Wagner dirigiert Verdi

Noch vor Beginn des Konzerts lag schon eine außergewöhnliche Atmosphäre über der ganzen Veranstaltung.
Unter den offiziell gekleideten Menschen, die im Foyer des Theaters umher flanieren, hört man hier und dort ein leises Summen oder Murmeln kurzer Textpassagen.
Was für eine elektrisierende Mischung. Schöne Menschen voller Erwartung auf das Kommende, im Geiste das Konzert, dass nun mit dem ersten Klingeln eingeläutet wird, und zwischen ihnen die Künstler umherwandelnd, die Puzzleteilchen vom freudig erwarteten Ganzen.
Eine Masse aus Aufregung, Spannung und Vorfreude, die sich in ständiger Bewegung miteinander vermischt.
Unter dem blauen Wolkenhimmel und den strahlenden Kronleuchtern des herrlichen Geraer Konzertsaals eingefunden, blicken alle Zuschauer nach vorn. Das unruhige Pausengemurmel hat sich eingestellt, die Künstler betreten die Bühne. Applaus. Dann, wieder Ruhe.
Es erscheint eine schlanke Person und stellt sich, von Beifall begleitet, auf das Podest in der Mitte.
Laurent Wagner, unser neuer Generalmusikdirektor und der Mann, der Verdi sagen kann, als ein echter Wagner, wo es lang geht.
Er verharrt mit dem Rücken zum Publikum in absoluter Starre. Keiner bewegt sich, kein Ton ist zu hören, selbst die notorischen Dauerkonzerthuster und Bonbonpapierraschler trauen sich nicht, niemand traut sich auch nur zu atmen.Vollkommene Stille. Spannung. Die Luft, regelrecht greifbar, Und dann... endlich Erlösung. Der sanfte Streichereinsatz. Die Zuhörer atmen leise aus. Eine Art Erleichterung geht durch den Saal. Doch diese Entspannung währt nicht lange.
Die Ruhe vor dem Sturm. Das Orchester bricht los wie ein Orkan, ungeheuer schnell, tief und wild. Ein angenehmer Schrecken rollt durch die Reihen. Gänsehaut, als der Chor einsetzt. Wie Boten - Aus himmlischen Höhen oder doch aus dunklen Tiefen? - dringen die Stimmen in den Saal, in die Zuhörer, bis in die letzte Faser und den letzten Winkel.
Scheinbar spielerisch leicht dirigiert Laurent Wagner die ungeheuren Dynamikwechsel, und das Orchester und der Chor führen diese auf den Punkt genau aus. Sowohl vom grollenden Gewitter, das über das Publikum nur so hinweg fegt, als auch die seidig weichen, leisen Töne.

Was bleibt als Fazit zu sagen:

Wunderschöne, emotionale Musik von Verdi, wahnsinnige Präzision unseres neuen Generalmusikdirektors, Virtuosität auf voller Linie bei Orchester, Chor und Solisten und ein aufgewühltes, begeistert, ja schon fast entgeistertes Publikum, welches sich nach 10 Minuten Applaus immer noch nicht beruhigen konnte.
Das passiert, wenn am Theater in Gera Wagner Verdi dirigiert!
Fantastisch!

3. Philharmonisches Konzert 13/14 Gera
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