Pogromgedenken 2016 in Gera: Ghetto - tödliche Falle

Wann? 09.11.2016 17:00 Uhr

Wo? Trinitatiskirche, Heinrichstraße, 07545 Gera DE
(Foto: von "Zukunft braucht Erinnerung")
Gera: Trinitatiskirche |

„In diesen albtraumhaften Tagen“
zur Erinnerung an die Schrecken der Pogromnacht von 1938
Mittwoch 9. November 17:00 Uhr St. Trinitatis Gera



Das enge Zusammenleben der jüdischen Gemeinde innerhalb eines Stadtteils stärkte deren inneren Zusammenhalt und erleichterte die Einhaltung des Sabbaths und jüdischer Feiertage wie Pessach. Dennoch hatten die jüdischen Menschen in der ganzen Stadt volle Bewegungsfreiheit und zahlreiche soziale Kontakte zur christlichen Bevölkerung.
Diese freiwillige Form des jüdischen Viertels unterschied sich wesentlich von den später einsetzenden gesetzlich vorgeschriebenen und einschränkenden Gesetzen, die zu der Entstehung von Ghettos führte.
Begriff kommt aus Venedig. „getto“ heißt wörtlich „Guß“ und
bezeichnete einen Stadtteil, in dessen unmittelbaren Nähe eine Gießerei stand. Venedig hatte 1516 in einem Gesetz vorgeschrieben,
dass alle Juden in einem einzigen, vorgeschriebenen Stadtteil leben durften

Im Vorfeld der Kreuzzüge untersagte das 3. Laterankonzil 1179 das Zusammenleben zwischen Christen und Juden. Die Juden wurden abgesondert und damit der Gegensatz zwischen ihnen und den christlichen Grundlagen von Staat und Gesellschaft herausgestellt. Ab dem 13. Jhd. gab es wachsende Bestrebungen, die Juden von der anderen Bevölkerung zu isolieren. Obwohl das Baseler Konzil 1434 den Verweis der Juden in eigene Viertel wiederholte, sind die Vorschriften auch dann in einzelnen deutschen Städten unterschiedlich gehandhabt worden. Allgemein setzte sich das den Juden zwangsweise zugewiesene Wohnviertel im 15. Jahrhundert durch. Abends wurde es verschlossen, so dass die Bewohner nur tagsüber freien Zugang zu den übrigen Stadtbezirken hatten. Ghettos, ursprünglich durchaus auch als Schutzzonen gedacht, erwiesen sich in Krisenzeiten oft als eine tödliche Falle für deren Einwohner.

Bereits ab September 1939 wurde auf geheime Anordnung von Reinhard Heydrich an die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD mit der geplanten Konzentration von Juden in abgegrenzten Gebieten begonnen. Dort sollten sie leichter kontrolliert und zur wirtschaftlichen Ausbeutung als Zwangsarbeiter eingesetzt werden. Ebenfalls konnte dort ihr Vermögen mit dem Ziel der Arisierung systematisch erfasst werden. Später dienten diese Lager vor deren Transport in die Vernichtungslager als Übergangsstationen. In Osteuropa existierten zwischen 1939 und 1944 ungefähr 1150 Ghettos. Am bekanntesten wurde das Warschauer Ghetto und Theresienstadt.


Das Ghetto Litzmannstadt, auch Ghetto Lodsch, in Łódź, unter der deutschen Besatzung umbenannt nach dem General und NSDAP-Mitglied Karl Litzmann (1850–1936), war von 1939 bis 1944 ein Jüdischer Wohnbezirk/Judenghetto des nationalsozialistischen Deutschen Reichs. Es war das am längsten existierende nationalsozialistische Ghetto und nach dem Warschauer Ghetto das zweitgrößte.[1] Es diente, wie die anderen NS-Ghettos auch, vor allem als Zwischenstation vor der Deportation in die Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno nad Nerem), Auschwitz II, Majdanek, Treblinka und Sobibor. Von Anfang an waren die Lebensbedingungen im Ghetto unmenschlich: Die Bewohner litten unter Unterernährung, starben massenhaft an Krankheiten oder erfroren im Winter; teilweise starben sie auf offener Straße. Zwischen 1940 und 1944 starben 43.441 Personen innerhalb des Ghettos. Im Mai 1941 gab es rund 20.000 Tuberkulose-Infizierte. 1940 gab es im Ghetto 39.559 Kinder unter 14 Jahren. 1941 kamen weitere 2.538 aus anderen Gegenden hinzu.

Józef Zelkowicz (1897-1944) arbeitete nach der Zwangsumsiedlung in das Getto im »Archiv des Judenältesten« und gehörte seit Januar 1941 zu den Autoren der »Chronik« des Gettos. Der ehemalige Journalist und Schriftsteller schrieb seine täglichen Erlebnisse nieder. Zelkowicz wurde im August 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Erstmals in deutscher Sprache liegt mit diesem Band Józef Zelkowicz` Text zu den Räumungen und der darauf folgenden Deportation von fast 16.000 Männern, Frauen und Kindern vor. Nicht so sehr als Chronist denn als mitleidender Erzähler begegnet uns der Autor in diesem zutiefst bewegenden Textfragment.
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4 Kommentare
5.081
Joachim Kerst aus Erfurt | 12.11.2016 | 09:45  
1.604
Mike Picolin aus Gera | 13.11.2016 | 10:17  
5.081
Joachim Kerst aus Erfurt | 13.11.2016 | 10:33  
1.604
Mike Picolin aus Gera | 13.11.2016 | 11:01  
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