wird, mit typischen Häusern im Amsterdamer Stil. Die Geschichte des Amsterdamer Beginenhofs ist faszinierend und umfasst viele historische Ereignisse, sogar von Wundern ist die Rede. Man kann hier die ernste, tiefe Spiritualität der Beghinen nachempfinden, ihren Mut zur schlichten Schönheit, die Spuren ihres handwerklichen und sozialen Engagements.
Es waren sympathische, selbstbewusste, religiös aktive Frauen, die sich einst zu Beginengemeinschaften zusammengeschlossen hatten. Dennoch – oder auch gerade deshalb – wurden sie von weltlichen wie kirchlichen Aufsichtsbehörden misstrauisch überwacht, oft reglementiert, der Ketzerei beschuldigt und zuweilen gar verfolgt.
Bereits bei Mechthild von Magdeburg begegnen wir dieser faszinierenden mittelalterlichen Frauengemeinschaft, und Marguerite Porete war eine der prominentesten Märtyrerinnen dieser weiblichen Bewegung.
Es gab auch Begarden, also ein männliches Pendent zu den Beginengemeinschaften. Doch gerade für Frauen, die nach maximaler Unabhängigkeit von männlicher Bevormundung strebten, waren alternative Formen geistlicher Gemeinschaft attraktiv. Dies verlieh ja in jener Zeit dieser religiösen Bewegung ihre immanente soziale Sprengkraft.
Zu dieser interessanten, oft verkannten und bis heute aktuellen spirituellen Gemeinschaft kann man folgendes im Internet finden:

Als Beginen bezeichneten sich geistliche Lebensgemeinschaften, in denen sich Frauen zusammenschlossen, um bewusst und konsequent ein Dasein in der Nachfolge Christi zu führen. Der Unterschied zu den Ordensgemeinschaften der Nonnen bestand vor allem darin, dass Beginen nur zeitlich gültige Gelübde ablegten, sich selbstständig ohne Kontrolle des Klerus verwalteten und nicht hinter Klostermauern, sondern mitten in der Welt agierten. Es war im Gegensatz zum Ordensgelübde den Beginen durchaus möglich, frei aus der Gemeinschaft wieder auszutreten, zu heiraten und einen normalen bürgerlichen Lebenslauf aufzunehmen. Im 12. Jahrhundert, einer Epoche gravierender theologischer Konflikte zwischen Amtskirche, den Armutsbewegungen und häretischen Katharer, entstanden – nicht zufällig in der offeneren Atmosphäre der Niederlanden – erste Beginengemeinschaften. Über Belgien, Deutschland, Frankreich hin nach Italien und die Schweiz breitete sich diese Glaubensgemeinschaft weiter aus. Beginen siedelten sich in sog. Beginenhäusern bzw. Beginenhöfen in Städten an und lebten dort u.a. von Handarbeit, sozialer Tätigkeit wie z.B. Krankenpflege, Seelsorge und pädagogischen Aufgaben. Auch unbeliebte Tätigkeiten wie die Herrichtung und Aufbahrung von Leichen wurden unternommen. Innerhalb der Beginengemeinschaften wurde der Besitz nach urchristlichem Vorbild geteilt, auf persönliche Habe wurde weitgehend verzichtet. Aus der eigenen Mitte wurde jeweils für ein Jahr eine Leiterin gewählt. Ein entscheidender Teil des Alltages wurde mit Gebet, Meditation, theologischer Reflexion gestaltet. Durch ihre konsequente und quasidemokratische Lebensweise gerieten Beginen schnell in Opposition m herrschenden Klerus, dem zu Recht Eitelkeit, Herrschsucht und Gewinnstreben vorgeworfen wurde.
Eine erste, grausame Verfolgungswelle mit unzähligen Todesurteilen brach im Jahr 1307 in Toulouse über Beginen und Begarden herein. Der berüchtigte Inquisitor Kerlinger, ein fanatischer Dominikaner aus Erfurt, wütete mit blindem Eifer gegen die harmlosen Frauen und Männer, deren Bestreben es doch allein war, Christus nachzueifern. Kerlinger vertrieb die Beginen erfolgreich aus Eisenach, Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen, ebenso bekämpfte er diese in Magdeburg, Bremen, Sachsen und Hessen. Es gab jedoch auch einsichtige Päpste, die sich um den Schutz dieser Menschen sorgten. Als Notausgang wurde den Beginen angeboten, sich unter die Obhut des dritten Ordens der Franziskaner zu stellen. Dies ist ein weltlicher Zweig dieser Armutsbewegung, meist betraut mit caritativen Aufgaben.
Von der UNESCO wurden mehrere Beginenhöfe in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Beginen fand in unseren Tagen neues Interesse, insbesondere bei Feministinnen und Aktiven der Frauenrechtsbewegung. Doch auch deren Lebensform erscheint in einer egozentrisch strukturierten Gesellschaft als bleibende Provokation. Die oft mystisch geprägte Gottessuche der Beginen schenkt unserem Zeitalter, dass zwischen kalter Rationalität einerseits und fundamentalistischen religiösen Fanatismus zerreißen wird, kostbarste spirituelle Impulse.
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