Fassadengestaltung mal anders - Graffiti als Kunst in ungewöhnlichem Rahmen

Fast 200m² mit der Spraydose gestalten, da haben Mathias Bribach (vorn) und Dirk Wolfersdorf (Hintergrund) noch einiges bis zur Fertigstellung zu tun.
 
Wie eine erfolgreiche Gestaltung mit Graffitis aussehen kann, sieht man in der Unterführung, welche vom Markt zur Straßenbahnhaltestelle Hinter der Mauer führt. Im vergangenen Jahr gestaltete man diese um und setzte hierbei auf Sehenswürdigkeiten der Stadt Gera.
Die Akzeptanz von Sprayern und ihren Graffitis ist sehr unterschiedlich. Besonders illegal angebrachte stoßen in der breiten Öffentlichkeit auf Unverständnis und gelten als Vandalismus, wobei die Graffitis auf der anderen Seite als Kunst gesehen werden. Beide haben Recht, denn wer möchte seine neu sanierte Fassade schon gern „beschmiert“ vorfinden. Andererseits ist der Großteil der Sprayer vernünftig und nutzt Flächen welche von Städten und Gemeinden genau dafür freigegeben wurden. Gerade hier sieht man die wahre Kunst der Sprayer, worauf auch schon der ein oder andere Hauseigentümer aufmerksam wurde und die Sprayerkunst somit Einzug in die Fassadengestaltung erhielt.

Auch die GBG Bestattungen Gera machte sich über die Gestaltung Ihrer fast 200m² großen Fassade Gedanken. „Seit über 10 Jahren haben wir das Gebäude an der Himmelsleiter gemietet, in welchem sich Abschiedsfeier- und Trauerraum, Kühlung und Lager befinden. Seit geraumer Zeit wollten wir die Fassade instand setzen, aber wir machten uns auch darüber Gedanken, was passiert wenn die Fassade neuen Putz und Anstrich bekommt“ so Jens Göbel, der Filialleiter des Bestattungshauses. Dabei dachte man eben an sinnfreie Schmiererei, welche man verhindern wollte. Zusammen mit der Firma Folien Fabrik machte man sich nun in diesem Jahr Gedanken zur Umsetzung. Dabei kam die Idee ein Graffitimotiv anzubringen, welches sich mit Tod und Sterben auseinander setzt ohne dabei pietätlos und verspielt zu wirken. Anfangs fand man die Idee selbst etwas gewagt, aber umso mehr man sich damit auseinandersetzte und sich mit den Motiven, welche aus drei Teilbildern bestehen, einig war, konnte man auch den Eigentümer des Hauses damit begeistern. „Wenn die Fassade in einer Farbe gestrichen worden wäre, besteht leider immer die Gefahr das Sprayer sich dieser annehmen und wahllos die Halle umgestalten“ so Dirk Wolfersdorf von der Folien Fabrik. So entsteht nun ein gemeinsam geplantes Graffitikunstwerk mit tragenden Motiven die Verabschiedung, Tod und Loslassen als Stimmung vermitteln sollen. Ein weiterer Effekt des Projektes ist die gleichzeitige Verschönerung des Stadtbildes und die dazugehörige Instandsetzung der Wände.

Jetzt ist man bei der Umsetzung des Projektes angekommen, für welche man sich insgesamt ca. vier Wochen Zeit nimmt. „Als erstes wurde die Fassade einfarbig grundiert was allein schon mehr als 100 Liter Farbe verschlungen hat. Jetzt geht es daran die Motive mittels Spraytechnik aufzubringen. Hierfür planen wir ca. 300 Farbspraydosen ein. Wenn alles fertig ist wird man mit Tauben, einer Hand die durchs Kornfeld streicht und zwei sich gegenseitig festhaltenden Händen ein einmaliges wunderschönes Kunstwerk sehen, dass sich in angemessenem Rahmen mit dem Thema Trauer auseinandersetzt" erzählt Dirk Wolfersdorf weiter. Mitte Oktober will man mit den gemeinsam erarbeiteten Motiven an der Halle fertig sein. Damit dies klappt arbeitet man derzeit täglich fast zehn Stunden an den Motiven, denn umso kälter es wird umso schlechter lassen sich die Sprayfarben verarbeiten und lassen das Gebilde nicht so gut glänzen, was man natürlich vermeiden will.
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