Holländischer Tiefgang: Vorbereitungen zur 6. Geraer Höhler Biennale laufen auf Hochtouren

Arno Arts aus Arnheim platziert mit seiner Praktikantin Jolein Scheijgrond ein Boot samt Paddel unter der Höhlerdecke. Es ist Teil seiner Installation zum Thema „Tiefgang“ anlässlich der 6. Höhler Biennale unter der Altstadt von Gera.
Eigentlich hing das Boot schon an der Höhlerdecke. Arno Arts ist unzufrieden. Beherzt greift er zur Bohrmaschine. Der morsche Ziegel leistet nicht viel Widerstand. Es wird ein dritter Dübel gesetzt. In der einen Hand der Halogenscheinwerfer, durchsucht er mit der anderen die auf dem Boden stehenden Werkzeug- und Teilekisten. Wo sind die Haken? Fündig wird der Künstler aus der holländischen Partnerstadt Arnheim schließlich in seiner Hosentasche. Arts kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Ich bin ja wie der Reiter, der sein Pferd sucht. Bis er schließlich feststellt, dass er bereits darauf sitzt!“. Das Boot muss so flach wie möglich unter die Decke. Noch ein Loch. Noch ein Dübel. Noch weiter auseinander. Seine Praktikantin Jolein Scheijgrond leuchtet mit dem Handy im Halbdunkel des Höhlers, um das Bohrloch zu finden. Arts zitiert Karl Valentin: „Kunst ist schön – aber macht viel Arbeit“. Das Gestein ist zu porös, der Dübel zu klein. Und nochmals. Und noch ein Versuch. Über eine Stunde vergeht, bis das Boot hängt.

„Tiefgang“ lautet das Thema der diesjährigen Höhler Biennale. Arno Arts ist einer von 33 Künstlern, der die 6. Höhler Biennale mitgestaltet. Er hat das Wort „Tiefgang“ in seiner ursprünglichen Bedeutung wörtlich genommen. Tiefgang nicht im Sinne eines guten Gespräches. Tiefgang eines Bootes. Und jener ist am besten zu erkennen, wenn sich der Betrachter wie ein Taucher unterhalb der Wasserlinie befindet. Dem entsprechend wird das Boot an der Decke des Höhlers 135, Eingang Markt 14 in Gera, befestigt. Das Unterwassererlebnis ahmt der Holländer mit angebrachter Folie, die mit einem speziellen Swimmingpoolbeleuchtungsgerät illuminiert wird, nach. Zwei Paddel sind zu sehen. Begleitet wird das optische Erlebnis von einem akustischen dank eines unheimlichen Sounds. Was oben im Boot geschieht, bleibt aus der Taucherperspektive ein Geheimnis. So werden die Gedanken und Interpretationen der Höhler Biennale-Besucher angeregt.

Arno Arts ist bereits Stammgast in Gera. Zur 2009er Auflage der Biennale war er gleich mit fünf Arnheimer Künstlern vertreten. „Bei der letzten wurde ich ausselektiert“, schaut er etwas traurig und verliert dennoch keine Zeit und baut weiter auf.

Viele der beteiligten Künstler aus dem In- und Ausland haben ihre Werke bereits installiert, andere machen es in diesen Tagen. Es herrscht derzeit ein Kommen und Gehen im Höhler Markt 8/9, Schloßstraße 4, Hinter der Mauer und Markt 14. Die Höhler Biennale unter der Altstadt von Gera wird offiziell am 12. Juli eröffnet. Bis zum 13. Oktober können die Installationen jeweils mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung besichtigt werden. Veranstalter ist die Stadt Gera zusammen mit dem Verein zur Erhaltung der Geraer Höhler e.V., Telefon 0365/8321300 und 0365/2147365.
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6 Kommentare
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Steffen Weiß aus Gera | 10.06.2013 | 14:57  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 10.06.2013 | 21:14  
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Steffen Weiß aus Gera | 11.06.2013 | 08:07  
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Antje Hellmann aus Jena | 11.06.2013 | 09:08  
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Steffen Weiß aus Gera | 11.06.2013 | 10:48  
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Hannelore Grünler aus Artern | 11.06.2013 | 11:05  
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