25 Jahre AA: Redakteure stehen Rede und Antwort

Im Vorfeld unserer Jubiläumsausgabe hatten wir dazu aufgerufen, den Redakteuren des Allgemeinen Anzeigers Löcher in den Bauch zu fragen. Hier sind die Antworten zu lesen:


Mike Picolin: „Haben AA-Redakteure einen rebellischen Geist in sich, den Sie trotz dieser schwierigen Gesellschaft wachhalten können? Nun unterstelle ich den Redakteuren des AA nicht Meinungsmache zu betreiben, das sind andere wie Die Welt, Die Zeit, Die Süddeutsche und die Bild…usw. Wenn ich wissen möchte, was in den deutschen Medien alltägliches Business ist, muss ich mir die anderen Veröffentlichungen im Netz ansehen oder ein Buch lesen. Stört Sie das nicht? Ist es nicht Zeit, sich neben den wichtigen Dingen wie Kultur, Sport, lokale Politik auch den Themen zu widmen, die uns neben dem Flüchtlingsproblem alle große Sorge bereiten? EURO, Russland und die Rolle der NATO, Deutschlands sowie die der USA?“

Emanuel Beer: Sehr geehrter Herr Picolin, ein Journalist braucht natürlich einen rebellischen Geist. Auch unsere Redakteure suchen nach Konflikten, greifen schwierige Themen auf und sitzen genau dort, wo sie hingehören: zwischen den Stühlen. Ob die Gesellschaft schwierig ist, sei dahingestellt. Komplex ist sie allemal. Dieser Herausforderung müssen wir uns jeden Tag neu stellen. Der Fokus des Allgemeinen Anzeigers liegt dabei auf Thüringen. Wir sind ein lokales Wochenblatt und berichten über die Dinge, die Thüringen bewegen. Um die Berichterstattung zu globalen politischen Themen kümmern sich vor allem überregionale Medien. Mich stört überhaupt nicht, dass Sie frei darüber entscheiden, woher Sie Ihre Informationen beziehen. Warum auch? Den von Ihnen aufgezählten Medien pauschal Meinungsmache zu unterstellen, halte ich aber für ziemlich abwegig.


Jona Marks: Was war Ihr verrücktestes Interview?

Emanuel Beer: Während meiner Ausbildung habe ich gleich zwei Interviewtermine mit den Musikern von „Rosenstolz“ vergessen. Danach wollten sie nicht mehr mit reden, was ich gut verstehen kann. Das war peinlich – und verrückt. Viel Spaß hat mir das Interview mit dem Theologen Egmond Prill gemacht, bei dem er seine Antworten auf Servietten zeichnen musste. Bemerkenswert war auch das Gespräch mit dem damaligen israelischen Botschafter in Deutschland, Shimon Stein. Ich hatte einen vorsichtigen Diplomaten erwartet, aber im Interview redete er sich so in Rage, dass ich fürchtete, er würde seine Aussagen anschließend wieder zurücknehmen. Aber Hut ab: Ich konnte (fast) alles so abdrucken, wie er es gesagt hatte.


Chiara Scheinpflug: Was erleben Sie täglich?

Emanuel Beer: Als Chefredakteur und Prokurist kümmere ich mich viel um den Tagesbetrieb: Themen mit den Redakteuren besprechen, Geschichten korrigieren, Seiten layouten, E-Mails beantworten, Trends aufspüren. Ich verbringe auch viel Zeit in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram – dort hole ich mir Anregungen für interessante Themen. Als Prokurist bin ich auch in strategische Fragen eingebunden und bespreche mit anderen Abteilungen unseres großen Medienunternehmens, wie wir die Zukunft gestalten können. Ich glaube, dass meine wichtigste Aufgabe dennoch eine andere ist: Meinen Mitarbeitern zuhören und sie motivieren.


Chiara Scheinpflug: Wollten Sie als Kind auch Redakteur werden?

Emanuel Beer: Nein, nachdem ich als Kind in zwei Filmen der DEFA mitspielen durfte, wollte ich natürlich Schauspielstar werden. Auch der Jugendtraum, erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuchautor zu sein, endete meist auf der zweiten Seite eigentlich sehr erfolgversprechender Romane. Ziemlich genau mit 16 Jahren stand dann nach einem Praktikum bei der Thüringischen Landeszeitung für mich fest: Ich werde Redakteur. Dabei ist es auch geblieben.


Chiara Scheinpflug: Gratulieren Sie mir am 23. September auch zum Geburtstag?

Emanuel Beer: Das ist eine Überraschung.


Felizitas Müller: Welchen bekannten Star haben Sie schon interviewt?

