Im Porträt: Matthias Winter - "Hauptsache Theater, interessant und glutvoll!"

Wann? 06.06.2012 19:30 Uhr

Wo? Theater, Theaterstraße, 07545 Gera DE
Der Bariton Matthias Winter inszenierte mit Erfahrung als Sänger gerade im heiteren Fach richtige Dauerbrenner: Von „Der kleine Horrorladen“,„Non(n)sense“, „F.L.E.T.S.C.H.“, „Der Zauberer von Oss“, „West Side Story“ und „Evita“ bis etwa zu „Falco meets Amadeus“, „My fair lady“, „Zar und Zimmermann“, „Die Csardasfürstin“ ... und nun "Anatevka" bei tpt in Gera
 
Brauthandel - Probenfoto zu "Anatevka" in Regie von Matthias Winter
Gera: Theater | +++ aktualisiert: 2012-05-24 +++
Seine jüngste Produktion bei tpt (Premiere 3.2.2012 / nächste Aufführung 6.6.2012) - ist der große Auftritt des Milchmanns Tewje aus Anatevka in Gera. Hier begann Matthias Winter am Theater einst als Sänger. Inzwischen inszeniert er regelmäßig selbst. Nur ein Grund zum Porträt...

Higgins heißt sein Lieblingshundename. "Higgins" auf vier Beinen gehört zur Familie. Dabei ist Matthias Winter selbst seit Jahren Professor Higgins. Er spielte ihn jedenfalls in „My Fair Lady“ und das über verschiedene Inszenierungen. Gera hatte die Rolle einstmals doppelt besetzt - mit Günter Markwarth und ihm. Die Zeit vergeht! Jetzt ist Winter öfter der Ältere in Opern, Operetten und Musicals. Oder er führt selbst Regie wie bei der „Csárdásfürstin“ als Winter-Ball.

Matthias Winter (* 1959) kann darüber scherzen. Früher habe er in der Maske zwei Stunden verbracht, um der Vater für „Hänsel und Gretel“ zu werden. Jetzt brauche er da die Kollegen eigentlich nur begrüßen und ins Kostüm zu schlüpfen. Gerade diese Figur hat es ihm aber angetan. Aus eigener Familiengeschichte?

Matthias, der in Annaberg-Buchholz geborene Löwe, kam mit einem Jahr nach Altenburg. Da war Vater Gottfried sehr lange als Bariton engagiert und brachte manche Probenarbeit mit nach Hause. „Mutter lernte er einst als Tänzerin kennen.“ 8Csardasfürstin, Tangokönigin oder ...? Mathias Winter lacht. Hatte er nicht doch den eigenen Vater einmal als Fürst reaktiviert!) Dann arbeitete sie als Maskenbildnerin. Jedenfalls „tigerte“ Matthias oft um’s Schloss und musste auf dem Weg zur Erweiterten Oberschule immer am Theater vorbei. Er stand in der Gasse, war in Garderoben und trällerte zu Hause selbst begleitet Vaters Partien nach.

Der Winter-Spross begann mit 5 Jahren Klavier zu lernen, machte Musikschul-Abschlüsse und hätte in Leipzig die Eignungsprüfung als Pianist absolvieren können. Doch mit viel Lust sang er; auch zu den Wettstreits Junger Talente im Kreis, Bezirk und beim DDR-Ausscheid. Er stand mit Beethoven sogar im Apollo-Saal der Staatsoper in Berlin. Dann wurde der „Klassenkasper“ - wie er sagt - (1978-1983) Gesangsstudent an der Musikhochschule in Leipzig. Bei der damals üblichen Vermittlung standen noch Cottbus und Halberstadt zur Auswahl.

Doch als Winter gelassen zum zentralen Vorsingen in Weimar antrat, hatte er sich innerlich wohl schon entschieden für Gera. Ein Kollege seines Fachs wechselte von da nach Potsdam, verriet ihm die Regisseuse für „Der rasende Ehemann“. So bewarb er sich auf diese Stelle und wurde a) Geraer und b) gleich Minister in „Die goldene Gans“ von Günter Schimm, sowie c) eben dieser Ehemann. Allerdings ein sehr schüchterner. Die gestandene Diva Ursula Unruh glücklich zu umarmen, traute er sich wohl kaum. Die nahm ihn sich rigoros zur Brust: „So geht das nicht!“ Fortan ging’s offenbar freiweg. „Geras Theater hatte einen richtig guten Ruf!“, erklärt er seine Wahl; zum Beispiel wegen seiner Opernsängerwettbewerbe, mit den Ballett-Tagen und dem Ensemble der Inge Berg-Peters.

Winter genoss es dann, mit vielen Haupt- und Titelrollen im Mittelpunkt zu stehen, gibt er zu. Verdi, Mozart, Wagner... nicht selten mit über 100 Vorstellungen pro Spielzeit. In den großen Musicals spielte er als Paar mit seiner Frau Katrin Weber, wurde mit ihr zum Lokalmatador und Publikumsliebling. (Jetzt sei er seit 25 Jahren Ehemann; mit der gleichen Frau. „Medial so eigentlich eher bedeutungslos.“, stichelt der Zufriedene etwas.) Die Musen hätten es gut gemeint mit ihm, ist Winter dankbar.

Folgerichtig kam nämlich die Idee auf, die Regie der Theater-(themen-)Bälle in seine Hände zu geben. Mit seinem Erfolg bei der Inszenierung von „Der kleine Horrorladen“ bahnte sich der zweite Weg zum heiteren Fach an. Hätte es sich durch Angebote anders ergeben, er hätte das gern probiert. Nun kennt man ihn in Gera, Altenburg oder seit seinem Wechsel 2001 nach Chemnitz eben so. Er stellte in seiner Weise regelrechte Dauerbrenner auf die Bretter gestellt. Nicht im Selbstlauf. Auf Regie bereite er sich fortwährend wie ernsthaft vor. Seine Strategie: Man nehme sich dringlich das Libretto vor und modernisiere das frühere Deutsch? Man sammle zeitgemäße Anspielungen zum Einbau? Thema geliebter Wortwitz: Er mache sich Werke für seine „Gusche“ und zeitgemäß zurecht. Die neue Sicht der Dinge solle stimmen. Gerade wenn er mit vergleichsweise nur wenigen Notizen antrete, er müsse zuerst alles im geistigen Auge sehen, wie er das will.

Dann könne er zur Umsetzung auch stur sein, lässt Mathias Winter durchblicken. Wortspielereien nimmt er als Umsetzung seiner Lebensbeobachtungen. Pointe oder Kipper zum Abschluss muss sein. Zeilen reichen nicht, um seine Rollen aufzuführen. Ohnehin wäre es ihm wichtiger zu erwähnen, dass er nun seit zehn Jahren schon in Leipzig Sängerdarsteller unterrichtet. Das gibt ihm viel! Maximen oder Credo? Nein, er renne keinen Idealen nach. Aber er hatte seinen Vater als Vorbild vor sich. Selbst im Timbre. Wäre er nicht Sänger, dann vielleicht Repetitor, um anderen die Töne beizubringen, sagt er mit seiner Art von Augenzwinkern in der Stimme.
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