Fasziniert von Otto Dix - Die Geraer Autorin Ulla Spörl beschäftigt sich seit 4 Jahren intensiv mit dem Leben des Geraer Malers aus Untermhaus

Die Geraer Autorin Ulla Spörl arbeitet derzeit am vierten und letzten Band ihrer Romanbiografie über den Maler Otto Dix
 
Der dritte Band von Ulla Spörls Otto Dix Romantetralogie: Flucht vor braunen Männern - Nationalsozialistische Verfolgung und innere Emigration des Otto Dix
Gera: Untermhaus | Die besten Ideen kommen bei der Gartenarbeit und beim Unkrautjäten, meint Ulla Spörl und nennt ihren Garten das wichtigste Steckenpferd, dem sie neben dem Schreiben nachgeht. Gerade dieser körperliche Ausgleich ist für die Geraer Schriftstellerin sehr wichtig und macht den Kopf frei.
Vor 10 Jahren hat Ulla Spörl den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und ist jetzt froh, dass ihr Hobby zum Beruf geworden ist. Anfangs hat sie gemeinsam mit dem Geraer Fotograf Frank Rüdiger mehrere Bildbände und historische Bücher über Gera und zur Geschichte der Stadt verfasst. Seit mehreren Jahren gehört jedoch ihre Liebe der Prosa. Einige Romane und Kriminalthriller der Autorin sind seitdem erschienen.
In dem Roman "Lebensträume", zum Beispiel, erzählt die 1955 in Schleiz geborene Ulla Spörl in autobiografischen Zügen die Verfolgungen durch die Staatssicherheit und die Reglementierungen durch den DDR-Staat, die sie am eigenen Leibe erfahren musste.
Seit den 1980-er Jahren wohnt sie in Gera. "Schon von Anfang an, kam ich an Otto Dix nicht vorbei, schon damals hatte mich Dix fasziniert, sein Geburtshaus und seine Bilder", erzählt die Autorin und hofft, mit ihren Fähigkeiten jetzt auch zum Gedenken an den wohl bekanntesten Geraer beizutragen. Zum 120. Geburtstag des Malers und Grafikers aus Untermhaus konnte sie den ersten Band einer Romantetralogie über das Leben von Otto Dix vorstellen.
In ihrer Romanbiografie verbindet sie reale Erlebnisse des Künstlers mit fiktiven zu einem sinnigen Ganzen. "Die meisten handelnden Personen sind real. Ich möchte so authentisch wie möglich diese Biografie als Roman in Prosaform schreiben. Immer, wenn ein paar Mosaiksteinchen fehlen, setze ich etwas Fiktives ein, das dazu Passende kommt meist von selbst", erklärt Ulla Spörl.
Umfangreiche Recherchen über das Künstlerleben waren ohnehin notwendig, bemerkt die Autorin. Dabei konnte sich Ulla Spörl auch auf private Texte, Briefe und Zeitzeugen-Berichte beziehen. "Aus Hannover etwa, erhielt ich ein persönliches Manuskript von einem Nachkommen des Paul Kleinstäuber, der mit Dix in Untermhaus zur Schule gegangen und seine Kindheit und Jugend mit ihm verbrachte. Diese Erlebnisse lassen den Menschen Dix in seinem ganz persönlichen Umfeld erscheinen." Etwas schmunzelnd berichtet Ulla Spörl: "Ich hatte erfahren, das der Sohn des Malers Otto Griebel noch in Dresden lebt und konnte seine Telefonnummer ausfindig machen. Ich wollte ihn fragen, ob er etwas im Nachlass seines Vaters über Dix gefunden hat. Am Telefon lernte ich einen urgemütlichen Menschen kennen, der im tiefsten sächsischem Dialekt von seinem Vater erzählte und mir sofort sympathisch war." Otto Griebel hat das Leben von Dix während des Studiums und an der Kunstakademie in Dresden sehr geprägt.
Seit dem 120. Geburtstag des Geraer Malers und Grafikers erschienen alljährlich am 2. Dezember die einzelnen Bände der "Lebensreise eines Malers" von Ulla Spörl.
Bis zu 9 Stunden arbeitet die Autorin täglich an ihren Büchern. Auch wenn Konzept und Kapitelgerüst fertig sind, gibt es doch immer wieder Dinge, die nachgeschaut und überlegt sein wollen. Sechs Monate konzentrierte Arbeit war nötig, die 250 Seiten des dritten Bandes fertig zu stellen. Nach Kindheit und Jugend, die Studentenjahre und seine schrecklichen Erlebnisse im 1. Weltkrieg behandelt der dritte Band die wohl schwerste Zeit im Leben des Malers, die Zeit des Nationalsozialismus. "Der im Herzen unpolitische Dix hat diese Zeit nur durch den stoischen Glauben, dass der braune Spuk bald vorüber sein werde, überleben können. Leider hat er sich dabei geirrt.", bemerkt die Autorin. Der als entartet eingestufte Künstler war zunehmend persönlichen Repressalien durch die Nazis unterworfen. Nur durch die Hilfe guter Freunde konnte ein Großteil seiner Werke vor den Nazis verborgen, versteckt und so gerettet werden.
Den vierten und letzten Band, Spätwerk und Lebensabend, möchte Ulla Spörl zum diesjährigen Dix Geburtstag am 2. Dezember veröffentlichen. Doch damit nicht genug. Zum 125. Geburtstag von Dix im Jahre 2016 plant die Autorin gemeinsam mit ihrem Verleger und Radiomacher Holger Elias, eine Hörspielfassung ihrer Tetralogie und gleichzeitig sollen alle 4 Bände als Softcover in einem Schuber erscheinen.
An der Volkshochschule "Aenne Biermann" in Gera ist Ulla Spörl seit 2011 auch als Dozentin im Kurs "Kreatives Schreiben" anzutreffen. "Seit 3 Semestern hat sich ein fester Besucherkreis meiner Kurse herausgebildet", freut sich die Autorin. "Die Arbeit mit den Kursteilnehmern macht mir großen Spaß, es ist für beide Seiten ein Geben und Nehmen."

Termin
Mittwoch, 18. Februar, 16 Uhr, Geraer Bibliothek, Puschkinplatz:
Ulla Spörl und Holger Elias lesen aus dem neuesten
Dix-Roman "Flucht vor braunen Männern"
Eintritt frei
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 11.02.2015 | 12:31  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 14.02.2015 | 13:12  
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