Michael Steinfeld: Ich glaube, so richtig bekannt für einen Schüler, der gerade die 7. Klasse besucht, ist keiner der Stars oder Sternchen, die ich in meinem Redakteursleben interviewt habe. Meistens hat man mit den Stars auch nur am Telefon im Vorhinein einer Veranstaltung zu tun. In Erinnerung bleiben also eher die persönlichen Treffen. Ganz lustig fand ich zum Beispiel mein Treffen mit Nena. Schon als Kind schlief ich in den 80er-Jahren in Bettwäsche, die ein Foto von ihr schmückte. Das Gespräch mit der leicht angetrunkenen Sängerin auf einer After-Show-Party lief ungefähr so: Ich: „Nena, ich habe in deiner Bettwäsche geschlafen.“ Sie: „Na, das wüsste ich ja wohl.“ Offenbar hatte sie gedacht, dass ich sie anmachen wollte…


Joachim Kerst: Welcher Redakteur des AA ist am längsten beim Allgemeinen Anzeiger? Gibt es noch ein Gründungsmitglied des AA, welcher schon 25 Jahre dabei ist?

Peter Schindler: Ich arbeite seit Dezember 1992 als Redakteur beim Allgemeinen Anzeiger – kann also im kommenden Dezember „das 23-Jährige“ feiern. Meines Wissens nach gibt es inzwischen keinen Redakteur mehr, der von Stunde null an beim Allgemeinen Anzeiger seinen Dienst tat. Diejenigen, die dafür in Frage kämen, wie zum Beispiel Bernd Hausdörfer und eventuell Werner Kaiser, sind inzwischen in Rente gegangen.


Lea Sophie Grübel: Haben Sie schon mal einen Promi getroffen?

Wolfgang Rewicki: Wenn mit „Promi“ vorwiegend jene Personen gemeint sind, die für ihre öffentlichen Auftritte bekannt sind, also zum Beispiel Schauspieler, Musiker und andere Unterhaltungskünstler, über die vielfach in den Medien berichtet wird, und auch Sportler oder Politiker, denen die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wird, ja, dann habe ich schon Promis getroffen. Zum Beispiel die Dirigenten Nikolaus Harnoncourt und Sir John Eliot Gardiner und auch Joachim Gauck, der damals noch Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen war. Auch habe ich die Musiker der Puhdys und von Karat kennengelernt. Und einige mehr. Das waren allesamt Begegnungen in der Skala von beeindruckend bis nett. Es kommt also schon ab und zu vor, dass man prominente Persönlichkeiten trifft. Allerdings begegnet man auch sehr vielen Wichtigtuern und Selbstdarstellern, die vor allem sich selbst für prominent halten aber ansonsten nur wenig zu versenden haben.


Jill Obst: Wie laufen die Vorbereitungen zu einem Interview ab?

Helke Floeckner: Das kommt ganz auf das Thema an. Die meisten Gespräche erfordern im Voraus eine gründliche Vorbereitung, besonders, wenn man sich mit einem Experten trifft und über sein Fachgebiet etwas wissen möchte. Dann sollte man sich schon damit befasst haben. Nur so kann ich auch die richtigen Fragen stellen. Dann gibt es auch wieder Termine, die man einfach auf sich zukommen lässt, wenn ich zum Beispiel ein Porträt über eine Person machen will. Aber auch da informiere ich mich im Vorfeld über denjenigen. Vorgefertigte Fragen habe ich nicht an meinen Gesprächspartner, die ergeben sich dann, wenn man sich gegenübersitzt. Nur bei einem Telefoninterview überlege ich mir die Fragen vorher, da der andere meist nicht viel Zeit hat und ich ja nicht spontan auf bestimmte Gestik und Mimik von ihm eingehen kann.


Wiebke Mortag: Suchen Sie sich ihre Themen selber aus?

Helke Floeckner: Ja, die meisten meiner Themen kann ich mir selbst aussuchen.


Celina Jahn: Haben sie feste Arbeitszeiten?

Helke Floeckner: Wir haben unsere Wochenarbeitszeit. Das heißt aber nicht, dass wir an jedem Tag stur von um acht bis um siebzehn Uhr arbeiten, pünktlich nach der Uhr. Nicht immer hat ein gewünschter Gesprächspartner nämlich da Zeit. Und manchmal schreibt es sich eben abends besser. Wir können da zum Glück sehr flexibel arbeiten.


Celina Unbehau: Haben sie am Wochenende frei?

Helke Floeckner: Nicht immer gelingt es, sich das Wochenende freizuhalten. Manchmal möchte man eben unbedingt die eine schöne Geschichte schreiben - und der Termin kann nur am Wochenende stattfinden. Das ist aber nicht schlimm. Wenn einem die Arbeit Spaß macht, nimmt man das gern in Kauf.


Florian Kürth: Wie lebt es sich als Redakteur?

Helke Floeckner: Es lebt sich gut, das kann ich hundertprozentig bestätigen! Schon als Kind wollte ich nichts anderes werden. Es ist toll, seinen Traum wahrmachen zu können. Ich arbeite jetzt seit über 22 Jahren beim Allgemeinen Anzeiger - und es macht immer noch großen Spaß.


