Club der toten Dichter & Dirk Starmstaedter zu den Geraer Songtagen im Clubzentrum Comma

  Der schöngeistige Teil der Songtage hat begonnen. Das Publikum im Clubzentrum Comma wusste es zu würdigen.

"So haben sie Schiller noch nicht gehört!“ Dieser Satz von einem Kollegen, ließ einem Journalisten keine Ruhe. Er rief Reinhardt Repke, den Gründer und Komponisten des Clubs der toten Dichter, an. „Sie haben sich doch nicht etwa an „Freude schöner Götterfunken“ vergriffen?“ „Doch…, hab ich“, antwortete Repke. Kurzes Schweigen am anderen Ende der Leitung. „Na dann viel Glück!“

Ist Repke naiv, frech, arglos? Er selbst beschreibt seinen Umgang mit den Dichtern als kindlich. Monatelang liest er, Zeilen springen ihn an, berühren ihn. Er streicht sie an, malt Symbole neben die Gedichte, ohne sich mit kulturgeschichtlichen und biografischen Zusammenhängen zu belasten. So sucht Repke den Augenblick der ersten Berührung und die ihm innewohnende Leichtigkeit.

Diese Leichtigkeit ist auch bei Dirk Darmstaedter (Jeremy Days) spürbar, dem neuen Gastsänger des Clubs, über den die New York Times schreibt, “One of Germany’s underground pop heroes.”

Stark geprägt durch eine Jugend in Amerika und die Rückkehr „in ein graues Deutschland“, sind Schiller und andere deutsche Dichter für ihn Neuland, das er mit großer Neugier betritt und singt: „Harmonien hör’ ich klingen, Töne süßer Himmelsruh, und die leichten Winde bringen mir der Düfte Balsam zu.“ Oder in Schillers Gedicht ‚Begegnung’: „Doch schnell, als hätten Flügel mich getragen, ergriff es mich, die Saiten anzuschlagen“.

Darmstaedter tut das mit der Freude eines Entdeckers und hat sich sogleich in den Rebell aus Arkadien verliebt. Den Flüchtling, der heimlich der Premiere seiner ‚Räuber’ in Mannheim beiwohnt, der zwölf Stunden am Tag schreibt und dabei Unmengen Kaffee und Tabak konsumiert. Den Dichter, der den Geruch faulender Äpfel zum Schreiben braucht, wie Schillers Frau Charlotte Goethe erzählte.

Schiller ist nach Heinrich Heine, Wilhelm Busch und Rainer-Maria Rilke nun schon die vierte Veröffentlichung des Clubs. Neben Dirk Darmstaedter und Reinhardt Repke, der wie immer einige seiner Songs selber singt und Gitarre spielt, gehören Schlagzeuger Tim Lorenz, Bassist Markus Runzheimer und Andreas Sperling an den Tasteninstrumenten fest zum Club der toten Dichter. Alles wunderbare Musiker, die mit ihrem warmen, ungeheuer gefühlvollen Spiel schon die Rilke-Neuvertonungen veredelten.

„Das Liebesbündnis schöner Seelen“, um es mit Schillers Worten zu sagen, „knüpft oft der erste Augenblick. Wenn andre eh’ sie Freunde wählen, was sich dabei gewinnt, erst emsig überzählen. Verbindet jene schon ein Wort, verbindet jene ein stiller Blick. Gleich Spiegeln strahlet eins der andern Blick zurück.“

So klingt diese CD, so klingt der Club der toten Dichter, so klingt Schiller heute.
Da ist es nur folgerichtig dem Programm den Titel ‚Freude schöner Götterfunken’ zu geben, denn: „Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur“.

Reinhard Repkes Club der toten Dichter war bereits 2010 mit „Eines Wunders Melodie – Rainer Maria Rilke neu vertont“ mit Katharina Franck zu Gast bei den Songtagen in Gera. Mit dem neuen Programm und Dirk Darmstaedter am Gesang konnten die Veranstalter der Songtage nicht anders, als den Club der toten Dichter erneut einzuladen.


Weiter geht es im Programm der 6. Geraer Songtage mit dem Poetry Slam am 11. Mai, 20 Uhr, im Clubzentrum Comma.

Alles über die Songtage ist hier zu erfahren:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/songtage.ht...
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 11.05.2013 | 02:06  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 11.05.2013 | 10:51  
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