Biergottesdienst in Gera: Die Predigt

Hopfen & Malz...
Gera: Evangelisches Gemeindehaus Talstraße 30 | Als Jesus durch Israel pilgerte und von Gottes großen Wundern den Menschen erzählte, da hat er das Geheimnis des Glaubens anschaulich und verständlich beschrieben. Er nahm Dinge des Alltaglebens auf – wie die Saat auf dem Acker, die Vögel auf dem Feld, den Hirten mit seiner Herde -, Dinge die den Menschen vertraut und lieb waren, um seine Botschaft zu verbreiten. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ auch so sagte Jesus einmal.

Wenn Jesus nach Gera kommen würde, siehe, da findet er Viele, die vom Glauben nicht viel wissen. Wie soll er ihnen dieses Wunder verständlich machen? Hier, in Gera?
Jesus würde sich umschauen und entdecken, dass die Leute von Gera das Bier sehr mögen. Hier gibt es die Höhler, wo einst das Braugetränk kühl gelagert wurde. Hier gibt es die Tradition der Bierstange und reichlich Schenken, in denen die Menschen zusammenkommen, um miteinander Bier zu trinken. Die Brauerei in Bad Köstritz, deren Marke weltweit bekannt ist, befindet sich nur einen Katzensprung entfernt…
Und so würde sich Jesus unter die Menge in einen Biergarten mischen oder sich zu den Gästen in der Manufactur setzen, seine Stimme erheben und sagen: „Seht, ihr Leute von Gera, ich möchte euch kundtun, was das mit dem Glauben ist! Ihr fragt – wie können wir uns das vorstellen, mit dem unsichtbaren Gott verbunden zu sein? Ich sage euch: mit dem Glauben ist es wie mit einem frisch gezapften Glas Bier!“

So, nun sei mir an dieser Stelle ein kurzer Einschub gewährt. Anlass für diesen Bier-Gottesdienst ist besagtes Jubiläum „500 Jahre Reinheitsgebot“. Nach diesem gehört zu einem Bier allein: Malz, Hopfen, Wasser, Hefe und Alkohol.
Nun zurück zu Jesus in der Bierschenke:
Und Jesus sprach:
„Ich sage euch: mit dem Glauben ist es wie mit einem frisch gezapften Glas Bier!

