"Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut" in der Orangerie Gera

Bis 21. April zeigt die Kunstsammlung Gera in der Orangerie die Ausstellung „Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut“. Das Lieblingswerk von Kurator Holger Peter Saupe ist der „Schichtbus“ von Lutz R. Ketscher.
 
Die Sonderausstellung "Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut" in der Kunstsammlung Gera präsentiert zirka 150 Werke aus dem Fundus der Wismut bis 21. April 2014.
 
Die Sonderausstellung "Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut" in der Kunstsammlung Gera präsentiert zirka 150 Werke aus dem Fundus der Wismut bis 21. April 2014.
 
Peter Kraft (1935 Guttentag, heute Dobrodzien, Pl), Förderturm, 1985, Öl auf Leinwand, Wismut GmbH, Unternehmensarchiv
Gera: Orangerie | Ohne lang zu überlegen nennt Holger Peter Saupe auf die Frage, welches der ausgestellten Werke sein Lieblingsstück ist, den „Schichtbus“ von Lutz R. Ketscher. Das 1983 entstandene Ölgemälde stellt für Saupe eine interessante Komposition dar. „Wir können in den Innenraum des Busses hinein schauen und wieder hinaus“. Das Gemälde zeigt die Lebenssituation der Menschen von damals. Der Kurator spricht von einem Spiegel, der durchaus mehrdeutig sein kann. Die Männer sitzen mit gesunkenem Kopf auf den Sitzen – es geht auf Arbeit. „Es sind nicht die jungen vor Kraft strotzenden, dynamischen Männer dargestellt. Der festgefrorene Moment gibt Anlass für unendliche viele Gedanken und Erzählungen“.

Beim Thema Bus denkt Saupe an das Thema Reisebus, mit dem entfernte Orte verbunden sind. Die im Hintergrund zu sehende Industrielandschaft gibt dem Kurator Rätsel auf: „Das sieht gar nicht aus wie die Wismut. Ich kann keinen Förderturm entdecken, aber die Halden“. Er fasst den Hintergrund mit den drei Worten Energie, Bewegung, Industrie zusammen. Und er macht sich Gedanken über Details, die im Ölgemälde nicht zu sehen sind, aber doch vorhanden sein müssen. Anlass hierfür ist der herunter hängende Lederriemen im Bildvordergrund. Der Riemen einer Tasche? Wem gehört sie? Was ist drin?

Der Maler von Saupes Lieblingswerk wurde 1942 in Gera geboren. Bis 1978 hat er in Gera, danach in Lückenmühle (Saale-Orla-Kreis) freischaffend gearbeitet. Mit dem Mauerfall hat es ihn nach Oberfranken verschlagen, wo er heute noch freischaffend arbeitet.

Und welches ist Ihr Lieblingswerk? Etwa 150 Werke aus dem Fundus der Wismut sind seit vergangenem Freitag in der Orangerie Gera zu sehen. Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit des Dresdner Instituts für Kulturstudien e.V. mit der Kunstsammlung Gera.

Wie von Holger Peter Saupe zu erfahren war, sollte die Ausstellung ursprünglich noch breiter aufgestellt werden. Die Idee für die Ausstellung wird bereits seit Jahren verfolgt. Wie ursprünglich geplant, sind in der Orangerie die Kunstwerke zu sehen. Das Leben und Arbeiten der Wismutkumpel sollte zudem im Stadtmuseum begleitend thematisiert werden. Die Vorbereitungen hierfür wurden von Museumsleiterin Ute Heckmann getroffen. Leider sei mit ihrem Tod vor einem knappen Jahr dieses Projekt auch gestorben.

Bereits am ersten Wochenende erfuhr die Ausstellung eine derart große Resonanz wie kaum eine andere. Zur Vernissage kamen etwa 240 Interessenten, am Wochenende 311 Gäste. Gera ist mit dem Thema Wismut eng verbunden. Die Ausstellung bietet eine gute Gelegenheit, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Die Ausstellung ist bis zum 21. April mittwochs bis sonntags und feiertags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Immer sonntags, 14 Uhr, finden öffentliche Führungen statt. Ein separater in der Orangerie ausliegender Flyer informiert über weitere Sonderveranstaltungen. Zur Ausstellung ist ein 224-seitiger Katalog erschienen.

