Im Schatten des Terrors Erinnerungskultur an die Opfer stalinistischer Gewaltherrschaft

Anna Achmatowa (Foto: historische Aufnahme; bearbeitet)
Gera: Trinitatiskirche |

„Der Mann im Grab, der Sohn im Turm.
Betet für mich“

Requiem, Anna Achmatowa

Im Schatten des Terrors

„Das Sowjetgericht verurteilte die…Scheusale zur Erschießung. Das Sowjetvolk billigte die Vernichtung…und ging zur Tagesordnung über“
Geschichte der KPdSU (Bolschewiki).

Im August 1936 wurde in Moskau der Schauprozess gegen Sinowjew, Kamenew und weitere Funktionäre der Bolschewiki durchgeführt. Damit wurde die sogenannte „Große Säuberung“ der stalinistischen Diktatur eingeläutet. Der Terror setzte bereits unter Lenin ein. Die Todesmaschinerie lief bis zum Ableben des Diktators nahezu ungebremst weiter. Dennoch stellen die Moskauer Schauprozesse eine Zäsur dar und bilden ein historisches Symbol für den Schatten des Terrors.
Unter diesem Schatten lebten, litten, starben und überlebten bis 1989 die Menschen in Russland und Osteuropa. Nach Schätzungen von Historikern wurden während der „Großen Säuberung“ ca. 1,5 Millionen Menschen verhaftet, etwa 700.000 davon exekutiert. Im GULAG, einem System von Arbeitslagern, kamen ca. weitere 2 Millionen Menschen, darunter auch Kinder und Jugendliche, ums Leben. Die stalinistische Diktatur und deren Nachfolgesystem haben maßgeblich die Epoche des Kalten Krieges und unzählige Biographien geprägt.
Im Gegensatz zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur ist die Gedenkkultur an den stalinistischen Terror, die Erinnerung an seine Opfer und Gegner, leider nur gering entwickelt. Namen wie Anna Achmatowa, Ossip Mandelstam oder Raoul Wallenberg, Rudolf Slánský oder Bernhard Steigenberger sind meist nur Historikern, Literaturinteressierten oder Opferverbänden ein Begriff.
Wenn 2017 zum Gedenkjahr der Reformation wird, sollte aber nicht „100 Jahre Oktoberrevolution“ und „80 Jahre Schauprozesse“ aus den Augen verloren werden. Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen, weitere gesellschaftliche und kulturelle Gruppen sollten die Herausforderung annehmen und in unterschiedlicher Weise die Menschen in Erinnerung rufen, deren Leben vom Schatten des Terrors bestimmt wurde.


Christen in Gera greifen diesen Impuls auf und planen u.a. folgende Veranstaltungen:

„Im Schatten des Terrors“
Gedenkgottesdienst an die Menschen, die im Schatten des Stalinismus lebten, litten, starben und überlebten
Sonntag, 09. Oktober 17:00 Uhr St. Trinitatis Gera

„Zerbrochene Lebensläufe“ Literatur und Biographien im Schatten des Terrors
Lesung und Vortrag

Freitag, 16. September 19:00 Uhr Gera Gemeindehaus

„Christus im Gulag“ Glauben im Schatten des Terrors
Ökumenischer Gemeindeabend

Im Gemeindehaus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde G 26
Zeitpunkt noch offen
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