Dem Pinguin auf der Spur. Buch „Plastiken und Skulpturen in Gera“ von Manfred Otto Taubert im Kulturbund vorgestellt

Manfred Otto Taubert nimmt den Mundharmonikaspieler unter die Lupe. Die Skulptur wurde 1962 von Hans-Detlef Henning geschaffen und befindet sich in der Johannes-R.-Becher-Straße.
 
„Plastiken und Skulpturen in Gera“ von Manfred Otto Taubert - erhältlich in den geraer Buchhandlungen und der Tourist-Info.
Das mit dem verschwundenen Pinguin ist so eine Sache. Nur so aus Spaß wackelten die Burschen, die von einer Zeche kamen, an der Figurengruppe in der Ernst-Toller-Straße. Plötzlich löste sich einer der Pinguine. Na prima, dachten sich die Angetrunkenen. Schließlich hatten sie einen Kollegen mit Spitzname Pinguin. Also das Ding geschnappt und ihm ins Bett gelegt. Wieder nüchtern, kamen sie nicht lange dazu, darüber nachzudenken, wie das Dilemma wieder in Ordnung gebracht werden könnte – die Kripo stand schon vor der Tür.

Noch genauer kann Ihnen diese Episode, die sich in den 1990er Jahren in Gera zugetragen hat, Manfred Otto Taubert erzählen. Bereits seit den 1970er Jahren interessiert sich der gelernte Tischler für die Geraer Stadtgeschichte. Und weil die nun mal sehr vielfältig ist, hat er sich auf die Skulpturen und Plastiken der Stadt spezialisiert. Auslöser hierfür war auch eine jährlich stattfindende Veranstaltung, die in dieser Art einmalig in der damaligen DDR war: „Plastik im Park“. „Zu dieser Ausstellung im heutigen Küchengarten hatten die DDR-Künstler von 1967 an die Möglichkeit, ihre Arbeiten vorzustellen. Die Stadt Gera machte auch regen Gebrauch, Arbeiten anzukaufen, um Kunst in die Wohngebiete zu bringen“, erinnert sich Taubert. Bis kurz nach dem Mauerfall gab es diese außergewöhnliche Ausstellung.

Seit zehn Jahren ist Taubert den Geraer Skulpturen und Plastiken mit dem Fotoapparat auf der Spur, hat sie für das eigene Archiv fotografiert. Recherchen zur Entstehung und über die Künstler führten ihn ins Stadtarchiv und Stadtmuseum, in die Bibliothek, zu befreundeten Heimatforschern und schließlich – sofern sie noch leben - zu den Künstlern selbst. Letztlich war es Stadtarchivar Klaus Brodale, der Taubert dazu anregte, dass er sein gesammeltes Wissen in einem Buch öffentlich zugänglich macht. Erschienen ist es vergangenen März unter dem Titel „Plastiken und Skulpturen in Gera“.

Am Dienstag, dem 28. Oktober, 19 Uhr, stellt Taubert sein Buch in den Räumen des Kulturbundes in Gera, im Ferberschen Haus in der Greizer Straße, vor. Über 150 Skulpturen und Plastiken sind in seinem Buch beschrieben. Reichlich hundert gibt es heute noch davon in Gera. Was mit dem Rest passiert ist, wird – sofern möglich – detailliert erklärt. So ist die Rede von der „Metallspende des deutschen Volkes“ zur nationalsozialistischen Zeit, aber auch von ungeklärten Fällen wie dem „Posthumus“, der zu DDR-Zeiten in einer Nacht- und Nebelaktion vom Sockel geholt wurde und spurlos verschwand.

Über die Entwicklung seit dem Mauerfall zeigt sich Taubert nicht sonderlich begeistert. „Gera sollte Einkaufsstadt werden. Da interessieren Plastiken nicht sonderlich. Schöne Brunnen werden zu wilden Müllkippen. Geld für Anschaffungen und Reparaturen hat die Stadt nicht. So geht Stück für Stück der Lebensqualität verloren“, entrüstet er sich. Ebenso hat er Diebstähle aus öffentlichen Anlagen, Friedhöfen und selbst kommunalen Aufbewahrungsplätzen thematisiert. Nicht zu unterschätzen sei laut Taubert der Vandalismus. „Gäbe es da keine privaten Sponsoren, wären viele Plastiken schon verschwunden“ und erinnert an Speibl & Hurvinek im Hofwiesenpark. Beschädigt, Reparatur von Peter Carqueville bezahlt. Wieder zerstört. Neu erstellt. Wieder von Carqueville bezahlt. Auch Künstler Volkmar Kühn hat in den vergangenen Jahren viel Geld in die Reparatur der von ihm geschaffenen und von Vandalen beschädigten Plastiken gesteckt.
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 22.10.2014 | 13:04  
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Renate Jung aus Erfurt | 22.10.2014 | 17:28  
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Steffen Weiß aus Gera | 04.01.2015 | 10:51  
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