Im Porträt: Peter Wiegand - liebt musikalische Abenteuer von ganz klein bis international

Peter Wiegand - vermittelt mit dem Schwung seiner Violine Freundschaften.
 
Peter Wiegand - Dirigent des Kammerstreichorchesters Gera seit 2005
Es klang wie eine These zu unserem Gespräch: Prägend für seine Laufbahn sei die Zeit bei den „Thüringer Sängerknaben“ aus Saalfeld unter Leitung von Walter Schönheit und mit den Programmen von Michael Schönheit gewesen. Da waren schon die Chor-Reisen mit 70 Jungs im Bus, tägliche Konzerten, Auftritte in sehr vielen Kirchen bis in den Norden der DDR und fast immer volle Häusern; weil es eben norm(al) war, dass solche Konzerte gut besucht sind. Im Reglement der Chorfamilie durchlebte er Phasen als Sopran, Alt und Bass. Außerdem hatte Peter Wiegand mit acht Jahren das Fach Geige an der Musikschule gewählt. Zu der gehörte auch ein Jugendsinfonieorchester. Immer war Musik um ihn herum. Lächelnd fügt Wiegand noch hinzu: Zuvor war er Turner und sogar bei Bezirksmeisterschaften am Start. Das wurde ihm in Bad Blankenburg dann zu stressig. Immerhin: Beides waren strenger situierte Seiten in Zeiten der Herausbildung junger Persönlichkeiten und bewirkte Haltung.

Der 1963 gebürtige Saalfelder wechselte mit dem Abschluss der 10. Klasse zur Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar, nahm ein Studium für Violine auf und wollte eigentlich schon immer Musik unterrichten. Es sei ein größeres Stück Freiheit, den Unterricht nach eigenen Plänen einrichten zu können, versucht er jetzt seine Orientierung zu begründen. Man stelle sich das heute vor: Mit 21 Jahren das Diplom in der Tasche, eine Stelle an der Musikschule in Gera, kurz danach schon Bezirksfachberater.

Die Erfolge sieht er in seinen Schülern bis hin zu Bundeswettbewerben Jugend musiziert; in Juryarbeit wie beim Greizer Stavenhagen-Wettbewerb oder 2010 auch beim Bundesfinale in Lübeck; als Mitglied im Landesmusikrat Thüringen und des Landesvorstands bei „Jeunesses Musicales“, das für Juni 2011 wieder ein Jugendorchestertreffen in Sondershausen mit 350 Spielern plant. Aber da seien noch andere Herausforderungen.

1989 nahm er die Arbeit mit Musikspezialklassen am Rutheneum auf. Gemeinsam mit seiner Frau Christiane, die freiberufliche Musikpädagogin in Eisenberg und Pößneck ist, erfreut er sich an den Fortschritten von Kindern der 3. und 5. Klassen an der Waldorfschule. Das seien 40 wissbegierige kleine Geiger mit viel Muse. Als er nach Kleinbocka umzog, fand er bald die angegriffene, kleine Barock-Orgel in der Kirche. 54.000 D-Mark kostete deren Restaurierung. Die wurden u.a. durch Konzertveranstaltungen eingespielt. Das war ein riesig großes Ziel! Peter Wiegand meint, er brauche diesen Willen für die Motivation, solche Ideen umzusetzen. Dann geht das. Was daraus an Kontakten für’s Leben bleibe, mache den doppelten Sinn und Gewinn. In 2000 war es geschafft. Inzwischen gab es dort 75 Konzerte. Und die Reihe läuft weiter...

Er habe Theaterplänen weitgehend widerstanden. Ausnahme - die Vertragszeit von 1985 bis 1987. Natürlich nicht so den Engagements für das Orchesterspiel. Da fand er für sich ein besonderes Feld als Konzertmeister und Dirigent des „Kammerstreichorchesters Gera e.V.“. Das hatte 1947 der Geigenbaumeister Erich Niedan gegründet. 2005 übernahm Wiegand die ehrenamtliche Formation aus „Laien“, Musikschulkollegen, ehemaligen Orchestermusikern und Schülern. Mit diesem Klangkörper wurde z.B. die Tradition der Neujahrskonzerte im Rathaussaal belebt. So führte diese Veranstaltung am 22. Januar 2011 das Salonorchester Kuopio und das Kammerstreichorchester Gera zusammen. Die einen brachten „ihren“ Sibelius und finnische Weisen von Oskar Merikanto mit; die anderen beispielsweise Scott Joplin zu Gehör. Gemeinsam stiegen sie zur „Petersburger Schlittenfahrt“ ein, musizierten sie im „chambre sèparèe“ usw.

Dahinter steht u.a. die lange Freundschaft Peter Wiegands mit dem Dozenten Antti Meurman vom Konservatorium in Kuopio. 2001 packte man ein besonderes Projekt an - das internationale Treffen junger Musiker aus der finnischen Partnerstadt und aus dem polnischen Skierniewice in Gera. „Carmen“ für Orchester und Erzähler, sowie „Die Abenteuer der gestohlenen Geige“ waren damals die gemeinsamen Erstlinge. Ideen für einen Kammermusik-Kurs hatte man schon auf dem Kalavesi-See schippernd besprochen und seit 1996 mit den polnischen Kollegen im Hinterkopf. „Das Kennenlernen geht doch über die Leute. Man spürt eine Stadt ganz anders mit Freunden. Dann wird es emotional und erst richtig schön.“

So stellt sich Peter Wiegand lebendige Städtepartnerschaften vor. Ziele müsse man eben angehen. Daraus wachse Motivation. Das sei etwas von der Medizin aus Noten. Und Publikum mag mit gern Vergnügen daran teilhaben.
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