Ausführliche Informationen zur Ausstellung

Sonderausstellung "Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut" in der Kunstsammlung Gera präsentiert zirka 150 Werke aus dem Fundus der Wismut vom 8. Februar bis 21. April

Die Ausstellung „Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut – Eine Bestandsaufnahme“ mit Werken aus dem Fundus der Wismut präsentiert die Kunstsammlung Gera in der Orangerie vom 8. Februar bis zum 21. April. Die gemeinsam von der Kunstsammlung Gera und dem Dresdener Institut für Kulturstudien e.V. organisierte Schau stellt zirka 150 Arbeiten aus der Sammlung vor. Dazu gehören u.a. Werke von Carl Kuhn, Lutz R. Ketscher, Gottfried Bräunling, Elke Hopfe, Reinhard Minkewitz, Peter Kraft, Alexandra Müller-Jontschewa, Ernst Hecker, Carl-Heinz Westenburger, Hans Ticha, Bernhard Heisig, Hans Hattop, Werner Petzold, Fritz Eisel, Hans Wolfgang Siegenbruk, Werner Tübke und Volker Stelzmann. In dem Bestand überwiegen Arbeits- und Arbeitsweltdarstellungen sowie Landschaften und Porträts. Ziel ist neben der Präsentation bislang weitgehend unbekannter Werke auch die öffentliche Debatte um Geschichte, Stellenwert und Zukunft der Wismut-Kunstsammlung. Von entscheidender Bedeutung sind Fragen nach dem sozialdokumentarischen und künstlerischen Wert der in der Wismut-Sammlung vertretenen Werke. Zudem sollen die kulturpolitischen und unternehmensspezifischen Mechanismen bei der Anlage der Sammlung wie auch bei der konkreten Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern in den unterschiedlichen Phasen der DDR-Geschichte beleuchtet werden.

„Ich bin mir sicher, dass die Wismut-Kunstausstellung in unserer Orangerie lebhaftes Besucherinteresse finden wird. Die Wismut, das ist für Zehntausende Menschen ihr Leben. Sie begegnen in der Orangerie mit dem Abstand von rund einem Vierteljahrhundert ihrem Arbeitsalltag. Die Ausstellung lädt ein zur Auseinandersetzung – vielleicht sieht man mit der zeitlichen Distanz und eventueller Verklärung diese Kunstwerke heute mit anderen Augen. Das ist der besondere Reiz, den diese Ausstellung ausstrahlt“, so Geras Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn. „Gera war und ist Heimatstadt für Tausende Wismut-Kumpel. Ich wünsche mir sehr, dass die Kunst, die sie über ihr Leben begleitete, in unserer Stadt eine Heimstatt bekommt.“

Die Stadt Gera hat eine besondere historische Beziehung zur Wismut. Seit der Nachkriegszeit und dem Aufbau der SDAG Wismut entwickelte sich Gera zum „Wohnort der Kumpel“ mit einem verzweigten System sozialer Einrichtungen und firmeneigenen Institutionen der SDAG Wismut, in denen über 20.000 Menschen beschäftigt waren. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass die SDAG Wismut eine in der DDR einzigartige Kunstsammlung anlegte und die bildenden Künste einen herausragenden Stellenwert in der Kulturarbeit des Unternehmens einnahmen. Diese Kunstsammlung ist nun Gegenstand und Thema eines Ausstellungsprojektes, das den Kunstbestand der heutigen Wismut GmbH erstmals umfassend öffentlich präsentiert. Nach dem großen Erfolg der Ausstellung in der Neuen Sächsischen Galerie in Chemnitz zeigt die Kunstsammlung Gera diese Sammlung nun mit einer veränderten Bildauswahl und neuen inhaltlichen Aspekten, die in direkter Weise auf die Geschichte der Wismut in Gera und die Lebenswirklichkeit in der Region Bezug nehmen.

Die Kunstsammlung der Wismut GmbH (vormals SDAG) ist die umfangreichste Kunstsammlung eines DDR-Unternehmens. Mit 4.209 Werken von 450 Künstlern, darunter mehr als 280 Gemälden, kann der Fundus dieser Sammlung sinnvoll mit dem Umfang eines bezirklichen Kunstmuseums in der DDR verglichen werden. Die Künstlerliste setzt Schwerpunkte auf die sächsischen Malschulen (und Kunstakademien) in Leipzig und Dresden und bindet die großen Namen der DDR-Kunst ebenso wie die Akteure der Nachfolgegenerationen ein.

