„In dir ist Freude“ - Erinnerung Franz Marc

Der Turm der blauen Pferde (Foto: Franz Marc)
Gera: Trinitatiskirche | Vor 100 Jahren ist der bedeutende Maler und-Expressionist Franz Marc im Alter von 36 Jahren vor Verdun getötet worden. Am 04. März 2016 fiel er dem schrecklichem Menschenmorden zu Opfer. Die Poetin Else Lasker Schüler war mit Franz Marc befreundet. Sie schrieb in einem Nachruf: „Der Blaue Reiter ist gefallen, ein Großbiblischer, an dem der Duft Edens hing. Über die Landschaft warf er einen blauen Schatten. Er war der, welcher die Tiere noch reden hörte; und er verklärte ihre unverstandenen Seelen.“

Franz Marcs Lebens- und Schaffenslauf passt in die Passionszeit.
Er suchte nach neuen künstlerischen Ausdrucksweisen, experimentierte auf der Leinwand mit Form und Farbe. In nur wenigen Jahren, die ihm als Künstler gegönnt waren, schuf er ein einzigartiges Werk. Widersprüche des Lebens und Erkennens brachte er in Beziehung zueinander. So war er sonderbarerweise dem Christentum und der Philosophie Friedrich Nietzsches verbunden. Doch genau solch eine innere Zerrissenheit provozierte seine kreative Produktivität.

Sein Thema war und blieb die Darstellung von Tieren. Es heißt, je mehr ihn Menschen enttäuschten, desto intensiver habe er sich den animalischen Schöpfungsgeschwistern zugewandt. Besonders gern widmete er dem Pferd seine malerische Schaffenskraft. Bis heute berühmt ist sein Werk „Der Turm der blauen Pferde“. Die Kraft und Würde der Pferde waren für den Expressionisten ein Sinnbild für das Leben. Hier erschien das Dasein von Schwere entlastet, Geist und Natur wurden versöhnt. Franz Marc litt an einer Welt, die sich aus Berechnung, Kälte und industrieller Gewalt speiste. Die Welt der Tiere und deren Widerspiegelung auf der Leinwand jedoch vermochten es, Franz Marc so etwas wie Trost und Erlösung spüren zu lassen.

Als 1933 die Nationalsozialisten die Herrschaft in Deutschland an sich rissen, wurde Franz Marc als entarteter Künstler eingestuft. Sie ließen 130 seiner Werke aus den Museen entfernen; zahlreiche Gemälde gelten bis heute als verschollen – so auch sein Turm der blauen Pferde.
Franz Marcs Lebens- und Schaffenslauf passt in die Passionszeit.


Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.

Das muss man ehrlich sagen: weder die Propheten in der hebräischen Bibel und erst recht nicht Hiob, weder Jesus höchstpersönlich noch sein Apostel Paulus versprechen ihren Zuhörern ein bequemes, sorgenfreies Leben. Da ist keine Werbung für religiöse Betäubung. Da findet sich das, was sonst in Verträgen versteckt und kleingedruckt ist, gleich auf der ersten Zeile.
Die Propheten künden unverblümt von der kommenden Mühsal. Das Buch Hiob redet von der ersten Seite bis zum Schluss von Schmerzen und dem Ringen des Frommen darum, die Sinnlosigkeit solchen Schmerzes zu verstehen. Jesus verschweigt den eigenen Weg ins Leid nicht und bereitet seine Freunde darauf vor, dass auch ihnen solches geschehen wird. Und Paulus schreibt von Trübsal. Er sagt gerade nicht: `Komm zu Jesus und alles wird wie von selbst gut`. Ehrlich spricht er die Erfahrungen von Trübsal an; und weiß selbst nur zu genau, wovon er hierbei redet. Doch wer sich daran stört, dass in der Bibel Schmerz und Leid, Unrecht und Gewalt, Verrat und Angst, Verzweiflung und Tod zu finden sind, der sollte sich fragen, ob ihm etwa lieber wäre, betrogen und belügt zu sein? Die Bibel lädt zu einem Leben mit Gott ein, aber sie ist eben keine Webesendung. Ehrlich beschreibt und benennt sie die Realität, in die wir hineingeworfen sind. Gerade weil die Bibel Gottes Wort zum Klingen bringt, wird sie auch die Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit unserer Welt in Worte, Geschichten und Bilder fassen. Wollen wir ihr ausgerechnet ihre Ehrlichkeit zum Vorwurf machen?

Doch zur Wahrheit gehört noch etwas dazu, wovon die Schrift auch nicht müde wird zu sprechen: in und hinter Schmerz, Trübsal und Leid können wir Gottes Gegenwart finden. Gott hebt den Schmerz nicht auf, doch nimmt er ihn in Jesus auf sich. Gott bläst die Trübsal nicht weg, durchdringt sie aber mit seinem Trost. Gott taucht in das Leid hinein und durchtränkt es mit seiner Liebe. Wir haben diese Botschaft im Gottesdienst auch musikalisch in unser Herz nehmen können. Wie hieß es doch in diesem wundervollen Gesang?

„In dir ist Freude in allem Leide,o du süßer Jesu Christ!
Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist;
hilfest von Schanden, rettest von Banden.
Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja.
Zu deiner Güte steht unser G'müte, an dir wir kleben im Tod und Leben;
nichts kann uns scheiden. Halleluja.“

Schmerz, Trübsal, Leid sind und bleiben Teil unserer Welt und unseres Lebens, sogar unseres Glaubens. Aber in dieser finsteren Mitgift des Seins liegt bereits ein Licht verborgen, dass uns Mut, Hoffnung und Stärke gibt. Und Freude; ja sogar Freude in allem Leide. Dieses göttliche Licht hilft uns, die misslichen Seiten unserer Wirklichkeit zu tragen und – auch das ist entscheidend – es leuchtet uns den Weg hin in eine andere, in eine neue Wirklichkeit. Es ist so, dass dieser helle Schein uns zeigt, dass Gott auf uns wartet. Das, was uns heute quält und fesselt, können und werden wir mit Gott überwinden.

Die Angst, das Leid, der Tod – es sind mächtige geistige Kräfte, die uns oft genug erschrecken. Sie verschwinden leider nicht von der Bildfläche, doch Gott grenzt ihre Herrschaft ein. Wir sind ihnen nicht länger ohnmächtig ausgeliefert. Gott schenkt Hilfe und Helfer, um mit und auch gegen Angst, Leid und Tod zu leben. Gott rüstet uns mit wertvollen Instrumenten aus, die uns dabei unterstützen. Musik und Malerei, Gemeinschaft und Schöpfung, Gebet und heilige Schrift können in uns Trost, Hoffnung und Glauben nähren.

Vor Verdun ließ Franz Marc – wie etwa 700.000 weitere Soldaten – sein Leben. Sein künstlerischer Nachlass wurde später diskreditiert und zum Teil zerstört. Doch bis heute bleibt sein in blau gehüllter Trost, seine auf die Leinwand gezauberte Sehnsucht nach Erlösung, seine in Tiergestalten dargestellte Freude „in allem Leide“ für uns erhalten. Wie eine Kantate, die ihre Botschaft melodiös in unser Herz legt, können auch Bilder Trost schenken und zu einem Gebet werden.
Wir alle brauchen solch tröstendes Gebet.

Predigt zum Gottesdienst Sonntag Lätare 2016
St. Trinitatis Gera

Quelle:
http://www.fr-online.de/kunst/franz-marc--der-blau...
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