Das Malz, das dem Bier Geschmack und eigene Stärke verleiht, wird aus Getreide gewonnen. Das korn wächst aus dem Acker und ist fest mit der Kraft der Erde und mit der Arbeit des Menschen verbunden. Im Alltag gibt es als Brot oder in flüssiger Form als Bier diese Kraft der Erde an die Menschen weiter.
So auch der Glaube: ein wahrer Glaube existiert nicht abgehoben vom Irdischen, sondern verwurzelt den Menschen im Hier & Jetzt, verbindet ihn mit Alltag, Arbeit und Erde. Gleichzeitig gibt der Glaube den Menschen Stärke und Kraft, um sein Leben, um seinen Alltag hier auf Erden gut bewältigen zu können.
Der Hopfen spendet dem Bier Würze und Wirkung. Er gibt dem Getränk die Fähigkeit, Ruhe und Entspannung zu schenken. Bei einem Glas Bier kann der Feierabend eingeläutet werden. Der Stress verliert seine Lästigkeit. Die emsigen Aktivitäten dürfen nun Pause machen. Wer innerlich aufgeregt ist, dem hilft der Hopfen zu Ausgleich und Entlastung.
So auch der Glaube: die Mühsal des Tages, alles Erreichte und Misslungene, können wir in Gottes Hand legen. Im Gebet finden wir Ruhe, Ausgleich und Entspannung. Sorgen und Ängste dürfen wir loslassen und inneren Frieden erfahren.
Das Wasser ist Labsal und Erfrischung. Es löscht unseren Durst. Wer an einem heißen Sommerabend so ein leckeres kühles Bier wegzischt, der wird verstehen, was ich meine.
So auch der Glaube: unsere Seele verspürt ebenso Durst – Durst nach Geborgenheit und Hoffnung, Durst nach Freude und Leben. Diesen Durst vermag der Glaube zu stillen. Ich will euch geben von den Wassern des Lebens umsonst. Ich schenke euch sozusagen spirituelles Freibier ein. Trinken davon müsst ihr allerdings schon selbst.
Hefe bewirkt die alchemistische Verwandlung der Zutaten. Durch die alkoholische Gärung entsteht das Wunder des Bieres. Unscheinbar zwar, hat die Hefe die Macht, aus Vorgefundenem etwas ganz Neues zu machen.
So auch der Glaube: mag er noch so klein und unscheinbar sein, etwa wie ein Senfkorn, so hat er dennoch die große Macht, das Leben zu verändern. Aus dem, was wir zu Gott bringen – aus all unseren Fähigkeiten und Talenten, aus unseren Grenzen und Zweifeln, aus unseren Niederlagen, sogar aus unserer Schuld – kann der Glaube etwas Neues entstehen lassen. Der Glaube kann, der Hefe gleich, unsere Seele alchemistisch verwandeln: aus einem ewig unzufriedenen, neidischen oder traurigen Herzen vermag er ein dankbares, getröstetes, liebevolles und frohes Herz zu machen. Oft ist dieses Wunder für unsere Augen verborgen, aber wir können es schmecken, spüren mit unserem ganzen menschlichem Wesen.
Alkohol verändert unsere Wahrnehmung. Wir sehen, hören, fühlen unsere Welt anders als sonst. Eine gewisse Leichtigkeit stellt sich ein, eine angenehme Distanz zur Rationalität. Das Zeitempfinden verschiebt sich. Wir treten sozusagen etwas aus uns heraus. Extase wird das genannt. Alkohol markiert einen außernormalen Zustand unseres Bewusstseins.
So auch der Glaube: auch er kann uns helfen, uns für außergewöhnliche Erfahrungen und Wahrnehmungen zu öffnen. Wir können Dinge erkennen, die uns sonst verborgen bleiben. Unser Bewusstsein für spirituelle Geheimnisse geschärft. Extase ist ein wesentlicher Teil jeder Religion.“
Jesus hielt einen Moment inne, dann fügte er hinzu:
„Leute von Gera, euch sei aber auch eine Warnung mitgegeben! Mit dem Bier solltet ihr verantwortungsbewusst umgehen. Auf das richtige Maß kommt es an. Ein Zuviel kann die positiven Seiten ins Gegenteil verkehren. Statt innerer Ruhe kommt Aggressivität ans Licht, statt freier Lebensfreude wird zerstörerische Abhängigkeit ausgelöst.
So auch der Glaube: wird er ins Übermaß getrieben, so treten Überheblichkeit, Unduldsamkeit und Intoleranz auf den Plan. Gewalt in Wort und Tat folgen dieser Deformation. Dann ist da keine Freiheit des Glaubens mehr, sondern wir finden uns in einem Kerker aus Enge, Angst und Fanatismus wieder.
Und Jesus beendete seine Rede:
„Bedenkt dies, ihr Leute von Gera, und behaltet meine Worte gut!“ Und so wie er aufgetaucht war, würde er wieder in der Menge entschwinden.

Einige der Anwesenden würden seinen Worten Glauben schenken. Andere wiederum schüttelten zweifelnd ihre Köpfe. Wieder Andere würden seine Rede wegwischen, wie den Schaum von den Lippen.
Nicht Wenige jedoch würden von nun an immer, wenn sie ein Glas voll Bier in den Händen halten, das Gebräu mit anderen Augen anschauen und staunen, welch Wunder Gott in den alltäglichen Dingen verborgen hat.

Amen
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1 Kommentar
13.091
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 28.10.2016 | 14:25  
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