Rosa Winkel - zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie IDAHO

 

Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie IDAHO
(International Day Against Homophobia and Transphobia)


Der 17. Mai wird als ein Tag begangen, an dem der Hass und die Gewalt gegen homosexuelle Menschen und Trans- bzw. Intergender thematisiert wird. Am 17. Mai 1990 hatte die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel gestrichen.

Dazu gehört auch die Erinnerung an die Verfolgung unter dem Nationalsozialistischen Regime:

Mit dem Rosa Winkel wurden in Konzentrationslagern die Häftlinge stigmatisiert, welche auf grund ihrer Homosexualität interniert wurden.
Die Repression gegen schwule Männer erfolgte auf dem Hintergrund einer Verschärfung des berüchtigten Schwulenparagraphen 175 Reichsstrafgesetzbuches (RStGB).
Die Gestapo legte "rosa Listen" mit Namenund Adressen an. Denunziationen griffen wie eine ansteckende Krankheit um sich. Berufliche Karrieren wurden über Nacht zerstört. Tausende Männer wurden vor Gericht gezerrt und verurteilt. Ärzte und Ärztinnen leisteten willfährig Handlangerdienste; homosexuell Liebende wurden in Psychiatrien weggesperrt und misshandelt. Zwangskastrationen wurden auf Anweisung von Gerichten vollzogen. Über 10.000 Männer wurden wegen des Vorwurfes, homosexuell zu sein, in Todeslager eingeliefert und mit dem Rosa Winkel versehen. Über die Hälfte der betroffenen Häftlinge kam dabei ums Leben. In der internen Lagerhierarchie standen sie mit auf der untersten Stufe und wurden nicht selten von den eigenen Mithäftlingen gequält. Lesbische Frauen standen rechtlich nicht auf der Verfolgungsliste, jedoch wurden sie mitunter unter anderen Vorfand inhaftiert. So wurde die Internierung unter der Begründung "asozial" mit dem Zusatz "lesbisch" ergänzt.

Nach 1945 wurde Menschen, die wegen ihrer Homosexualität unter der NS-Diktatur zu leiden hatten, der offizielle Opferstatus verweigert. Im demokratischen Westen und im sozialistischen Osten wurde ungebrochen an der Kriminalisierung und Diskriminierung homosexuell Liebender ferstgehalten. Erst Ende der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts änderte sich die Rechtslage.

Der jüdische Arzt Magnus Hirschfeld war 1897 der Mitbegründer des
Wissenschaftlich-humanitäre Komitee, welches das politische Ziel verfolgte, den Pragraphen 175 abzuschaffen. Ebenso rief er das Institut für Sexualwissenschaft ins Leben.
Bereits im Jahr 1920 wurde Magnus Hirschfeld durch einen SA- Trupp tätlich angegriffen. Die völkische Propaganda, u.a. im Strürmer, nahm ihn in aggressiver Weise ins Visier. Bei seinen Vorträgen kam es zu systematischen Störungen. Hirschfeld ging ins Exil und starb 1935 in Nizza.

1933 ordneten die NS-Behörden an,das Institut für Sexualwissenschaft zu schließen. Wenig später kam es zu Vandalismus durch deutsche Studenten, das Institut wurde zerstört. Bücher von Magnus Hirschfeld wurden bei der Bücherverbrennung symbolisch dem Feuer übergeben.

2011 wurde die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gegründet, die sich der Aufklärung im Kampf gegen Homophobie widmet.


Klaus Mann nahm sich 1949 in Frankreich das Leben. Er gehört zu den bedeutenden Vertreter der deutschen Exilliteratur. Klaus Mann machte seine Homosexualität mehrfach zum Thema in seinen Werken. Für Klaus Mann, ein aktiver Gegner des Nationalsozialismus, war es nahezu unerträglich, dass auch die Linke den Hass gegen homosexuelle Menschen predigte. Stalin führte 1934 die Strafbarkeit von homosexuellen Handlungen wieder ein, der Große Terror tötete maßlos auch diese Menschengruppe, Homophobie wurde zur Staatsräson und blieb es in Russland bis heute.
In seinem empfehlenswerten Aufsatz "Die Linke und das Laster" schreibt Klaus Mann: "In der Sowjetunion gibt es neuerdings ein Gesetz, das die Homosexualität unter schwere Strafe stellt. Es klingt überraschend, und man fragt sich, mit welcher Logik und mit welcher Moral eine sozialistische Regierung die Entrechtung und Diffamierung einer bestimmten Menschengruppe rechtfertigt, deren "Verschulden" in ihrer naturgegebenen Veranlagung besteht: aber es ist so. Ich meine vielmehr jenes Misstrauen und jene Abneigung gegen alles Homoerotische, die in den meisten antifaschistischen und in fast allen sozialistischen Kreisen einen starken Grad erreicht haben. ... Die Homosexualität ist nicht "auszurotten" - und wäre sie es, so hätte man die Menschheit ärmer gemacht um etwas, dem sie Unvergleichliches verdankt. Der Sinn eines neuen Humanismus - zu dessen Erfüllung wir den Sozialismus als seine Voraussetzung wollen - kann es nur sein, alles Menschliche, das die Gemeinschaft nicht verbrecherisch stört, nicht nur zu dulden, sondern einzubeziehen, sondern zu lieben, zu fördern und so der Gemeinschaft nutzbar zu machen."

Homophobe Propaganda vergiftet nach wie vor das freie Atmen. Ideologisch werden Ablehnung und Hass von homosexuell Lebenden aktuell vor allem religiös begründet, rechtsradikale Hetze spielt ebenso eine Rolle und auch in der Linken sind homophobe Denkmuster weiter existent.

IDAHO - dieser Gedenktag ist notwendig. Füllen wir ihn mit Leben, Widerstand und Liebe.
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