Das Reich Gottes ist ein Fest oder es findet nicht statt

Hochzeit zu Kana gemeinde Frankenthal/Gera
Diese Geschichte von Jesus ist provokativ; dem habe ich mich verpflichtet gefühlt.

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Da sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du ein Essen gibst, so lade Arme, Krüppel. Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten. Jesus sagte weiterhin zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. Als das Fest beginnen sollte schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit!
Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist noch Platz. Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird mein Festmahl schmecken!.

„Die Revolution ist ein Fest, oder sie findet nicht statt“ – das war ein markanter Spruch der Pariser Studenten 1968, die mit ihren Aktionen und Ideen die starren gesellschaftlichen Verhältnisse zum Tanzen bringen wollten. Es ging ihnen nicht um Macht, Erfolg oder Ansehen. Sie wollten das Leben feiern, die Freiheit, die Lust aneinander, gegen eine Welt, die aus Anpassungsdruck, Leistung und ökonomischen Zwängen besteht.
Dieses Fest sollte die Menschen zueinander bringen und ganz bewusst auch all die einladen, die im Schatten stehen, die als Verlierer gelten, die im Alltag sonst ausgeschlossen waren. Die VIP´s. die wichtigen und Angesehenen, die das Sagen hatten, sahen verständnislos auf dieses anarchische Treiben. „Ich bin sicher“, sagt Jesus „ dass diesen das Festmahl nicht schmecken wird.“
Damals 1968 waren nicht nur in Paris sondern auch in Prag die Menschen auf Straßen und Plätzen, um das Leben und die Freiheit zu feiern. Dann kam die Polizei. Sie machte dem Treiben ein Ende und hat die Feiernden festgenommen; hat ihnen das Fest genommen.

„Die Revolution ist ein Fest, oder sie findet nicht statt“ – für mich passt dieser Spruch zu der Geschichte, die Jesus vom Festmahl, den Absagen und den Gästen, die dann tatsächlich kamen, erzählt hat. In Abwandlung des Slogans der Studenten möchte ich sagen „Das Reich Gottes ist ein Fest, oder es findet nicht statt!“ Auch Jesus ist gekommen, nicht um brav mit dem Strom zu schwimmen, sondern auch er will Menschen, unsere Welt unsere Verhältnisse zum Tanzen bringen. Gegen allen Anpassungsdruck, gegen Leistungswahn und ökonomische Zwänge dürfen, sollen wir das Leben, die Freiheit, die Lust aneinander feiern.
Das Reich Gottes ist ein Fest, deswegen hat Jesus in Kana aus Wasser Wein gemacht, deshalb hat er oft und gern vom großen Mahl erzählt, deswegen hat er Brot und Wein geteilt und uns das Abendmahl geschenkt.
Das Reich Gottes ist ein Fest – oft, viel zu oft hat die Kirche diese wunderbare Botschaft vergessen, verleugnet. Aus der Frohbotschaft wurde eine Drohbotschaft. Lebensfreude und Lust wurden verteufelt, verbissene Mienen statt befreiendes Lachen füllten die Gotteshäuser. Ungerechte Verhältnisse wurden unterstützt, statt sie außer Gleichgewicht zu bringen. Eingeladen waren dann auf einmal doch wieder die Wichtigen und Einflussreichen, und Kirche sorgte mit dafür, dass Menschen im Schatten und im Regen stehen gelassen wurden.
Und doch – immer und zu allen Zeiten gab es die, welche die Kirche neu mit Lebendigkeit anstecken wollten. Christen, die unangepasst und ohne Zwänge ihren Glauben lebten, die hin zu den Ausgeschlossenen gingen und sie zur Liebe Gottes einluden. Christen die auch starre kirchliche Verhältnisse zum Tanzen bringen wollten. Sie feierten Gott und mit Gott zusammen das Leben und die Freiheit. Und sie luden alle, die sich Leben und Freiheit sehnten, dazu ein, mit zu feiern.
So gesehen ist diese Geschichte Jesu ziemlich provokativ. Sie kritisiert die politischen Realitäten, die kirchlichen Zustände, die menschlichen Verhältnisse. Doch gleichzeitig ist sie voller Lebendigkeit, Hoffnung und Humor.
Vor allem ist sie eins: eine bleibende Einladung an uns alle, eine Einladung zu Gottes Fest, das Leben und die Freiheit zu feiern.
Als Kirche müssen wir uns fragen, ob wir glaubwürdig diese Einladung in die Welt tragen. Das ist das Eine. Das Andere ist: Wer sind heute die Menschen an den Hecken und Zäunen, die wir bewußt in diese Einladung einbeziehen sollen bzw. für gerade die diese Einladung gelten soll?
Ohne Zweifel gibt es in unseren Tagen viele Nicht-VIP, Menschen, die im Schatten und im Regen stehen, Ausgeschlossene und Verlierer. Es sind nicht nur Flüchtlinge, die bei uns – manchmal auch im Kirchenasyl – Zuflucht suchen.
Es sind nicht nur Menschen, die jeden Abend rechnen, ob sie am nächsten Tag finanziell über die Runden kommen.
Es sind nicht nur all die, die ohne Obdach und Heimat, die auf den Straßen leben.
Es sind nicht nur Menschen anderer Religionen, die auf Augenhöhe mit uns ihren Glauben teilen wollen.
Es sind nicht nur die, welche die Balance verlieren und abgestürzt sind.
Es sind nicht nur die, die unter Depressionen, Ängsten, Psychosen leiden und den Zugang zu anderen Menschen verloren haben.
Es sind nicht nur die Strafgefangenen, die nach Haftentlassung mehr Fragen als Antworten für ihr Dasein haben.
Es sind nicht nur Liebende, um eine aktuelle Diskussion aufzugreifen, die einen Menschen gleichen Geschlechts in ihr Herz geschlossen haben.
Es sind nicht nur Drogengebraucher, auf die statt Respekt und Beistand der Staatsanwalt wartet.
Es sind nicht nur die, die mir jetzt gar nicht mehr einfallen, die Sie aber vielleicht im Blick haben, oder die hier Unbenannten, die dazugehören - dazugehören zu unserer Welt, zu unserem Leben, zu dem Fest, bei dem Gott unser Gastgeber ist.
Haben all diese Menschen Platz in der Kirche‘?
Und vor allem – haben all diese Menschen Platz in unserem Herzen? Geben wir ihnen einen würdigen Platz in unserem Leben?
Ich sagte ja, die Geschichte, die Jesus erzählt, ist ziemlich provokativ. Diese Geschichte stellt uns Fragen.
Vor allem aber erzählt diese Geschichte von der grenzenlosen Liebe Gottes. Machen wir uns klar: All die oben benannten Menschen sind ausdrücklich zum Fest des Lebens, zum Fest der Freiheit eingeladen. All diesen gilt das Reich Gottes.
Diese Geschichte vom Festmahl, sie ist voll Lebendigkeit, Hoffnung und Humor.
Das Reich Gottes ist ein Fest:
Und auch wir, wir alle sind dazu eingeladen. Und die Anderen, die von den Hecken und Zäunen, auch. Und wir, wir können heute schon anfangen, miteinander zu feiern.
Amen
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