Abend der Dialoge. Michael Kux möchte mit „Merci Genie“ Flüchtlingen und Behinderten helfen

Turbulentes Vorbereitungsgespräch für den gemeinsamen Abend.
 
Michael Kux (links) und Ama Abashahen, der vor zehn Monaten aus Syrien nach Gera kam.
Gera: Showbühne Rieger | Nicht, dass Michael Kux mit sämtlichen Details der gehandhabten Asylpolitik einverstanden wäre: „Es wurden Fehler gemacht!“. Ebenso blickt er ziemlich verwundert auf die Vorzeige-EU, innerhalb derer Deutschland fast das einzige Land ist, das Flüchtlinge aufnimmt. „Was hier derzeit passiert, ist nicht richtig. Aber es darf deshalb nicht in Frage gestellt werden!“, mahnt er und erinnert gleichzeitig daran, dass die Menschen hierzulande vergessen haben, zu teilen. Kux vertritt ganz klar die Meinung, dass Flüchtlingen aus Kriegsgebieten geholfen werden muss. Und er hat eine große Sorge: Die Art und Weise der Meinungsbildung zu diesem Thema in Deutschland. „Selbst Politiker treten als Rattenfänger auf“. Bei großen Teilen der Bevölkerung sei ein Rechtsruck unverkennbar. Dies könne seiner Meinung nach dazu führen, dass die Rechten an die Macht kommen.

Aber was könne man dagegen tun? Aufklären, miteinander reden, Berührungsängste und Vorurteile abbauen, Erfahrungen austauschen. Der Bad Köstritzer fasst es mit einem „Abend der Dialoge“ zusammen. Den bedarf es nicht nur bezüglich der aktuellen Geschehnisse rund um die Flüchtlingskrise. Durch die tägliche Präsenz dieses Themas geraten allzu schnell andere Themen in Vergessenheit, die ebenfalls derartiger Dialoge bedürfen: Menschen mit Behinderungen.

Michael Kux ist Sänger. Er hat sich den Liedern von Udo Jürgens verschrieben. Seine erstmals im April aufgeführte Hommage „Merci Genie – Lieder für die Ewigkeit“ hat mittlerweile weit über Ostthüringen hinaus ihre Anhänger gefunden. Und immer wenn Kux - dann nennt er sich übrigens Michael Will - am Mikrofon steht, dann möchte er nicht nur seine Sangeskunst zum Besten geben. Er gibt gern Unterstützung und Hilfe. Einmal sind es Hochwasseropfer von Gera, dann die Langenberger Kirchgemeinde, nicht zu vergessen der Langenberger Schulförderverein, und, und, und, die durch Veranstaltungseinnahmen und Spenden unterstützt werden.

Und diesmal möchte der Bad Köstritzer Flüchtlinge und Behinderte unterstützen. Kux möchte es nicht dabei belassen, gemeinnützigen Vereinen und Verbänden nach der Veranstaltung einen Scheck zu überreichen. Dadurch käme der notwendige Dialog nicht in Gang. Kux ist Praktiker. Er lädt sie einfach ein, sich auf der Veranstaltung zu präsentieren.

Darauf freut sich unter anderem Claudia Poser-Ben Kahla vom Vorstand des Vereins Akzeptanz! e.V. Gera, der für Flüchtlinge und Migranten vom anderen Ende der Welt hier vor Ort Welten bewegt. „Uns wird nicht langweilig“, sagt sie und meint damit die 50 bis 60 ehrenamtlichen Helfer, die eine positive Willkommenskultur leben und den Flüchtlingen und Migranten Hilfen im Alltag anbieten. Sie hat kein Problem mit der steigenden Flüchtlingszahl, weist aber darauf hin, dass dies einer engen Zusammenarbeit zuständiger Stellen untereinander und mit ehrenamtlichen Helfern bedarf.

Mit der von Kux ins Leben gerufenen Konstellation an unterstützten Vereinen sieht Poser-Ben Kahla bereits erste Möglichkeiten für Synergien und wendet sich hierbei an Iris Zillig, Vorsitzende des Vereins Hilfe für Behinderte in Gera e.V.: „Wie wäre es mit einem gemeinsamen Spielenachmittag eurer Vereinsmitglieder mit Flüchtlingen?“. Eine gute Idee, daraus könnte mehr werden.

Der Kontakt Kux und Zillig kam durch ein Alltagsproblem der selbst auf den Rollstuhl angewiesenen Vorsitzenden zustande: „Wie komme ich auf ein Konzert, wenn es mit öffentlichen Verkehrsmitteln und aus eigener Kraft nicht möglich ist?“. Dass es noch jede Menge andere zu lösende Probleme gibt, kann Iris Zillig aus ihrer Vereinsarbeit berichten. „Wir Behinderten werden zwar toleriert, aber nicht immer akzeptiert. Die Arbeit unseres Vereins fängt da an, wo die Arbeit des Pflegedienstes aufhört“. Außermedizinische Dinge wie beispielsweise Hilfen im Haushalt, beim Umzug und der Renovierung, Begleitdienste und Behördengänge werden organisiert. Auf das Thema Behörden ist Zillig nicht gut zu sprechen: „Anträge auf Pflegestufen und Schwerbehindertenausweise werden in Gera erst mal grundsätzlich abgelehnt. Sie durchzusetzen ist harte Arbeit und es dauert“.

Von harter und zudem nur sehr schwer planbarer Arbeit angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen spricht auch Mirko Scholler, Abteilungsleiter im DRK-Kreisverband Gera-Stadt. „Wir versuchen das Mögliche möglich zu machen und arbeiten dabei eng mit dem DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda zusammen. Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter seien längst an ihre Grenzen gestoßen. Es wird dringend weiteres Personal gesucht.

Veranstaltung:

Ein Abend am 7. November (Einlass ab 17 Uhr, Beginn 18 Uhr) auf der Showbühne Rieger, Siemensstraße 33 in Gera, mit Melodien von Udo Jürgens, vorgetragen von Michael Will, begleitet von Frank Meier und Uwe Schubert.

Mit jeder verkauften Karte werden die Vereine Akzeptanz Gera und Hilfe für Behinderte Gera zu gleichen Teilen unterstützt. Beide Vereine und das DRK Gera-Stadt präsentieren sich mit einem Stand und stehen für Gespräche bereit. Akzeptanz ist mit bereits integrierten Flüchtlingen vor Ort.

Besonderer Gast des Abends: Kathi Karstedt. Ihre Story zum Thema „Man kann, wenn man nur will“ ist unter www.kathi-geht.de zu finden.

Weitere Infos: www.mercigenie.de.
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