Die zwischen 1959 und 1989 in der SDAG Wismut angelegte Kunstsammlung korrespondierte anfangs mit der kulturpolitischen Kampagne des „Bitterfelder Weges“ (1958 - 1964). Später entstanden enge Kontakte zur Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig und der Hochschule für bildende Künste in Dresden. Durch diese gelangten zahlreiche Werke in die Sammlung. Durch die ökonomischen Sonderbedingungen in der Wismut und die hier relational zu anderen „gesellschaftlichen Auftraggebern“ erweiterten Ankaufs- und Auftragsbudgets wurde die Wismut zu einem attraktiven Vertragspartner für viele der im Verband Bildender Künstler vertretenen Künstler. Dabei kam es in den 1950er und 1960er Jahren vielmals zu einer propagandistisch-emblematischen Auftragskunst. In den letzten zwei Dekaden der DDR entstand eine Ausdifferenzierung ästhetischer Handschriften und einer sukzessiven Zulassung auch kritischer Bildstrategien.

Die Ausstellung folgt keiner strengen Chronologie, sondern strukturiert sich nach thematischen Feldern. Dabei wird auch die Kunstförderpraxis der Wismut im Zusammenhang kulturpolitischer Zielstellungen dokumentiert. Die Schau rekonstruiert exemplarische Kunstaufträge, die Ausrichtung von Kunstausstellungen und Pleinairs wie auch die Vergabe eines eigenen Kultur- und Kunstpreises. Das Begleitprogramm und der Katalog thematisieren ebenso die nach 1989 einsetzende (und 2011 eskalierende) Debatte um den künstlerischen Wert und die noch ungeklärte Zukunft der Wismut-Kunstsammlung. Hierbei spielt die Suche nach einem tragfähigen Modell für die spätere Anbindung der Sammlung nach dem „Ende“ der auf Altlastenabwicklung ausgerichteten Wismut GmbH eine wichtige Rolle. Sachdienliche Lösungswege zu erörtern und auszuhandeln kann nur vor dem Hintergrund einer breiteren Kenntnis dieser Sammlung und im Rahmen eines sachlichen Diskurses erfolgen. Dazu will die Ausstellung „Sonnensucher!“ beitragen.

Die Ausstellung ist vom 8. Februar bis zum 21. April, Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen, in der Zeit von 12 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung kann ein 224 Seiten umfassender Katalog mit 241 Abbildungen zum Sonderpreis von 19,90 Euro erworben werden.

Die Schau wird von einem umfangreichen vom Dresdner Institut für Kulturstudien e.V. organisierten Veranstaltungsprogramm begleitet. Hierüber informiert ein separater Flyer. Öffentliche Führungen finden jeden Sonntag, 14 Uhr, in der Orangerie statt.

Kontakt:
Kunstsammlung Gera – Orangerie
Orangerieplatz 1, 07548 Gera
Telefon: 03 65 / 838 42 50, Fax: 03 65 / 838 42 55
Email: kunstsammlung@gera.de


Hier können Sie in das Ölgemälde von Hans Hattop "Urban" bis auf den kleinsten Pinselstrich hinein zoomen:

http://gigapan.com/gigapans/149702

Bitte bedenken Sie, dass es sich bei den Werksaufnahmen um keine Reproduktionen unter Studiobedingungen handelt. Die Fotos entstanden alle in der Ausstellung und können somit geringfügige Tonwert- und Farbabweichungen haben.


Mehr über die Kunstsammlung Gera/Orangerie:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/orangerie.h...
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Steffen Weiß aus Gera | 13.02.2014 | 10:44  
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Steffen Weiß aus Gera | 13.02.2014 | 10:45  
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Hannelore Grünler aus Artern | 13.02.2014 | 18:56  
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Steffen Weiß aus Gera | 19.02.2014 | 08:21  
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Steffen Weiß aus Gera | 24.02.2014 | 15:46  
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Steffen Weiß aus Gera | 11.03.2014 | 07:00  
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Steffen Weiß aus Gera | 11.04.2014 | 14:59  
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Klaus Stein aus Apolda | 18.04.2014 | 15:47  
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Steffen Weiß aus Gera | 23.04.2014 | 11:13  
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Steffen Weiß aus Gera | 24.04.2014 | 09:45  
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Steffen Weiß aus Gera | 30.04.2014 | 08:42  
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Steffen Weiß aus Gera | 30.04.2014 | 08:45  
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Steffen Weiß aus Gera | 13.05.2014 | 14:09  
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