Sebastian Döhrer: Mussten Sie wegen eines Ereignisses schon mal weit reisen?

Helke Floeckner: Unsere Geschichten im Blatt spielen ja zum größten Teil in Thüringen, da muss man nicht so sehr weit reisen. Aber als ich vor ein paar Jahren mal etwas übers Boxen schreiben wollte, weil demnächst ein paar wichtige Kämpfe in Erfurt stattfinden sollten, bin ich auf die Insel Usedom gefahren und habe die Boxer dort im Trainingslager besucht. Da konnte ich mal hinter die Kulissen sehen und unseren Lesern von den Vorbereitungen berichten. Es sind auch tolle Fotos entstanden, direkt am Strand.


Anna Busch: Haben Sie schon einmal berühmte Leute getroffen und wenn ja, welche?

Thomas Gräser: Da kommt eine ganze Menge zusammen, schließlich bin ich seit 1980 Redakteur. Die wohl markantesten waren: Michail Sergejewitsch Gorbatschow; die Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder; Außenminister Hans-Dietrich Genscher; der russische Außenminister Eduard Schewardnadse; „Prinz Poldi“, Leopold Prinz von Bayern; Konrad Kulau, der Fälscher der Hitler-Tagebücher; Modeschöpfer Wolfgang Joop; Udo Lindenberg; Rea Garnay alias Raymond Michael „Rea“ Garvey, Frontmann der einstigen Band „Reamonn“; Guildo Horn; Schauspieler Thomas Thieme.


Anna Busch: Wollten Sie schon als Kind Redakteur werden?

Thomas Gräser: Nein, als Kind wollte ich noch nicht Redakteur werden, obwohl schon meine Lehrer erkannten, dass ich gern und gute Aufsätze schreibe. So wurde ich erst Funkmechaniker im Funkwerk Erfurt und kam über den zweiten Bildungsweg zum Redakteur.


Elias Bolze: Haben Sie bestimmte Arbeitszeiten?

Thomas Gräser: Früher gab es feste Arbeitszeiten, auch mit Wochenenddiensten. Jetzt ist die Zeiteinteilung relativ frei.


Tim Suchsland: Macht Ihnen Ihr Job Spaß?

Thomas Gräser: Von Anfang an.


Leon Kalmring: Berichten Sie auch aus dem Ausland?

Thomas Gräser: Nein, ich berichte ausschließlich über Thüringer Themen. Natürlich kann ich auch eine Reisereportage über ein Urlaubsziel in der Rubrik Reisemarkt veröffentlichen.


Niklas Wölfel: Haben Sie schon mal einen Fußballstar getroffen?

Andreas Abendroth: In meinen Jugendzeiten habe ich immer versucht den Kasten sauber zu halten. Ich stand im Tor. Ich bin nicht der fanatische Fußballfan, der sich jedes Spiel ansieht. Doch sind mir die „großen“ Namen, besonders der Fußballlegenden ein Begriff. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Begegnung mit „Deutschlands Torhüter des Jahrhunderts“, Sepp Maier. Am 26. Juli 2000 im Vorfeld des Freundschaftsspiels Rot-Weiß Erfurt - FC Bayern München. Wir Pressefotografen waren im Innenraum, durften das Einspielen der Bayern ablichten. Doch die Mannschaft kam nicht aus der Kabine. So schoben wir drei Fotografen uns einen Ball hin und her. Und mit einmal reihte sich Sepp Maier ein, machte einfach mit. Antwortete mit lockeren Sprüchen auf unsere Fragen, zeigte uns Balltricks und animierte uns zum Schluss noch eine Stadionrunde zu rennen. Er voran, mit der Eckfahne in der Hand.


Niklas Wölfel: Wie viel Zeitungen drucken Sie pro Tag?

Andreas Abendroth: Sorry, ich arbeite nicht in der Druckerei, sondern in der Redaktion. Und hier bin ich unter anderem für den Ilm-Kreis und den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt im Einsatz. Rechne ich die wöchentlichen Auflagen zusammen, kann man meine Beiträge in 248.086 Exemplaren lesen.


Marlon Koch: Seit wann arbeiten Sie beim AA?

Andreas Abendroth: Da gibt es zwei Zeiträume. Im Gründungsjahr der AA, 1990, war ich schon einmal beim Allgemeinen Anzeiger beschäftigt, habe beim Aufbau der Geschäftsstelle Arnstadt mitgeholfen. Danach habe ich bei anderen Verlagen und bei einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender gearbeitet. 2005 hat man mich wieder als Redakteur beim AA ins Boot geholt.
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1 Kommentar
Emanuel R. Beer aus Gotha | 23.09.2015 | 14:32  
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