Eine Welt ohne Theater – undenkbar! Bühnenbildner Helmut Pock stellt seine Arbeiten im Stadtteilbüro Bieblach aus

Bühnen- und Kostümbildner Helmut Pock eröffnet einen ganz besonderen Blick in die Theaterarbeit und zeigt im Stadtteilbüro Bieblach eigene Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Plakat- sowie Programmheftgestaltungen.
 
Hier ein selbst hergestelltes Bühnenbild als Modell.
Gera: Stadtteilbüro | Gera (Viererbe). Seine Begeisterung, seine Leidenschaft für Theater und alles, was damit zusammen hängt, ist dem beinahe 70-jährigen Helmut Pock auch im „Unruhezustand“ anzumerken. Bei der Eröffnung seiner Ausstellung im Stadtteilbüro Bieblach, die einen Bruchteil seiner Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Plakat- und Programmheftgestaltungen zeigt, sprudelte es nur so aus ihm heraus, als er den zahlreich anwesenden Gästen sein Schaffen erläuterte, Fragen beantwortete und sich geduldig Fernsehen und Presse widmete. Seit zwölf Jahren ist der 1942 in Berlin geborene Helmut Pock in dem Geraer Stadtteil zu Hause, er arbeitete von 1986 bis 2001 auch an den Bühnen der Stadt Gera.
Der Allgemeine Anzeiger reihte sich in die Reihe der Neugierigen ein und fragte genauer nach.

Wie kamen Sie zum Bühnenbildner?
Auf Umwegen. Da mir das Studium damals verwehrt blieb, hörte ich zufällig, dass ein Puppentheater einen Puppenspieler suchte und griff zu. Elf Jahre war ich dabei, spielte, entwarf Ausstattungen und inszenierte. Dann wechselte ich 1970 ans Kleist-Theater Frankfurt/Oder - mit echten Mimen.

Und fanden ihren Traumberuf?
Ja – schon als Schüler begeisterte mich das Theaterspiel, manchmal zum Leidwesen meiner Mutter. Denn für meine Requisiten musste schon mal die Gardine oder das gute Porzellan herhalten… Der Beruf wurde meine Erfüllung.

42 Jahre bildnerische Arbeit in verschiedensten Theatern – von Senftenberg bis Flensburg, einen Abstecher in die DEFA-Studios gab es außerdem neben vielen weiteren Gast-Bühnen. Wie viele Ausstattungen trugen Ihre künstlerische Handschrift?
Rund 200 Ausstattungen der unterschiedlichsten Genres Musiktheater, Schauspiel, Ballett, Puppentheater und Kabarett. Ich habe dabei mit über 100 Regisseuren zusammen gearbeitet.

Jedes Bühnenbild ist einzigartig, mal opulent gestaltet, mal spartanisch – und stets ausgeklügelt bis ins winzigste Detail. Jedes Kostüm ist seinem Träger nach Ihrem Entwurf „auf den Leib geschneidert“, unglaublich fantasievoll. Was muss man für diesen Beruf mitbringen?
Das Wichtigste ist, das Stück zu kennen und zu verstehen. Man braucht ein Gefühl für die Musik, muss sich mit Materialien auskennen. Man ist Architekt, Maler, Modellbauer. Und man muss sich in die Figuren des Stücks hineinfühlen, ihren Charakter studieren, ihre Äußeres kennen und die Stimme hören. Und auf das Licht achten, denn das ist die Seele des Raumes. Alles zusammen ergibt eine Gesamtkomposition, die sich dann in ihrer Nutzung beweisen muss.

Ihre größte Herausforderung?
„Der Drache“ von Jewgeni Schwarz. Er stand elf Jahre auf dem Spielplan des Berliner Staatstheaters mit einem unglaublich guten Bühnenbild von Horst Sagert. Das Stück kam dann zu uns ans Theater und ich hatte den Anspruch, meines mit einer völlig neuen Grundidee zu gestalten. Es gelang.

Freudige Erlebnisse?
Viele. Nach Senftenberg gab es dasselbe Stück am Frankfurter Theater – mit einem anderen Bühnenbildner als mir, aber es sang derselbe Tenor. „Aber das Kostüm vom Pock, das lasse ich mir aus Senftenberg kommen… „Wenn man solche Wertschätzung erfährt, ist das toll.

Was wäre die Welt ohne Theater für Sie?
Undenkbar. Natürlich gehe ich heute – auch im Ruhestand - regelmäßig ins Theater. Meine Frau Evelyn arbeitet an den Bühnen der Stadt Gera, aber nicht nur hier und in Altenburg, sondern auch anderswo sind wir gern zu Gast.
Weitere Hobbys?
Denen kann ich mich nun intensiver widmen. Der Literatur oder dem Malen beispielsweise. Am liebsten Aquarell. Wir sind auch viel in der Natur unterwegs.

Wie kam es zur Ausstellung?
Durch meine Lesungen im Stadtteilbüro lernte ich die Leiterin Steffi Nauber kennen und schätzen. Da wurde die Idee geboren, die Menschen des Viertels in dieser Form an meiner bildnerischen Arbeit teilhaben zu lassen. Der Stadtteil ist ja nicht gerade reich mit kulturellen Angeboten gesegnet.

Wünsche?
Die Idee der Ausstellungen hier fortzuführen und dafür weitere Künstler zu gewinnen. Als nächstes vielleicht eine Galerie mit Kinderbildern auf die Beine zu stellen – um die Generationen im Haus einander näher zu bringen.
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