Alte(r) Meister ganz jung. Toni Gerhardt: Mit 17 Jahren bereits die dritte eigene Kunstausstellung in Altenburg

Die Fachwelt staunt über den erst 17-jährigen Toni Gerhardt aus Wintersdorf (bei Meuselwitz), der ein Werk nach dem anderen im Stil der Alten Meister auf Leinwand malt. Derzeit ist seine mittlerweile dritte Ausstellung in Altenburg zu sehen.
 
Toni Gerhardt, Stillleben
Meuselwitz: Toni Gerhardt | „Mal sehen, ob es heute noch fertig wird“, fragt sich Toni Gerhardt mit dem Pinsel in der Hand und liefert die Antwort schon mit: „Der Abend ist noch lang“. Der 17-Jährige malt, als sei er vom sprichwörtlichen Teufel besessen. Noch vorhin erklärte er, dass das Bild erst halbfertig ist. Wenn Gleichaltrige vor der Glotze sitzen oder Bierkästen leeren, greift er zu Pinsel und Farbe.

Toni malt bereits seit seinem dritten Lebensjahr. Mit Spielzeug brauchte ihm seine Mutter nicht zu kommen, statt dessen Papier und Stifte. Und für schöne Gebäude, besonders Kirchen, habe er sich schon immer interessiert. „Überall mussten wir anhalten“, erinnert sich seine Mutter Pia. Heute blickt sie voller Stolz auf ihren Sohn: „Er ist schon ein außergewöhnliches Talent. Die Malerei ist seins. Das lebt und liebt er“.

Die Alten Meister haben es dem Gymnasiasten besonders angetan. „Deren Bilder sind schön und die konnten wenigstens noch malen“, zeigt er sich begeistert von diesem Handwerk und der dahinter stehenden Technik. Am meisten faszinieren ihn die Italiener mit ihren Madonnen und Porträts. Ebenso die Stillleben der Niederländer. Der absolute Gott für ihn ist Leonardo da Vinci.
Vor zwei Jahren hatte Gerhardt damit begonnen, Alte Meister zu kopieren. Auf diesbezügliche Kritik begegnet er gelassen: „So hat jeder mal angefangen!“. Über den Kopierstatus ist er längst hinaus. Mittlerweile interpretiert er die Alten Meister, lässt eigene Einflüsse einfließen und setzt komplett eigene Motive im Stil der Alten Meister um. Dann geht er mit dem iPad auf Motivsuche. Selbst auf diese technische Hilfe als Gedankenstütze verzichtet er zunehmend: „Je öfter man etwas malt, desto leichter fällt es einem, es aus dem Kopf wiederzugeben“. Selbst vorausgehende Skizzen sind bei dem 17-Jährigen kaum zu finden. Meistens greift er gleich zu Pinsel und Acrylfarbe und lässt die Arbeiten vornehmlich auf Leinwand entstehen.

Porträts, Stillleben, Landschaften und Tiere zählen zu seinen Lieblingsmotiven. Sechs, sieben Stunden täglich und am Wochenende auch länger frönt er seinem Hobby. Viel Zeit für Anderes bleibt da bestimmt nicht? Doch: Klavier spielen. Gleichaltrige betrachten dies eher skeptisch. Doch Toni Gerhardt lässt sich nicht beirren. Jetzt gilt es erst mal, das Abitur erfolgreich abzuschließen. Dann möchte er Kunst studieren.

Zu Moderner Kunst hat Toni Gerhardt ein eher gespaltenes Verhältnis: „Es ist Geschmackssache. Meins ist es eher nicht“, erklärt er. Und im Gegensatz zu den Alten Meistern arbeitet er auch nicht mit Ölfarben. Das dauere zu lang, bis die trocknen. Dafür ist Toni viel zu ungeduldig. Auch bei den Pinseln greift er eher zu denen mit synthetischen Haaren. Die fallen erstens nicht so schnell aus und sind zudem billiger. Die notwendige Inspiration zur Gestaltung seiner Motive holt er sich aus Fachbüchern oder live. Keine Ferien ohne Kunst! Wenn andere baden gehen, studiert Toni Alte Meister in der Gemäldegalerie Dresden und Berlin, er war im Louvre und Musée d‘Orsay in Paris, in Versailles und im Wohnhaus von Claude Monet. Ganz oben auf der Wunschliste stehen die Ermitage in St. Petersburg, ebenso die Kunstmuseen der Niederlande.

Vergangenen Freitag eröffnete der Ausnahmekünstler bereits seine dritte Ausstellung „Toni Gerhardt – Alte(r) Meister ganz jung“ in der Galerie Altenburg, Leipziger Straße. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. März, immer freitags von 14 bis 18 Uhr, zu sehen. Der Eintritt ist frei, Parkplätze sind vorhanden.

PS: Nach einem Signum auf den Bildern werden Sie vergeblich suchen. „Das kommt hinten drauf. Sonst lenkt es vom Motiv ab!“, so der junge Künstler.


Die „Galerie Altenburg – Verein Künstler für Altenburg“ ist eine engagierte Gruppe von Künstlern aus Altenburg und dem Umland bis nach Leipzig. Es ist ein Projekt zur Förderung von Kunst und Kultur durch regionale Wirtschaft und Ehrenamt.

Ein vorhandener, einige Zeit ungenutzter Raum wurde von der Firma BERGER Brillen gesponsert bzw. wird den Künstlern kostenlos zur Verfügung gestellt. Das künstlerische Management übernehmen die im Verein befindlichen Künstler in Eigenregie. Gebhard Berger übernimmt als langjähriger Vorsitzender der Altenburger Einzelhändlergemeinschaft den Part für Öffentlichkeitsarbeit und ist auch gleichzeitig Sprecher des Vereins.

An jedem Freitag ist die Galerie von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Dabei ist im Wechsel jeweils meist einer der Künstler anwesend und steht Besuchern und Interessenten für Gespräche zur Verfügung.

Es kommen natürlich auch neue Künstler hinzu und sind interessiert im Verein oder als Aussteller mit dabei zu sein. Inzwischen sind die Wartezeiten zur Ausstellung in den Galerie Räumen über ein Jahr. Am Austausch mit anderen Künstlern und künstlerischem Zuwachs sind die Macher des Projektes ebenso interessiert wie an kunstinteressierten Besuchern.


PPS: Bitte bedenken Sie, dass die Fotoaufnahmen von den Werken nicht unter Studiobedingungen entstanden sind. Sie können somit geringfügige Farb- und Tonwertabweichungen haben.
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 21.01.2014 | 22:28  
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Antje Hellmann aus Jena | 23.01.2014 | 18:53  
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