"Es ist normal verschieden zu sein" - Wer kümmert sich um freie Schulen und Inklusion?

Erst Mitte Mai wurde ein Sieg durch die Grüne Landtagsfraktion errungen. Eine Entscheidung über die unzumutbar geringe Bezuschussung freier Schulen wurde vom Landesverwaltungsgericht auf Antrag der Grünen zurück genommen. Nun muss die Finanzierung von Ersatzschulen bis 31. März 2015 neu geregelt werden. Ich kenne persönlich viele Menschen, die froh sind über diese Entscheidung. Es ist ein Skandal, dass freie Schulen und somit die Schüler so behandelt werden, als seien sie weniger wert.

Eine vielfältige Bildungslandschaft die um guten Untrerricht und beste Rahmenbedingungen ringt sowie eine Wahlmöglichkeit unabhängig vom Geldbeutel der Eltern bietet, sollte in einem Kulturland wie Thüringen selbstverständlich sein. Auch deshalb bin ich als Direktkandidatin der Grünen für den Landtag engagiert.

Dass auch im Zuge der Inklusion in Schulen, also Mitnahme aller, das Geld eine Rolle spielt, wurde im Rahmen eines ExpertInnengesprächs zur Inklusion, initiiert durch Astrid Rothe-Beinlich, bildungspolitische Sprecherin der Grünen und teilnehmende Expertin, im Thüringer Landtag deutlich. Die Veranstaltung vor drei Wochen war interessant und praxisnah. Wenn ich höre, dass Nordrhein-Westfalen für die Lehrerbildung und Ausstattung von Schulen als Schulen für alle Kinder mit jedem Handycap Mittel in Milliardenhöhe bereit stellt, würde es Thüringen gut zu Gesicht stehen, auch hier eindeutig Zeichen zu setzen, dass uns Bildung und Inklusion was wert ist. Die Durchführbarkeit der Aufnahme jedes jungen Menschen an allen Bildungsgängen die zu ihm passen, sollte durch unabhängige Diagnosen, Bildungspläne, Methodenvielfalt und auskömmliche Ausstattung mit spezialisiertem Personal sowie spezifischem Material ein grundlegendes Fundament erhalten, war O-Ton der Veranstaltung. Hier wünsche ich mir die richtigen Signale sowie Praxisbezogenheit der Entscheidungen für Inklusion durch das Kultusministerium.

Sicher ist es nicht der richtige Weg, wenn laut Professor Roland Merten, Thüringer Bildungsstaatsekretär, pro allgemeiner Schule pauschal eine halbe SonderschulpädagogIn zur Verfügung steht, egal ob und wieviele Schüler Förderbedarf haben. Redebeiträge aus der Zuhörerschaft brachten zudem zutage, dass es noch große Unsicherheiten und Ängste hinsichtlich der Umsetzung der Forderungen der Behindertenrechtskonvention gibt.

Auf die Frage eines Regelschulleiters im Umgang mit besonders schwierigen Schülern antwortete Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung, Grüne Landtagsabgeordnete: "Augen auf bei Verhaltensauffälligkeiten, bei Fremd- und Selbstgefährdung. Schulen sind keine psychiatrischen Einrichtungen."

Dass weiterhin neben allgemeinen Schulen auch andere Schulen bleiben werden und dass es andere Hilfen gibt, ist ein wichtiges Signal für Pädagogen aller Schulformen. Nicht alle Förderschulen können abgeschafft werden, da es immer Kinder geben wird, die diese besonderen Schulen benötigen. Für Schüler mit körperlicher oder geistiger Behinderung sollten künftig neue Möglichkeiten geschaffen werden, um sie weiterhin und noch stärker in die Mitte unserer Gesellschaft zu nehmen und wiederum allen Menschen überall zu zeigen, dass es normal ist verschieden zu sein.
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5 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 11.07.2014 | 17:38  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 12.07.2014 | 21:04  
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Britta Abicht aus Saalfeld | 26.07.2014 | 17:00  
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Mike Picolin aus Gera | 08.08.2014 | 07:39  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 19.08.2014 | 18:29  
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