Der Teuerste 1,8 Millionen. Peter Krug aus Gera sammelt mit Leidenschaft Flaschenöffner

Peter Krug aus Gera sammelt Flaschenöffner. Bis heute sind 7147 zusammen gekommen.
 
Details der in der Wohnung zu sehenden Flaschenöffner-Sammlung von Peter Krug aus Gera. Er hat sie alle thematisch geordnet.
„Nein. Das nervt mich nicht mehr. Ich habe mich im Laufe der Jahre daran gewöhnt. Allerdings bekommt er nur den Flur und das ehemalige Kinderzimmer. Mehr gibt’s nicht! Und von wegen Staubwischen. Das kann er schön allein machen“, resümiert Christa Krug über das etwas verrückt anmutende Hobby ihres Gatten Peter. Aber schließlich sieht sie es positiv: „Andere Senioren gehen in die Kneipe. Mein Mann sammelt Flaschenöffner, ein Hobby, das mit Bier trinken nichts zu tun hat“.

Ein Schuhkarton mit ein paar Flaschenöffnern, die sich auf seltsame Art und Weise vermehrten, ist schuld an der Sammelleidenschaft von Peter Krug. Das war noch tief zu DDR-Zeiten. Und während sich der gemeine Ossi mit der Grenzöffnung an plötzlich verfügbaren Strumpfhosen, Stereoanlagen, Bananen und Autos ergötzte, hat es dem Geraer der im Volksmund „Ökonomischer Hebel“ genannte Flaschenöffner angetan. „Sie können sich ja gar nicht vorstellen, was es da für eine Vielfalt gibt!“, meint er mit leuchtenden Augen und Blick zum Wohnungsflur. Er hat schon wieder die sprichwörtlichen Hummeln im Hintern. Klar, er kann zu jedem Öffner eine Geschichte erzählen. Oh je, das sind 7147 Geschichten. Und wenn die Erinnerung ihm dann doch mal einen Streich spielt, hat er ja noch seine per Hand geschriebene Katalogisierung. Ein Blick hinein verrät, dass selbst der Kaufpreis notiert wird. Jetzt wird’s interessant. Was für ein Auto hängt denn hier wertmäßig an den Wänden und tummelt sich in den Schubladen? Vor der Antwort auf diese Frage hat der Sammler wohl selbst ein wenig Angst. Als er erstmals zusammenrechnete, kamen 6000 DM heraus. Dem eigenen Schreck vorbeugend, lässt er das weitere Summieren lieber. Und das teuerste Exemplar seiner Sammlung? Sage und schreibe 1,8 Millionen! Wie bitte? Nicht Euro, nicht Mark, sondern Türkische Lira und somit nur zahlenmäßig der „Teuerste“.

Regionale Flohmärkte, Tauschpartner, Urlaubsmitbringsel. Apropos Urlaub. „Maximal für 50 Euro Flaschenöffner pro Urlaub“, erklärt des Sammlers Gattin. Schließlich gibt es ja auch noch eBay – für Jäger und Sammler der Neuzeit wohl die beste (oder gefährlichste?) Erfindung.

Selbst innerhalb des Ostthüringer Brauerei-Souvenir-Sammler-Clubs (OBSSC), dem Krug von Beginn an angehört, ist er eher die Ausnahme. Die meisten der knapp 20 Mitglieder sammeln eher Etiketten, Kugelschreiber, Bierdeckel und Kronkorken. Beim Stichwort Kronkorken geht Krugs Griff in die Hosentasche. Den hat er nämlich immer einstecken. Wenn ihm irgendwo ein neuer Flaschenöffner begegnet, kann er gleich ausprobieren, ob der funktioniert. Und wovon träumt eigentlich ein Flaschenöffnersammler? Krug korrigiert die Frage: „Sie müssten eher fragen, wovor ich Angst habe?“. Und zwar, dass ihm der Platz ausgeht für die Aufbewahrung der Sammlung. Und dann gibt es noch was, was ihn beschäftigt. Seine beiden Jungs haben kein Interesse an der Sammlung, spaßen eher damit, dass alles auf den Schrott kommt. Peter Krug wüsste die Sammlung später gern in einer öffentlich zugänglichen Ausstellung aufgehoben.
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8 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 30.10.2012 | 12:35  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 30.10.2012 | 14:16  
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Manfred Hartmann aus Nordhausen | 30.10.2012 | 15:47  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 30.10.2012 | 15:55  
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Hannelore Grünler aus Artern | 30.10.2012 | 20:37  
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Manfred Hartmann aus Nordhausen | 31.10.2012 | 09:24  
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Karin Jordanland aus Artern | 31.10.2012 | 15:05  
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Renate Jung aus Erfurt | 31.10.2012 | 22:08  
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