Biergottesdienst Gera: Geschichten rund ums Braugetränk

  Gera: Evangelisches Gemeindehaus Talstraße 30 | Unser Gott,
du Schöpfer des Himmels und der Erde,
in der Kraft der Pflanzen hast du große Geheimnisse verborgen,
die wir mit deiner Hilfe entdecken und nutzen können.
Auch die Braukunst ist deine Gabe.
Das Bier kann uns Lebensfreude spenden,
Gemeinschaft und Geselligkeit.
Hab‘ Dank für dieses Wunder.
Hilf uns, in Würde damit umzugehen.
Amen


Liebe Gemeinde, beim Propheten Jesaja heißt es: „Weh denen, die schon am Morgen hinter dem Bier her sind.“ Doch ob am Morgen oder am Abend: Hinter dem Bier war der Mensch schon immer her. Alle Hochkulturen – vor allem im Orient – kannten und schätzten das Bier. Schließlich wurde es dort entdeckt – erfunden wäre zu viel gesagt. Vermutlich ist irgendwann vor tausenden von Jahren jemanden ein Fladenbrot in einen Wasserkrug gefallen und dort wurde es vergessen. Das Gemisch vergor und fertig war das erste – nun ja – Bier. Auch wenn es wahrscheinlich geschmacklich weit entfernt von unseren Bieren war: Mit diesem häuslichen Missgeschick war das Bier in der Welt.
Und damit war ein Getränk weltgeschichtlichen Ausmaßes in der Welt. Bier und Fladenbrot waren Grundnahrungsmittel bei den Sumerern, Babyloniern und Ägyptern. Die Sklaven, die die Pyramiden bauten, tranken täglich vier Liter Bier. Das war gesünder als das Nilwasser, sicher aber auch die Ursache für den ein oder anderen Arbeitsunfall. Griechisch Historiker berichten aber, dass die Arbeiter durch das Bier lustig wurden, sangen und tanzten. Gewerkschaftlich sicher nicht unumstritten.
Der babylonische König Hammurabi erließ gar ein Gesetz, wonach Frauen, die schlechtes Bier servieren, ertränkt werden sollen. Sie sehen: Das Bier ist der geheime Treibstoff der Weltgeschichte. Ohne Bier, keine Pyramiden, ohne Bier keine Weltreiche. Es ist überliefert, dass im 19. Jahrhundert bayrische Mütter sieben Gläser Bier pro Tag tranken. Nur so wären sie in der Lage, ordentlich zu stillen. Ob und inwiefern dies als Erklärung manch einer bayrischen Besonderheit dienen kann, dass sei Ihrer Einschätzung überlassen.
Die englische Königin Victoria hingegen war sich der politischen Dimension des Bieres durchaus bewusst. Sie hat gesagt: „Gebt meinen Leuten reichlich Bier, gutes Bier, und billiges Bier, und es wird unter ihnen keine Revolution geben.“
Aber nicht nur die Weltgeschichte, auch die Religion kann eigentlich gar nicht ohne Bier. Da sind – natürlich – zuerst die Mönche und Nonnen. Ganz recht, auch die Nonnen beschäftigten sich mit dem Bier. So war es eine Äbtissin, die sich zuerst wissenschaftlich mit der Braukunst auseinandergesetzt hat: Hildegard von Bingen. Sie gab den Ratschlag: „Cerevisiam bibat! Trinkt Bier!“ Und wer mag ihr, der in Gesundheitsdingen so kundigen Frau, da widersprechen?
Eine der bekanntesten Brauerinnen unseres Landes war wieder eine Nonne: Katharina von Bora, die Ehefrau eines gewissen Martin Luthers. Wenn Luther dienstlich unterwegs war, dann schrieb er öfter seiner Frau, dass sie ihm doch bitte eine Flasche ihres Bieres schicken sollte. Sollte sie zögern, dann drohte er, erst zu kommen, wenn er seine Flasche bekommen hat. Ob sie sich dann extra viel Zeit gelassen hat, ist leider nicht überliefert.
Die Reihe ließ sich fortsetzen. Bei den Sumerern musste das Volk ihre Religionssteuer in Form von Bier bezahlen. Ob dies auch bei uns ein zukunftsfähiges Modell der Kirchenfinanzierung wäre, sei dahingestellt.
Doch auch fernab des Orient war das Bier hoch geschätzt. Nicht so sehr von Griechen und Römern, die eher dem Wein zugetan waren. Kaiser Julian soll gesagt haben: „Wein duftet nach Nektar, Bier aber stinkt nach Bock.“ Aber bei den Germanen war das Bier sehr angesehen. Von ihnen schrieben römische Zeitgenossen: „Die German ertragen Hunger und Kälte. Was sie nicht ertragen ist der Durst.“ Der Durst nach Bier, wohlgemerkt. Und ein anderer antiker Historiker bemerkt, dass bei einigen Germanen einmal eine Hungersnot ausgebrochen sei, weil sie alles Getreide zum Brauen verwendet haben. Und auch bei den Finnen sind die Prioritäten klar abgesteckt: In deren Nationalepos, der Kalevala, nimmt die Erschaffung der Welt 200 Verse ein. Für die wirklich wichtigen Dinge, die Erfindung des Bieres nämlich, ist im Epos aber 400 Verse Platz.
Die Mönche, die unsere Mittel- und Nordeuropa christianisierten, übernahmen das Bierbrauen. Es war das Getränk der Fastenzeit. Außerhalb der Klostermauern aber war das Bierbrauen lange Zeit die Angelegenheit der Frauen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein gehörte der Braukessel zur Mitgift. Hätte ich das vor meiner Hochzeit schon gewusst, ich wäre in die Vorverhandlungen vielleicht anders gegangen.
Wie dem auch sei. Die Geschichte des Bieres ist eine faszinierende Geschichte. Und vielleicht hat Benjamin Franklin nicht ganz unrecht, wenn er sagt: „Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.“

Biblische Lesung
Gib dein Geld für das, was euer Herz begehrt: Rinder, Schafe und Ziegen, Wein und Bier und was ihr wollt, und genießt alles mit euren Familien in Gegenwart des HERRN, eures Gottes, und seid fröhlich dabei. (Deuteronomium 14, 26)
Nachkommenschaft und Städtebau geben dem Namen Bestand, / doch mehr als beide, Weisheit zu finden. Viehzucht und Ackerbau lassen den Leib gedeihen, / doch mehr als beide eine treue Frau. Wein und Bier erfreuen das Herz, / doch mehr als beide die Freundesliebe. (Sirach 40)
Soll ich etwa den Mantel nach dem Wind hängen, soll ich lügen, dass sich die Balken biegen, soll ich prophezeien, dass es Wein und Bier in Strömen regnet? Das wäre ein Prophet* nach dem Geschmack dieses Volkes! (Micha 4)
'Kommt und trinkt, vergesst die Sorgen! Auf, schafft Bier und Wein ins Haus! Schwingt die Becher heut und morgen, gießt sie voll und trinkt sie aus! (Jesaja 56)
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