Wie Gott buchstabiert wird - auf Entdeckungsreise in der Partnerstadt Arnhem

1
 
1
Ein besonderer Besuch weilte in diesen Tagen in Arnhem. Der Konvent des Kirchenkreises Gera hatte seine Klausurtagung in die Partnerstadt verlegt. Und so befanden sich ca. 20 hauptamtliche Kirchenmitarbeiter aus Thüringen in den Niederlanden auf Entdeckungsreise.
Die intensiv vorbereitete Weiterbildung brachte aktuelle Probleme auf den Tisch. Wo kann Kirche in der heutigen Gesellschaft ihren Ort, ihre Aufgabe finden? Welche Rolle hat christlicher Glaube innerhalb der säkularen Gesellschaft? Wie gehen Gemeinden mit Mitgliederschwund, Strukturveränderungen und finanziellen Schwierigkeiten um? Diese Fragen wurde von verschiedensten Blickwinkel heraus bewegt. Das thematisch dichte Programm zielte dabei bewusst auf Austausch, Begegnung und gegenseitiges Kennenlernen. Referenten aus Gera und Arnhem waren gleichermaßen einbezogen. Und da die Besucher aus Gera in Gastfamilien untergebracht waren, setzte sich das grenzüberschreitende Gespräch oft auch in den Abendstunden fort.

Schnell fanden die Partner aus den beiden Ländern eine gemeinsame Sprache, um ihre Situation zu beschreiben. Als jedoch die jeweils eigenen Entscheidungen und Schwerpunkte vorgestellt wurden, kam es hier wie da zu regelrechten „Aha-Erlebnissen“. Die Arnhemer staunten über den Umfang und die Qualität des Thüringer Engagements in den Bereichen Kirchenmusik und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Geraer wiederum waren davon beeindruckt, wie stark das Leben der Niederländischen Kirchen von Ehrenamtlichen getragen wird und mit welch gelassener Offenheit hier an Probleme herangegangen wird.

Der Fusionsprozess in den Niederlanden, der über einen Weg von 40 Jahren drei große protestantische Kirchen in die heutige Protestantische Kirche der Niederlande (PKN) einte, fand auf dem Hintergrund der eigenen Vereinigungserfahrungen bei den Geraer Konvent besonderes Interesse. Etwas irritiert waren die Thüringer Gäste, als sie Näheres über den Umgang in den Niederlanden mit Kirchengebäuden erfuhren. Hier werden sakrale Bauten, wenn sie nicht mehr gottesdienstlich genutzt werden, durchaus verkauft und einer neuen Bestimmung übergeben. Der Geraer Konvent konnte sich darüber ein eigenes Bild machen. Es wurden zwei Kirchen besichtigt, in denen inzwischen altersgerechte Wohnungen eingebaut wurden.

Ein eigener Charme lag darin, dass diese Begegnung im Jubiläumsjahr der Städtepartnerschaft erfolgte. Im Jahr 1887, also noch zu DDR-Zeit, wurde ein entsprechendes Abkommen zwischen Arnhem und Gera unterzeichnet. Die Kirchen haben seit 1998 einen festen Anteil daran, diese Städtepartnerschaft mit zu beleben. Es gibt regelmäßige Kontakte und auch eine gute Verbindung der evangelischen Jugendarbeit nach Arnhem. Aufmerksam wird von Arnhemer Seite das Engagement der Geraer Christen gegen Rechtsextremismus wahrgenommen.

Der Klausurkonvent in Arnhem wurde mit der Unterstützung durch den Raad van Kerken Arnhem und durch STIOC, einem Gremium zur Förderung internationaler ökumenischer Kontakte möglich. Ida Eldering, die Vorsitzende von STIOC, erklärte zum Abschied, wie Gott in den Niederlanden buchstabiert wird: die drei Buchstaben „God“ stehen für „geven – ontvangen – delen“, das bedeutet „geben – empfangen – teilen“.

Ein herzlicher Dank an unsere Arnhemer Freunde für ihre große Offenheit und Hilfe.
1
1
1
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
1 Kommentar
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 10.06.2012 | 01:20  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige