Manipulation oder Motivation? Leo Martin mit grandiosem Vortrag in Gera

Im Flugzeug fanden die ersten zufällig erscheinenden Treffs mit dem künftigen V-Mann statt (Foto: Norbert Pfeiler)
So viele Besucher in der Hauptbibliothek hatte ich nun doch nicht erwartet an diesem 26. Oktoberabend. Einfach berauschend, wie die interessierte Menge, die auch gern von den angebotenen Getränken nahm, bereit war einen schönen Abend zu erleben. Da wurden Sitznachbarn unbekannterweise schon mal angesprochen und es wurde miteinander gescherzt. Man fühlte sich verbunden in der Gemeinschaft der Leser.

Nun kam Ex-Agent Leo Martins Auftritt, der sein Buch „Ich krieg dich“ regelrecht inszenierte. Mit einem charmanten Lächeln und aufmerksamen Augen, die schalkhaft blitzten sowie tadelloser Figur und Outfit betrat er das kleine Podium, schaute in die Menge und nahm Blickkontakt mit einzelnen Besuchern auf. Der Bibliotheksleiter Rainer Schmidt, ehemaliger leitender Mitarbeiter vom Comma, hatte eigenhändig zusätzliche Stühle herbeigeschafft, die den immer noch hereinströmenden Gästen Platz zum Sitzen boten.

Meine Erwartungen an diesen Abend an die Erscheinung und den Auftritt, die Leo Martin bot, wurden bei weitem übertroffen. Er verstand es, von der ersten Sekunde an zu seinem Publikum eine Beziehung aufzubauen und die Herzen zu gewinnen. Da war wohl nicht nur die gute Ausbildung als Agent erfolgreich, sondern ein Naturtalent unterwegs. Die Gäste wurden durchweg mit Aufgaben und Fragen zum Mitmachen, Nachdenken, Verstehen und Fragenstellen angeregt. Nur wenig wurde aus dem Buch vorgelesen, das nach Leo Martins Bekunden mit einer spannenden Agentengeschichte gerade junge Leute gewinnen soll, sich mit dem Thema Kommunikation zu befassen. Denn Leo Martin meint, Anerkennung und Wertschätzung ist gleich nach Essen, Trinken und Schlafen das wichtigste Bedürfnis des Menschen. Dabei seien positive Menschen einfach beliebter als negative. Eine Beziehung gut überlegt aufzubauen, gleiche Leidenschaften zu finden und zu teilen wurden als grundlegend für eine weitere Zusammenarbeit beschrieben und seien wichtiger als Worte. Dies trifft wohl nicht nur auf Agenten und deren Tätigkeit zu.

Streitbar blieb für mich trotzdem der Gedanke: Wie weit darf Überwachung und Kontrolle sowie Beeinflussung gehen? Wo liegt die Grenze des moralisch vertretbaren Maßes auch im Dienste einer guten Sache? Mit einem Lächeln und Feuer in den Augen stellte der Autor Leo Martin in den Raum, dass jeder die Entscheidung für sich träfe, ob es für ihn „Motivation“ oder „Manipulation“ sei.

Es war ein gelungener Abend, der noch lange nachwirken wird. Das Buch ist sicher genauso mutig und lesenswert. Da ich nicht zu den Autogrammjägern zähle, die an dem Abend noch auf ihre Kosten kamen, werde ich „Ich krieg dich“ später in der Bibliothek ausleihen.
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.10.2011 | 02:03  
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Petra Seidel aus Weimar | 28.10.2011 | 14:00  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 02.12.2013 | 21:56  
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