Grafik im Quadrat – Kunst auf Schallplattenhüllen

Wann? 22.02.2011 bis 13.06.2011

Wo? Museum für Angewandte Kunst , Greizer Straße 37, 07545 Gera DE
Gera: Museum für Angewandte Kunst | "Grafik im Quadrat": Das Museum für Angewandte Kunst Gera präsentiert Kunst auf Schallplattenhüllen in seiner neuen Sonderausstellung Zirka 350 grafisch gestaltete Schallplattenhüllen von Klassik bis Popp - Mike Deppe aus Nordrhein Westfalen stellte Teile seiner hochkarätigen Sammlung zur Verfügung.

"Grafik im Quadrat" ist das Thema der neuen Sonderausstellung im Museum für Angewandte Kunst Gera, die am 21. Februar eröffnet wird. Bis zum 13. Juni präsentiert das Haus zirka 350 grafisch gestaltete Schallplattenhüllen aller Genres von Klassik bis Popp nationaler und internationaler bekannter Künstler und gibt damit einen Überblick über die gesamte Breite grafischer Gestaltungsmöglichkeiten aus den 1950er Jahren bis heute. Dafür stellte der Wirtschaftswissenschaftlers Mike Deppe aus Kerken in Nordrhein Westfalen Teile seiner vielschichtigen und hochkarätigen Sammlung zur Verfügung. Ausgewählte Exponate stammen aus eigenen Beständen des Museums für Angewandte Kunst Gera, des Stadtmuseums sowie von weiteren privaten Leihgebern. Ermöglicht wurde diese Ausstellung auch durch die Sach- und Finanzleistungen des Fördervereins "Freunde des Ferberschen Hauses" e.V.

Die Ausstellung will die Vielfalt der unterschiedlichsten Gebrauchsgrafiken auf speziellen Verpackungen, sprich Schallplattenhüllen, bei deren Gestaltungen sich verschiedene Kunstgattungen durchdringen, dem Auge der Besucher bewusst nahe bringen. Was einst simple Papierhüllen zum Verpacken und Schutz der schwarzen Scheiben sowie Informationsquelle für den Inhalt waren, hat sich im Laufe der Jahre zur Alltagskunst entwickelt. Großen Anteil daran trägt der US-Amerikaner Alex Steinweiss um 1937. Er schuf unkonventionelle Entwürfe mit Gestaltungselementen, die in Anordnung von Farbe und Form der Musik entsprechen sollten. Die Plattenfirma, für die Steinweiss arbeitete, ließ sich von seinen Ideen erst überzeugen, als die Umsatzzahlen der Platten spürbar stiegen. Steinweiss setzte damit einen Meilenstein für das Zusammenspiel von künstlerischer Gestaltung als "Art-Cover", musikalischem Inhalt und Vermarktung. Die Schutzhülle entwickelte sich zu einer eigenen Kunstform. Namhafte Künstler widmeten sich fortan dieser neuen grafischen Gattung als Teil eines Gesamtkunstwerkes in den engen Grenzen zwischen Maßen, Ökonomie und Drucktechnik. Die Gestaltungen wurden zum Spiegel zeitgenössischer Grafik, Fotografie, und Typografie. Unterschiedliche grafische Techniken, Collagen, Comics, Abstrahierungen sowie Rückgriffe auf historische Kunstwerke gehören zu wichtigen Gestaltungselementen. Manche erreichten generationsübergreifenden Kultstatus. Dazu gehört die Banane des US-amerikanischen Grafikers und bedeutendsten Vertreters der amerikanischen Pop-Art Andy Warhol für die Band "Velvet Underground" ebenso wie die Aufnahme der wohl berühmtesten Straßenüberquerung für das Beatles Album "Abbey Road" oder die Zunge von John Pasche, das Logo der Rolling Stones aus dem Jahre 1971, unter dem die legendäre Rockgruppe ihr eigenes Plattenlabel veröffentlichte. Musik in ihrem breiten Spektrum als Bestandteil der Lebensqualität im Alltag bietet unabhängig von sozialer und kultureller Herkunft emotionale Hinwendung und Identifikation, die durch die grafische Gestaltung unterstützt wird.

Die Ausstellung verdeutlicht: Plattencover sind weit mehr als ein Gebrauchsgegenstand - sie sind Alltagskunst für ein Millionenpublikum und eine Verpackung, die über den Selbstzweck weit hinaus geht. Die Schau ist eine Übersicht der breit gefächerten grafischen Gestaltungsmöglichkeiten aller Musikrichtungen. Dazu gehören die fantasievollen Covergestaltungen des Illustrators und Künstlers Jim Flora ebenso wie die sachliche und auf geometrische Formen beruhende Bildsprache des Bauhauskünstlers Josef Albers. Erinnerungen wecken Schallplattencover von gestalterisch hoher Qualität aus dem VEB Deutsche Schallplatten mit den Labels Amiga, Eterna oder Litera, die so bekannte Grafiker wie Werner Klemke, Manfred Bofinger, Klaus Vonderwerth und Christoph Ehbets entwarfen. Darüber hinaus sind auch seltene Cover der DDR-Punkszene zu sehen.

In keiner anderen Musikrichtung wird das breite Spektrum grafischer Gestaltungsmöglichkeiten in beinahe unendlich scheinenden Variationen mehr verdeutlicht als bei Jazz sowie Rock- und Popmusik mit ihren Spielarten. Die Coverentwürfe von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg oder Keith Harring sowie Fotografien von Richard Avedon und Robert Mapplethorpe avancierten sogar zu Kultobjekten. Neben dem millionenfach erfolgreich vermarkteten Cover zeigt die Ausstellung auch hochwertige aktuelle Plattencover kleiner Labels. Bis heute erfreut sich die Schallplatte trotz der elektronischen Medien großer Beliebtheit. Das auch heute noch anspruchsvolle Cover hergestellt werden, demonstriert die Firma Dekor Labor aus Gera exklusiv zur Ausstellungseröffnung mittels Siebdrucktechnik. Originalgrafische Drucke können in limitierter Auflage erworben werden. Mit dieser Aktion des Fördervereines "Freunde des Ferberschen Hauses" e.V. wird das Museum für Angewandte Kunst Gera unterstützt.

Das Museum für Angewandte Kunst Gera, Greizer Straße 37, ist Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
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