Bitte hinten anstellen! - Aktionen Geraer Hebammen zum Internationalen Hebammentag am 5.Mai

Die Hebammen Katrin Reichert, Katja Pegorer, Nicole Kaatz, Petra Krämer, Antje Börngen und Sandy Delitscher (v.l.) möchten nicht, dass sich Schwangere ganz hinten in der Reihe anstellen müssen
 
Aktion am 5. Mai in Gera - 15.00 Uhr Flashmob vor dem Elsterforum: Schlangen wartender Schwangerer"
Gera: Elster Forum | «Hebamme zu sein ist für mich nicht nur ein Beruf», sagt Katrin Reichert. «Denn es ist immer wieder spannend und beglückend, Familien und Babys während der Zeit der Schwangerschaft, unter der Geburt und in der Wochenbettszeit zu begleiten und zu unterstützen.» Sie arbeitet gemeinsam mit vier freiberuflichen Hebammen in der Praxis Kugelrund in Gera. Und schon wieder klingelt das Telefon. Katrin Reichert schaut in das Anmeldebuch. «Leider kann ich Ihnen keinen Termin anbieten, alle Kurse zu Ihrem Geburtstermin sind bereits voll», muss sie die Anruferin enttäuschen und bitten, weiter nach einer Hebamme zu suchen. «Inzwischen müssen wir viele Schwangere abweisen», beklagt Reichert. Auch wenn die höhere Geburtenrate für die Stadt ein Glücksfall ist, viele werdende Muttis bekommen keine Hebamme in Gera. «Es ist derzeit keine Lösung abzusehen», erklärt Katrin Reichert. «Leider wagen immer weniger Hebammen den Sprung in die Freiberuflichkeit oder geben diese, aufgrund der schwierigen finanziellen Situation, wieder auf.»
Jede Schwangere und Mutter hat einen gesetzlich garantierten Anspruch durch die Krankenkasse auf Unterstützung durch eine Hebamme. Das kann derzeit nicht mehr im vollen Umfang angeboten werden. Zudem werden viele Versorgungsleistungen von der Klinik auf die ambulante Betreuung verlagert. Jedes Jahr wird der 5. Mai weltweit als Internationaler Hebammentag begangen. Eingeführt wurde dieser Aktionstag durch den Internationalen Hebammenkongress und jährt sich in diesem Jahr zum 25. Mal.
Auf den Hebammenmangel und die unzureichende Versorgung möchten die Geraer Hebammen aufmerksam machen. Auch die beiden Hebammen Antje Börngen und Sandy Delitscher vom Geburtshaus Gera sind mit dabei. In den letzten 20 Jahren haben dort unter den helfenden Hebammenhänden 2019 Kinder das Licht der Welt erblickt.
«Derzeit gibt es bundesweit etwa 8000 Hebammen, die als Beleghebammen in Kliniken, in Geburtshäusern oder zu Hause Geburten begleiten. Vor wenigen Jahren waren es noch 40000 im Bundesgebiet», sagt Antje Börngen. Der Grund ist denkbar einfach. Von 2002 bis 2014 haben sich die Haftpflichtversicherungsprämien mehr als verzehnfacht. Inzwischen muss eine Hebamme, die freiberufliche Geburtshilfe anbietet, über 5000 Euro nur für ihre Berufshaftpflichtversicherung im Jahr bezahlen. «Die Prämien steigern sich halbjährlich um bis zu 23 Prozent und die nächste Erhöhung steht bereits am ersten Juli wieder an. Die Beiträge haben eine Höhe erreicht, die man mit außerklinischer Geburtshilfe nicht mehr erwirtschaften kann», bemerkt die Hebamme.
Viele Protestaktionen vom Deutschen Hebammenverband in Thüringen und bundesweit haben bisher bei der Politik nur wenig erreichen können. Die Krankenkassen wurden zwar seit 2010 gesetzlich verpflichtet, die Haftpflichtprämienerhöhungen auszugleichen. Das geschieht jedoch nur unzureichend, stellt der Hebammenverband fest. Auch darauf möchten die Hebammen am 5. Mai mit einem Infostand vor dem Elsterforum in Gera aufmerksam machen.
«Ich bin gern Hebamme, die Arbeit mit den Frauen und Neugeborenen macht mir sehr viel Freude und wir bekommen häufig positives Feedback von den Frauen, was uns in unserer Arbeit bestätigt und motiviert», sagt Katrin Reichert. «Die Frauen brauchen uns und wir möchten nicht, dass sich eine Schwangere ganz hinter in der Reihe anstellen muss, um unsere Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Dafür sind Familie und Kinder für unsere Gesellschaft viel zu wichtig.»

Inform@tionen
Aktionsseite zum Hebammentag 2015
www.hebammenverband.de
hebammenlandesverband-thueringen.de
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 01.05.2015 | 07:01  
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