Die Frauen von Troja – Premiere in Gera am Freitag wird begleitet von Theatergottesdienst in der Salvatorkirche

Die Frauen klagen an - Szene aus der internationalen Produktion "Die Frauen von Troja" am Theater Gera-Altenburg
 
Wut und Verzweiflung - Szene aus der internationalen Produktion "Die Frauen von Troja" am Theater Gera-Altenburg
Gera: Theater | "Grausam ist der Krieg, Grausam sind die Folgen", dieses Zitat aus der aktuellen Inszenierung "Die Frauen von Troja" ist für Schauspieldirektor Bernhard Stengele die Kernaussage der antiken Tragödie von Euripides. Am kommenden Freitag hat das internationale Gemeinschaftsprojekt an den Bühnen der Stadt Gera Premiere. "Die Frauen von Troja" ist eine internationale Kooperation von Theater&Philharmonie Thüringen mit dem Tiyatro Medresesi Şirince (Türkei) und dem Samos Young Artists Festival (Griechenland), gefördert von der Kulturstiftung des Bundes. Neben Gera und Altenburg wird die Inszenierung in der Türkei und auf Samos (Griechenland) gezeigt.
Eine blutverschmierte Folienlandschaft und eine völlig neue Sichtweise auf den Theaterraum erwarten die Besucher, die mit Blick in den Theatersaal während der Aufführung auf der Bühne sitzen werden. Chefdramaturg Felix Eckerle und Bühnenbildnerin Marianne Hollenstein haben eine schockierende Kulisse geschaffen, die mit dem Inhalt des Stückes korrespondiert.
Schauspieldirektor Bernhard Stengele bringt reiche Erfahrungen bei der Umsetzung antiken Materials aus seiner Wirkungszeit in Würzburg mit und kann auf eine gute Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ulrich Sinn aufbauen. Prof. Sinn ist Altphilologe und hatte über zehn Jahre einen Lehrstuhl für klassische Archäologie an der Universität Würzburg inne. Für das Theater hat Sinn einen antiken Zyklus des Euripides ausgewählt, "Die Troerinnen" übersetzt und ist als wissenschaftlicher Berater zugleich auch der Projektleiter der aktuellen Inszenierung. Schauspielerinnen und Schauspieler aus der Türkei, Griechenland, Deutschland, Bulgarien und Burkina Faso gehören zum Ensemble und unternahmen gemeinsam im letzten Jahr eine Recherchereise an historische Orte des Euripides. "Während dieser Exkursion wurde allen Beteiligten unmissverständlich klar, wie aktuell das Stück in unsere Zeit passt", sagt Sinn. "Wir erlebten Flüchtlinge aus Syrien und vom Krieg traumatisierte Frauen. Es gibt noch heute so viel Trennendes zwischen den Völkern. Erstaunt haben die Frauen aus der Türkei und aus Griechenland bei den Proben die gemeinsamen Wurzeln ihrer beiden Kulturen wiederentdeckt. Auch unter diesen Gesichtspunkten leistet das Stück einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Völkerverständigung."
Die Schrecken des Krieges sind nach dem Untergang Trojas allgegenwärtig. Euripides zeichnet die Situation und das Leid aus der Perspektive der Frauen, die zurückbleiben und ihrer Versklavung oder dem Tod ins Auge schauen. Stengele läst die Wut der Frauen noch intensiver erscheinen, indem er den deutschsprachigen Text mit griechisch und türkisch gesprochenen Passagen verbindet.
In einer Zeit, wo immer wieder Kriege mit der Maßgabe, diese zu gewinnen, ausgelöst werden, stehen die Worte Euripides als Mahnung und Anklage: "Der Krieg kennt keine Sieger, denn jeder Krieg bringt nur Verlierer, Vernünftig ist, wer keinen Krieg beginnt".
Ein Theatergottesdienst in der Salvatorkirche gehört zum Begleitprogramm der Inszenierung. Die Kantorei St. Salvator unter Leitung von Mike Nych und Schauspielerinnen mit Chorszenen aus „Die Frauen von Troja“ werden im Gottesdienst eine ganz besondere und spannungsvolle Verbindung eingehen. Pfarrer Hiddemann wird in seiner Predigt die jüdisch-christliche Auffassung eines Gottes, der sich an Gerechtigkeit bindet, mit dem tragischen Geschichtsverständnis der Antike konfrontieren. Bernhard Stengele rückt in seiner Inszenierung die beiden Welten eher zusammen: "Wir haben relativ oft das Wort Götter durch Gott ersetzt, um den Namen 'Gott' auf der Seite der Gewinner anzuprangern. Alle sogenannten gerechten oder heiligen Kriege, ob nun von Muslimen oder Christen geführt, berufen sich bis heute auf Gott und da kommt bei mir das Gefühl auf: Hier stimmt etwas nicht."

Termine - Bühnen der Stadt Gera, Großes Haus
16.5.14 - 19.30 Uhr (Premiere)
18.5.14 - 14.30 Uhr, 19.5.14 - 10.00 Uhr
24.5.14 - 19.30 Uhr, 25.5.14 - 18.00 Uhr, 31.5.14 - 19.30 Uhr

Kirche St. Salvator Gera
18.5.14 - 9.30 Uhr Theatergottesdienst
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 15.05.2014 | 19:42  
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Renate Jung aus Erfurt | 15.05.2014 | 21:07  
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